Die Parkscheinautomaten am Rand des "Dichterviertels" (unser Archivbild zeigt die Ludwigstraße) können in Kürze ihre Arbeit aufnehmen. In dem Gebiet wird Bewohnerparken eingeführt.
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Die Parkscheinautomaten am Rand des »Dichterviertels« (unser Archivbild zeigt die Ludwigstraße) können in Kürze ihre Arbeit aufnehmen. In dem Gebiet wird Bewohnerparken eingeführt.

Bauausschuss-Beschluss

Neue Parkgebührenordnung im Stadtzentrum

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Chaotisch verlief die Bauausschuss-Sitzung in Bad Nauheim. Als sich die Mitglieder in der Debatte über eine neue Parkgebührenordnung zusammenrissen, fassten sie interessante Beschlüsse.

Etwa zwei Stunden nach Beginn der Diskussion am Donnerstagabend im Bauausschuss über eine neue Parkgebührenordnung für Bad Nauheim hatte Markus Philipp endgültig keine Lust mehr. »Wir haben alle den Faden verloren. Ich schlage vor, die Sitzung an dieser Stelle zu beenden«, sagte der UWG-Politiker. Dieser Antrag wurde abgelehnt, im weiteren Verlauf traf das Gremien einige Entscheidungen, die den Verkehr vor allem in der zentralen Innenstadt nicht unwesentlich beeinflussen werden.

Vor Philipps Vorstoß war die Debatte völlig zerfahren, hatte keinerlei Struktur. Ewig wurde über Kleinigkeiten wie die »Brötchentaste« beraten, um deren Einführung schließlich abzulehnen. Beschlüsse wurden gefasst, die am Rand der Innenstadt höhere Parkgebühren als im Zentrum zur Folge gehabt hätten. Offensichtlich wussten einzelne Politiker gar nicht, über was sie gerade entschieden. Eine Abstimmung wurde wiederholt, wobei ein anderes Ergebnis als zuvor herauskam. »Was für ein Chaos. Wenn ich so etwas haben möchte, gehe ich ins Theater«, kommentierte CDU-Stadträtin Sonja Rohde das Geschehen.

Parken Bad Nauheim: Vorsitzender mahnt Ergebnisse an

Ihr Parteifreund und Ausschuss-Vorsitzender Manfred Jordis hatte mehrfach versucht, die Diskussion in die richtigen Bahnen zu lenken und Entscheidungen angemahnt. »Die Vorlage des Magistrats für eine neue Parkgebührenordnung liegt seit Anfang November auf dem Tisch, wir beschäftigen uns seit Monaten damit, müssen endlich zu Ergebnissen kommen.« Zu Beginn hatte Jordis deutlich gemacht, dass es an diesem Abend nur um die Parkgebühren gehen sollte. Die sogenannte Roadmap zur »Mobilitätswende«, in der es um den Ausbau von Großparkplätzen und deren verkehrliche Anbindung an die Innenstadt gehen soll, wird im April beraten.

Im letzten Drittel der Debatte ging es zur Sache. Dabei wurde die Aufforderung von Markus Philipp beherzigt, mehr Mut zur Veränderung zu zeigen. »Sonst schaffen wir die Mobilitätswende nicht.« Widerstände, etwa aus den Reihen des Einzelhandels, müsse die Politik aushalten.

Der Ausschuss folgte dem Vorschlag der Verwaltung, die Zahl der Parkzonen von sieben auf vier zu verringern, um für mehr Klarheit zu sorgen. Ebenfalls befürwortet wurde eine deutliche Anhebung der Parkgebühren in der Innenstadt, um Fahrzeuge auf die Großparkplätze - etwa am großen Teich - umzulenken.

Sehr intensiv beschäftigten sich die Politiker mit der Zone 1, die das Zentrum umfasst und in etwa von Park-, Kur-, Luther-, Haupt- und Friedrichstraße eingegrenzt wird. Dort wird alles einheitlich geregelt. In der City darf höchstens zwei Stunden geparkt werden, Gebührenpflicht besteht montags bis sonntags von 9 bis 19 Uhr, pro 15 Minuten werden 50 Cent fällig.

Parken Bad Nauheim: Anwohnerparken im »Dichterviertel«

Mit dem Beschluss, die Innenstadt als Einheit zu behandeln, wich der Ausschuss von der Magistratsvorlage ab. Besonders wichtig für Bewohner der City ist eine weitere Änderung des Verwaltungspapiers. In der gesamten Zone 1 (inklusive Parkstraße) wird Bewohnerparken am Wochenende eingeführt. Wer im Zentrum wohnt, kann sein Auto samstags und sonntags kostenlos abstellen. Das hat erhebliche Folgen für Besucher der Stadt. Wenn etwa in der Parkstraße sonntags etliche Pkw von Anwohnern stehen, finden Gäste kaum noch einen Stellplatz.

Lenkungswirkung sollen auch andere Beschlüsse entfalten. So wird im »Dichterviertel« Bewohnerparken eingeführt, Pendler werden verdrängt. Dieses Gebiet gehört zur Parkzone 2 rund um die Frankfurter Straße. In allen Straßen dieser Zone gibt es keine Tagestickets mehr. Langzeitparker sollen den Parkplatz am großen Teich nutzen. Dort kostet die Tageskarte künftig 3 statt bisher 4 Euro. Dieser Tarif gilt für alle Großparkplätze. Ausnahmen bleiben das Parkdeck Schwalheimer Straße (2 Euro) und der Parkplatz am Hochwaldkrankenhaus (4 Euro).

Auf der Grundlage dieser Beschlüsse könne die Verwaltung sehr gut aufbauen, sagte Erster Stadtrat Peter Krank. »Wir werden das Ziel - weniger Verkehr in der Innenstadt, weniger Schadstoffe - nicht mit einem großen Schalterdreh erreichen«, betonte der Dezernent. Wichtig sei es, das Ziel geradlinig anzusteuern. Nach Ansicht von Krank wird die neue Gebührenordnung zu einer besseren Auslastung der Parkplätze am großen Teich und nördlich des Bahnhofs führen.

Parken Bad Nauheim: Die wichtigsten Veränderungen

Bislang gibt es in der Kernstadt sieben Parkzonen, daraus sollen vier werden. Im Zentrum (Zone 1) wird - falls das Parlament dem Bauausschuss folgt - eine Gebühr von 2 Euro pro Stunde fällig (bislang 1 oder 1,40 Euro). Die Mindestgebühr beträgt montags bis sonntags zwischen 9 und 19 Uhr 50 Cent für 15 Minuten, die Höchstparkdauer zwei Stunden. Wichtig für Anwohner der City: An Wochenende wird Bewohnerparken eingeführt, die Anlieger können ihr Auto mit Parkausweis rund um die Uhr kostenlos abstellen.

In der Zone 2 (rund um die Frankfurter Straße), zu der auch das »Dichterviertel« gehört, gilt ebenfalls an allen Wochentagen zwischen 9 und 19 Uhr Gebührenpflicht. Pro halbe Stunde sind 70 Cent zu zahlen. In allen Straße dieser Zone gibt es keine Tagestickets mehr, die Höchstparkdauer beträgt drei Stunden.

In der Zone 3 sind die Großparkplätze zusammengefasst. Dort gibt es nur eine Änderung. Auf dem Parkplatz am großen Teich kostet das Tagesticket bisher 4 Euro, der Preis soll auf 3 Euro gesenkt werden. Die Zone 4 bilden die P + R-Plätze am Bahnhof.

Außerdem wurde ein zweijähriges Pilotprojekt beschlossen: E-Fahrzeuge mit entsprechendem Kennzeichen dürfen in der City kostenlos parken.

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