Die Kanadagänse im Bad Nauheimer Kurpark haben eine Kita gegründet. Zwei Paare kümmern sich um den gesamten Nachwuchs aller Artgenossen. 
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Die Kanadagänse im Bad Nauheimer Kurpark haben eine Kita gegründet. Zwei Paare kümmern sich um den gesamten Nachwuchs aller Artgenossen. 

Verdreckte Wege

Bad Nauheim: Immer mehr Gänse im Kurpark - Reduzierung gestaltet sich schwierig 

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Gips-Eier sind kein Allheilmittel, um die Gänse-Population im Bad Nauheimer Park zu brenzen. Auf Wegen finden sich viel Vogelkot. Besucher beklagen sich, manche sind aber Teil des Problems.

Normalerweise geht Monika Hahn gerne im Bad Nauheimer Kurpark spazieren. Oft fährt sie aus Ober-Mörlen in die Nachbarstadt. Doch in diesem Jahr kann sie den Aufenthalt nicht recht genießen. "Die Gänse werden zur Plage, so wie sie sich vermehren. Überall liegt der Kot, auf der Wiese und auf den Wegen", sagt Monika Hahn.

An verschiedenen Stellen, unter anderem am kleinen Teich, könnten sich Spaziergänger kaum noch die Schönheiten des Parks anschauen. "Sie müssen den Blick auf den Boden richten, um nicht in ›Tretminen‹ zu laufen." Nach Ansicht der Dame aus Ober-Mörlen sind es inzwischen deutlich zu viele Wasservögel, die sich in der Nähe der Teiche tummeln. "Es wird jedes Jahr schlimmer. Irgendetwas muss passieren."

Kurpark Bad Nauheim: Gips-Eier im Wasservogel-Nest

Es passiert schon etwas, und zwar seit Jahren, sagt Steffen Schneider, Leiter des städtischen Kur- und Servicebetriebs (KuS). Das Problem sei aber nicht so leicht zu lösen, weil eine Bejagung der Gänse im Kurpark nicht möglich und nicht gewollt ist. "Mein Vorgänger beim KuS, Frank Müller, hat es in Frankfurt leichter, konnte im Brentanobad, bei dem es sich um ein eingefriedetes Gelände handelt, Gänse bejagen lassen", sagt Schneider. Müller, der in Frankfurt für Schwimmbäder zuständig ist, musste sich allerdings geharnischte Kritik von Tierschützern gefallen lassen.

In der Wetterauer Kurstadt müssen die Verantwortlichen listiger vorgehen. Vor Jahren kamen sie auf die Idee, in der Brutzeit einen Großteil der Gänse-Eier durch Gips-Exemplare zu ersetzen. Der Nachwuchs der Wasservögel soll so auf ein bis zwei Küken pro Paar begrenzt werden. "Alle Eier auszutauschen macht keinen Sinn. Bekommen sie gar keine Küken, legen sie Eier nach", erklärt Schneider.

Zudem sei der KuS dazu übergegangen, an den Rändern von Wegen, auf denen sich Gänse gerne tummeln, Blühstreifen anzulegen. Die Wasservögel bevorzugen laut Schneider nämlich Plätze mit freier Sicht aufs Wasser und mögliche Feinde. Dieser Blick soll ihnen mit hohen Wildblumen genommen werden.

Kurpark Bad Nauheim: Kanadagänse gründen Kita

Diese Vorgehensweise ist mit den im Kurpark aktiven Mitgliedern des Naturschutzvereins Erna-Ente-Team abgesprochen. Laut Sprecherin Laura Esser kommt es allerdings auf die Details an. Bei Grau- und Nilgänsen habe die Austauschaktion auch 2020 gut funktioniert. Anders bei den Kanadagänsen. "Warum es bei dieser Art nicht geklappt hat, weiß ich nicht genau. Möglicherweise haben die Tiere ungewöhnlich früh oder spät gebrütet", sagt Esser. Im Kurpark seien sechs Pärchen dieser Art unterwegs, zudem zahlreiche Einzeltiere. Insgesamt 17 Küken seien geschlüpft. "Die Kanadagänse haben eine Kita gegründet. Zwei Paare betreuen den gesamten Nachwuchs." Die fünf Graugans-Paare hätten dagegen jeweils nur ein bis zwei Küken.

Die bloße Zahl der Wasservögel ist nach Aussage der Expertin allerdings nicht ausschlaggebend für das Problem der verschmutzten Wege. Immer noch gebe es einige Parkbesucher, die das Fütterungsverbot missachten. "Das geschieht oft wissentlich, denn es wurden ja genügend neue Hinweisschilder aufgestellt", sagt Esser. Das Füttern locke Gänse auf die Wege. "Die Kleinen haben überhaupt keine Angst vor Menschen und lernen sehr schnell. Das Rascheln mit einer Tüte oder eine typische Handbewegung reicht aus, um sie anzulocken." Zurzeit bilde die Baustelle am kleinen Teich ein weiteres Problem. Die Vögel müssten die Absperrung auf Wegen umgehen, um ans Wasser zu gelangen.

Kurpark Bad Nauheim: Fütterungsverbot wird missachtet

Würde das Füttern unterbleiben, müssten sich die Tiere den Großteil des Tages auf den Wiesen aufhalten, um ihren großen Futterbedarf zu decken. "Manche Besucher füttern die Gänse trotz Verbot, andere beschweren sich über verdreckte Wege, die Folge der Fütterung sind", beschreibt Esser die recht absurde Situation.

Die Bepflanzung der Wegesränder erfolgte vor Jahren auf Vorschlag des Erna-Ente-Teams. Allerdings müssten diese Blühstreifen länger sein als bisher. Nur so bildeten sie eine "durchgehende Barriere", die Gänse von den Wegen fernhalten könne. Zudem müssten frühblühende Wildblumen verwendet werden, damit der "Sichtschutz" rechtzeitig entstehe.

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