Es bleibt dabei: Die Trinkkuranlage soll nur übergangsweise als Domizil der städtischen Kleinkunst-Bühne und des TAF dienen. Fast alle Fraktionen des Parlaments halten in ein paar Jahren ein neues Kulturzentrum im Sprudelhof für machbar. ARCHIVFOTO: NIC
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Es bleibt dabei: Die Trinkkuranlage soll nur übergangsweise als Domizil der städtischen Kleinkunst-Bühne und des TAF dienen. Fast alle Fraktionen des Parlaments halten in ein paar Jahren ein neues Kulturzentrum im Sprudelhof für machbar. ARCHIVFOTO: NIC

Trinkkuranlage nur Übergangslösung

Bad Nauheim: Parlamentsmehrheit hält an Kulturzentrum fest

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Städtische Spielstätte und TAF sollen nicht übergangsweise, sondern endgültig in die Bad Nauheimer Trinkkuranlage ziehen. Das beantragen die Freien Wähler, die Parlamentsmehrheit lehnt ab.

Eines Mikrofons hätte es nicht bedurft, als Markus Philipp (FW/UWG) am Donnerstagabend in der Frauenwaldhalle ans Rednerpult trat. Sein kurzer, aber lautstarker Vortrag wäre auch so in jeder Ecke des großen Gebäudes zu verstehen gewesen. Grund für die Erregung des Stadtverordneten aus Nieder-Mörlen waren die Vorwürfe, die andere Fraktionen gegen die Freien Wähler erhoben.

Die größte Gruppierung im Bad Nauheimer Parlament hatte zuvor einmal mehr den Sinn und die Finanzierbarkeit des beschlossenen Kulturzentrums im Badehaus 3 des Sprudelhofs in Zweifel gezogen. FW/UWG-Fraktionschef Markus Theis hatte beantragt, die Pläne fallen zu lassen und die Trinkkuranlage nicht nur übergangsweise, sondern endgültig zur Heimat der städtischen Kleinkunst-Spielstätte und des Theaters Alte Feuerwache (TAF) zu machen.

FW/UWG hält Pläne für obsolet

Der Vorstoß der Freien Wähler kam nicht unerwartet. Es ging in der Sitzung eigentlich darum, die Trinkkuranlage als mehrjährige Übergangslösung für Spielstätte und TAF bereitzustellen. Doch Theis nutzte den Auftakt der Redebeiträge für den Antrag, aus dem Provisorium eine endgültige Lösung zu machen. "Wenn wir dafür eine halbe Million Euro in die Trinkkuranlage investieren, ist das keine Übergangslösung. Wir machen uns diesbezüglich nichts vor und der Magistrat auch nicht", betonte der Fraktionsvorsitzende.

Zwar habe das Parlament Anfang 2019 entschieden, im und am Badehaus 3 ein Kulturzentrum mit Stadtbücherei, Jugendstilzentrum und Spielstätten-Neubau zu installieren, doch von diesen Plänen sei seitdem nichts mehr zu hören. Angesichts der leeren Stadtkasse sprächen finanzielle Gründe gegen den zwei Jahre alten Beschluss.

Allein der Bau der neuen Spielstätte anstelle des Behälterraums werde 3 Millionen Euro kosten - Entsorgungskosten noch nicht mitgerechnet. Vor 2024 werde das Land mit der Sanierung des Badehauses ohnehin nicht beginnen. Somit dürfte das Gebäude frühestens 2025/26 zur Verfügung stehen. Theis: "Die Kulturzentrum-Pläne sind obsolet, das wird nicht funktionieren."

Seine Äußerungen und der Änderungsantrag stießen bei den anderen Fraktionen auf Widerstand. So betonte CDU-Fraktionschef Manfred Jordis, seine Partei werde am Ziel Kulturzentrum festhalten. Es gehe darum, die Badehäuser sinnvoll zu nutzen und den Sprudelhof zu beleben. "Die UWG sagt immer nur, was angeblich nicht geht, aber nicht, was sie will", kritisierte der Christdemokrat. Ähnlich die Stellungnahme von Benjamin Pizarro (FDP): "Von den Freien Wählern höre ich stets nur ›zu teuer‹ oder ›geht nicht‹."

Eine "scheinheilige Argumentation" bescheinigte Grünen-Sprecher Dr. Martin Düvel dem FW/UWG-Fraktionsvorsitzenden. Vor der letzten Kommunalwahl hätten sich die Freien Wähler für eine neue Therme ohne Anbindung ans Badehaus 2 ausgesprochen. "Hätten Sie dieses Wahlversprechen gehalten, bräuchten wir keine neue Spielstätte", sagte Düvel. Nach Ansicht von Georg Küster (SPD) verfügt die UWG über "hellseherische Fähigkeiten". Denn Theis wisse schon heute, dass in einigen Jahren kein Geld fürs Kulturzentrum zur Verfügung stehe.

Trinkkuranlage nur Übergangslösung

Auch die parteilose Stadtverordnete Petra Michel, die sich der FDP-Fraktion angeschlossen hat, bemängelte die Haltung der Freien Wähler. Die UWG habe sich früher fürs Kulturzentrum ausgesprochen und sei jetzt dagegen. Laut Michel ist die Trinkkuranlage aus Gründen der Technik, der Bühne und der fehlenden Lagerfläche nur bedingt für Theater-Aufführungen geeignet. "Das ist keineswegs ideal und deshalb nur als Übergangslösung gedacht."

Weil in den Wortbeiträgen der anderen Fraktionen auch angeklungen war, dass die FW/UWG das TAF eher gering schätze, regte sich Markus Philipp auf. Er nahm seinen Fraktionschef in Schutz und rief: "Wir sind nicht die Totengräber des TAF und schmälern nicht dessen Leistung für die Stadt." Die Trinkkuranlage sei ein gutes Domizil für Theater und Spielstätte. Das Kulturzentrum müsse beerdigt werden, weil es zu teuer sei. "Es geht um die Frage, zu welchem Preis die Pläne verwirklicht werden sollen. Es geht um die Finanzierung. Dazu stehen wir", sagte Philipp.

Der FW/UWG-Änderungsantrag wurde von einer klaren Mehrheit abgelehnt. Die Beschlussvorlage, in der die Trinkkuranlage als Übergangslösung bezeichnet wird, wurde einstimmig verabschiedet.

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