Im Sommerhalbjahr ist das Holzdeck am großen Teich ein beliebter Treffpunkt. Tagsüber ist das kein Problem, doch die nächtlichen Partys sorgen für zahlreiche Beschwerden von Anwohnern des Kurparks.	ARCHIVFOTOS: NICI MERZ
+
Im Sommerhalbjahr ist das Holzdeck am großen Teich ein beliebter Treffpunkt. Tagsüber ist das kein Problem, doch die nächtlichen Partys sorgen für zahlreiche Beschwerden von Anwohnern des Kurparks. ARCHIVFOTOS: NICI MERZ

Unruhige Nächte

Bad Nauheim: Kurpark-Anwohner sind genervt von Freiluft-Partys

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
    schließen

Der Sommer endet bald. Was viele Bürger bedauern, wird von Anwohnern des Bad Nauheimer Kurparks begrüßt. Sie wollen endlich durchschlafen, ohne von Musik und Geschrei geweckt zu werden.

Wenn es 22 Uhr wird, geht es langsam los. Dann treffen sich in lauen Sommernächten Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Kurpark, vor allem auf dem Holzdeck am großen Teich. Genügend Platz gibt es dort, der idyllisch gelegene, 2010 errichtete Aufenthaltsort ist 100 Meter lang und bis zu 11 Meter breit. Wie Anwohner schildern, ertönten schrille Schreie, Musik und Gesang schallten weit in die Stadt. In manchen Nächten ist bis 3.30 Uhr nicht an Schlaf bei offenem Fenster zu denken.

»Da hilft höchstens Ohropax. Was dort vor sich geht, wird immer verrückter«, erzählt Carsten Hessler, der in der Küchlerstraße wohnt. Oft zögen Jugendliche mit lauter Musik durch den Park oder rasten mit knatternden Mopeds bis zum Teich. Nach der Fete bleibe ein Haufen Müll zurück, den städtische Mitarbeiter entsorgen müssten.

Kurpark-Anlieger beschweren sich bereits seit etwa fünf Jahren im Rathaus, doch die Ruhestörung sei noch nie so extrem gewesen wie in dieser Sommer-Saison. Mangelnde Freizeit-Angebote wegen Corona und die milde Witterung werden dafür verantwortlich gemacht. Wobei nicht nur am Wochenende, sondern auch werktags bis weit nach Mitternacht gefeiert wird.

Bad Nauheim: Saison-Beginn schon im März

Auch Frank Mönicke, der als Hausverwalter für eine Immobilie in der Küchlerstraße zuständig ist, hört solche Beschwerden. »Viele ältere Menschen kaufen sich eine Wohnung in Kurpark-Nähe. Manche ziehen wegen der guten medizinischen Versorgung hierher. Sie glauben, im schönen Bad Nauheim lasse es sich ruhig leben«, sagt er. Mit nächtlicher Beschallung in einer Kurstadt hätten diese Bürger nicht gerechnet. Mönicke ist vor Jahren im Rathaus vorstellig geworden - ohne Ergebnis. »Die Verantwortlichen wechseln, aber an der Situation ändert sich nichts«, betont der Hausverwalter.

Die Lärmbelästigung nimmt wohl eher zu. »Während die Party-Saison früher von Mai bis September dauerte, hat es in diesem Jahr bereits im März begonnen«, berichtet eine Frau, die auf dem Kerckhoff-Campus beschäftigt ist. Ärzte im Bereitschaftsdienst könnten ebenso wenig schlafen wie einige Patienten. Besonders betroffen ist das Harvey-Gefäßzentrum, das Luftlinie nur 60 Meter vom Holzdeck entfernt liegt. »Meistens wird gegen 1 Uhr die Polizei angerufen, die auch irgendwann kommt.« Je länger die Feier dauere, desto höher steige der Alkohol- und der Lärmpegel.

Weder die Kerckhoff-Angestellte noch die Anlieger schimpfen heftig auf die Jugendlichen. Allerdings müssten auch ruhesuchende Anlieger und Patienten zu ihrem Recht kommen. »Wie soll sich jemand von einer OP oder einem Infarkt erholen, wenn sein Schlaf ständig gestört wird?«, fragt eine Anwohnerin der Frankfurter Straße.

Die Frau, die auf dem Kerckhoff-Campus arbeitet, beschreibt ein weiteres Problem: Menschen säßen in der Klinik bei einem sterbenden Angehörigen und müssten sich dabei Feten-Hits anhören, die draußen gegrölt würden.

Bad Nauheim: Ein Allheilmittel ist nicht bekannt

Nach Angaben der Kerckhoff-Geschäftsführung wird die Geräuschkulisse am späten Abend aus Richtung der Parkanlage als störend empfunden. Das teilten Patienten, die parkseitig ein Zimmer im Harvey-Gefäßzentrum belegen, aktuell vermehrt mit.

Ein Allheilmittel zur Lösung des Problems kennen die betroffenen Anlieger nicht. Sie könnten sich eine nächtliche Sperrung des Holzdecks vorstellen, wünschen sich eine Wiederbesetzung des Polizeipostens in Bad Nauheim. »Letztlich helfen nur verstärkte Kontrollen«, sagt Carsten Hessler. Er hat Jugendliche einmal um Rücksichtnahme gebeten. Eine unangenehme Erfahrung, weil die Gesprächspartner stark angetrunken gewesen seien.

Die Kerckhoff-Angestellte könnte sich vorstellen, einige Jugendliche nachts auf eine Station einzuladen, damit sie sich selbst vom Ausmaß der Ruhestörung überzeugen können. »Das ist vielen Leuten, die dort Party machen, gar nicht bewusst.«

Erster Stadtrat Peter Krank kennt die Nöte dieser und anderer Anlieger von Freiluft-Treffpunkten im Stadtgebiet. Die Ordnungsbehörde sei ständig aktiv, das Personal könne aber nicht an allen Orten gleichzeitig präsent sein. Laut Krank ist eine Verschärfung des Problems in der Zukunft nicht auszuschließen, zumal die Stadt immer jünger werde. »Da hilft nur, kontinuierlich dranzubleiben und auf die jungen Leute einzuwirken.«

Bad Nauheim: Poser-Szene wird ausgebremst

Das Holzdeck am großen Teich ist nur einer von vielen Treffpunkten für Freiluft-Feten in Bad Nauheim. Hoch her geht es traditionell auf dem Parkdeck an der Schwalheimer Straße. Ab 2005 waren dort zunächst Jugendgruppen zu Gange, die nachts mit reichlich Alkohol und dröhnender Musik feierten. Schon damals war die Situation für manche Patienten der kardiologischen Reha-Klinik Wetterau kaum erträglich, Passanten wurden teils angepöpelt. Aktuell trifft sich auf dem Parkdeck die sogenannte Poserszene, die ihre PS-starken, oft getunten Autos zur Schau stellen. Schilderung eines Patienten: »Es werden Rennen gefahren oder Runden auf dem Parkdeck mit möglichst starker Beschleunigung gedreht, Motoren werden im Leerlauf sinnlos aufgedreht, es gibt Hupkonzerte, es wird gegrölt und rumgeschrieen. Und das wenige Meter neben den Fenstern einer Klinik, in der sich herzkranke Rehabilitanten erholen sollen.« Und nicht nur das: Wie in Sozialen Medien berichtet wird, soll es in der Innenstadt nachts auch zu illegalen Autorennen kommen.

Nach Auskunft von Ordnungsdezernent Peter Krank hat sich die Leitung der Klinik Wetterau mehrfach über die Zustände beschwert. Die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft, der das Parkdeck gehört, soll in Kürze tätig werden. »Bei einem Gespräch Anfang des Jahres wurde vereinbart, dort Ende Oktober Rolltore einzubauen, damit die Zufahrten nachts verschlossen werden können.« Damit werde die Poserszene allerdings an andere Orte verdrängt. Schon jetzt zeige sich diese Gruppe auch auf dem großen Parkplatz in der Frankfurter Straße oder auf dem Stadthallen-Parkplatz in Friedberg. Zumindest für die Kliniken und das Seniorenheim in der Zanderstraße dürfte aber Ruhe einkehren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare