Aus nach sechs Jahren: Das Restaurant "Tafelspitz" in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage ist aufgrund wirtschaftlicher Probleme bereits geschlossen und wird aktuell ausgeräumt. Am kommenden Montag soll die Immobilie der Stadt übergeben werden.
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Aus nach sechs Jahren: Das Restaurant »Tafelspitz« in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage ist aufgrund wirtschaftlicher Probleme bereits geschlossen und wird aktuell ausgeräumt. Am kommenden Montag soll die Immobilie der Stadt übergeben werden.

Trinkkuranlage

Aus für Tafelspitz - Das Coronavirus als »i-Tüpfelchen«

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Die Trinkkuranlage, zentraler Veranstaltungsort von Bad Nauheim, steht bald ohne Restaurant da. Nach längerer Auseinandersetzung mit der Stadt hat der Pächter das »Tafelspitz« geschlossen.

Kündigung - Vergleich - erneute Kündigung: Seit etwa einem Jahr kommt das Vertragsverhältnis zwischen der Stadt Bad Nauheim als Eigentümer der Trinkkuranlage und dem Pächter des Restaurants »Tafelspitz« nicht zur Ruhe. Am 29. März vergangenen Jahres schickte der städtische Anwalt dem Wirt, der namentlich nicht genannt werden möchte, die Kündigung, listete eine Vielzahl von vermeintlichen Verstößen gegen den Mietvertrag auf. Unter anderem wurden als Gründe mangelnde Pflege der Räume und technischen Anlagen sowie eine Nutzung des Brunnenraums für gastronomische Zwecke trotz Verbot angeführt.

Hauptkritikpunkt der Stadt waren allerdings Beschwerden vom Veranstaltern, die den Konzertsaal gemietet hatten. Vor allem die Hiesbach-Karnevalisten machten dem Wirt Vorwürfe, weil es bei ihren Sitzungen zu erheblichen Servicemängeln gekommen sein soll. Fazit des städtischen Anwalts: »Das Vertrauensverhältnis ist endgültig zerstört, eine weitere Fortsetzung des Pachtverhältnisses unzumutbar.«

Der Rechtsbeistand des Gastronomen sah das völlig anders, hielt die Kündigungsgründe für unzureichend oder falsch dargestellt, legte Widerspruch ein. Eigentlich sollten die »Tafelspitz«-Räume Ende April 2019 an die Stadt übergeben werden, doch der Wirt machte weiter, warb in der Öffentlichkeit für seine Position. Den Vertretern der Stadt warf er vor, seine Arbeit »von Anfang an blockiert« zu haben. Weil er das Mietobjekt nicht übergab, drohte eine Räumungsklage.

Tafelspitz Bad Nauheim: Mietrückstände führen zur Trennung

Statt dem Ende des Vertragsverhältnisses folgte im November überraschend ein Vergleich, der »nach zähem Ringen und harten Verhandlungen« erzielt worden sei, wie beide Seiten erklärten. Bestandteil der Einigung war nicht zuletzt die Frage, wer bei Veranstaltungen im Konzertsaal für das Catering zuständig ist. Veranstalter waren fortan nicht mehr gezwungen, sich vom »Tafelspitz« bewirten zu lassen, sondern konnten auch auf eine Catering-Firma zurückgreifen.

Stadt und Gastronom strebten ein »partnerschaftliches Verhältnis« an. Das sollte allerdings nicht lange dauern. Erster Stadtrat Peter Krank bestätigt WZ-Informationen, wonach es Mietrückstände gebe und deshalb eine erneute Kündigung erfolgt sei. »Seit dem Vergleich rennen wir unserem Geld hinterher. Die Stadt hat noch Forderungen an den Pächter. Ich gehe davon aus, dass sie im Rahmen des Vertragsendes beglichen werden«, sagt Krank.

Die Räumlichkeiten sollen am 16. März an die Stadt übergeben werden, der Betrieb des Restaurants wurde bereits eingestellt. Der Erste Stadtrat will möglichst bald für eine Nachfolgeregelung sorgen. Einige Monate dürfte das Jugendstilensemble allerdings ohne Restaurant bleiben. »Die Trinkkuranlage mit dem Konzertsaal ist das Wohnzimmer der Stadt. Dort gibt es hochwertige Veranstaltungen, wir brauchen eine funktionierende Gastronomie«, betont Krank.

Der Wirt macht das Corona-Virus für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich. Nach dem Vergleich mit der Stadt sei er optimistisch ins Jahr 2020 gegangen. »Nach anfänglichen positiven Zeichen gingen die Buchungen nahezu gegen null«, sagt der Wirt.

Tafelspitz Bad Nauheim: Einige Gastronomen haben Probleme

Es lägen bereits Stornierungen für Veranstaltungen im August oder September vor. Immer mehr Absagen hätten ihn erreicht, wobei das Virus als Begründung genannt worden sei. Es sei deshalb zu einem erneutem Gespräch mit der Stadt und zu einer Trennung in »freundschaftlichem Einvernehmen« gekommen.

»Der Corona-Virus dürfte das i-Tüpfelchen gewesen sein«, kommentiert der Erste Stadtrat die Aussagen des Pächters. Tatsächlich hätten einige gastronomische Betriebe in Bad Nauheim erheblich mit den Folgen der Epidemie zu kämpfen. Die Wirte berichteten von zahlreichen Absagen und deutlich rückläufigen Besucherzahlen.

In diesem wirtschaftlichen Umfeld dürfte es für die Stadt nicht einfach sein, einen neuen Pächter für das Restaurant in der Trinkkuranlage zu finden. Laut Krank erfolgt zunächst eine Inspektion der Räume und die Entscheidung, ob eine Sanierung erforderlich ist. Parallel soll per Ausschreibung ein Wirt gesucht werden.

Tafelspitz Bad Nauheim: Vertragspartner seit 2014

Seit 2014 war die EELEM Hospitality GmbH Vertragspartner der Stadt Bad Nauheim für den Betrieb des Restaurants »Tafelspitz & Söhne« in der Trinkkuranlage. Zunächst trat der Gesellschafter selbst als Wirt auf, 2017 stellte er schließlich einen Geschäftsführer mit umfangreicher Erfahrung in der Gastronomie ein. In den besten Zeiten waren im »Tafelspitz« 15 Angestellte beschäftigt, die verbliebenen müssen sich jetzt einen neuen Job suchen.

Die GmbH hatte einen Pachtvertrag, der im Fünf-Jahres-Rhythmus bis 2034 lief. Nach Ablauf von jeweils fünf Jahren hatte nur der Pächter das Recht, den Rückzug anzutreten. Im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung vergeblich versucht, den Betreiber von einer Verlängerung des Vertrags über September 2019 hinaus abzubringen. Der Stadt war nur erlaubt, die Kooperation durch außerordentliche Kündigung zu beenden, wovon jetzt Gebrauch gemacht wurde.

Die Landesregierung hat am Dienstag unterdessen eine Empfehlung ausgesprochen, Großveranstaltungen abzusagen.

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