Umstrittenes Projekt: In der Usastraße wird ein achtstöckiger Neubau mit Eigentumswohnungen direkt an einem bestehenden Gebäude errichtet, was für Proteste sorgt. FOTO: NICI MERZ
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Umstrittenes Projekt: In der Usastraße wird ein achtstöckiger Neubau mit Eigentumswohnungen direkt an einem bestehenden Gebäude errichtet, was für Proteste sorgt. FOTO: NICI MERZ

Debatte um Usastraßen-Projekt

Bad Nauheim: "Hochhäuser" sind nicht erwünscht

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Hoch hinaus möchten manche Politiker mit Bad Nauheim durchaus, das gilt aber nicht für die Bautätigkeit. Projekte wie das achtstöckige Gebäude, das in der Usastraße errichtet wird, sind unerwünscht.

Die Kurstadt Bad Nauheim ist geprägt von Jugendstil-Villen, Ein- und Zweifamilienhäusern. Investoren, die Anlagen mit Eigentumswohnungen bauen, dürfen bis zu vier Etagen errichten. Einzige Ausnahme von der Regel ist das Wohnquartier, das von Schwalheimer und Friedberger Straße, Usastraße und der Straße Am Deutergraben eingegrenzt wird - im Volksmund auch als "Grießbreiviertel" bekannt. Dort stehen Wohnhäuser mit bis zu elf Stockwerken.

Ein Bauwerk mit acht Geschossen, das für Bad Nauheimer Verhältnisse schon als Hochhaus gilt, ist gerade in der Usastraße im Bau und sorgt für einige Aufregung. Empört sind vor allem die Bewohner des benachbarten Mehrfamilienhauses, denen der Neubau direkt vor die Nase gesetzt wird. "Niemand hätte sich vorstellen können, dass an diese Stelle so ein Bau hinkommt", kommentierte FW/UWG-Fraktionschef Markus Theis das Projekt in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung. Anlass waren Anträge seiner Fraktion und der FDP, in denen eine Überprüfung und Aktualisierung veralteter Bebauungspläne gefordert wurde.

Theis sprach von einem "massiven Problem" für die Nachbarn, deren Wohnqualität deutlich vermindert werde. Auch aus Sicht des FDP-Fraktionsvorsitzenden Benjamin Pizarro müssen solche Investorenpläne künftig möglichst verhindert werden: "Alle Bebauungspläne, die vor 2005 beschlossen wurden, sollten noch mal abgeklopft und aktualisiert werden", sagte der Freidemokrat.

Bis zu elf Geschosse

Eine solche Prüfung wurde laut Bürgermeister Klaus Kreß von der Verwaltung in der Sommerpause bereits vollzogen. Dabei seien lediglich zwei B-Pläne aufgefallen, die nach heutigen Maßstäben Anlass zur Kritik geben könnten. Zum einen gehe es um den Bebauungsplan "Söderweg", zu dem auch das Grundstück in der Usastraße gehöre. "Der B-Plan für diese Viertel enthält keine Höhenbegrenzung, dort geht es bis zu elf Geschossen", erläuterte Kreß.

Es gebe keine rechtliche Grundlage, um Bauvorhaben wie dem in der Usastraße einen Riegel vorzuschieben. Zuständig für die Genehmigung sei ohnehin nicht die Stadt, sondern der Wetteraukreis. "Würde ein solches Projekt abgelehnt, befänden wir uns im Willkürbereich. Das ist mit der Stadtverwaltung nicht zu machen", betonte der Bürgermeister, auch wenn die Kritik an dem Neubau emotional verständlich sei.

Eine Überarbeitung des Bebauungsplans "Söderweg" ist nach Angaben von Kreß und Jürgen Patscha (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) nicht machbar, möglich wäre höchstens seine Aufhebung. Ein solcher Schritt mache in diesem Fall aber keinen Sinn, weil Neubauten dann der Umgebung anzupassen seien, also auch acht oder mehr Stockwerke haben dürften. Patscha hatte allerdings eine positive Nachricht: Im "Söderweg"-Gebiet gebe es jetzt keine freien Grundstücke mehr. Bauherren könnten aber bestehende Gebäude aufstocken oder abreißen, um ein Haus mit etlichen Etagen zu errichten. Gerüchten, wonach der Investor in der Usastraße gegen die Vorschriften des Baurechts verstoße, erteilte der Fachbereichsleiter eine klare Absage. Das Kreisbauamt habe geprüft und die Genehmigung erteilt.

Aus für B-Plan "Dürerstraße"

Ein weiterer alter Bebauungsplan, den Kreß erwähnte, betrifft die Dürerstraße und ihr Umfeld in Nieder-Mörlen. In diesem Wohnquartier herrschten zweigeschossige Wohngebäude vor, der B-Plan lasse aber eine Bebauung mit bis zu vier Stockwerken zu. Für dieses Gebiet empfahl der Bürgermeister eine Aufhebung des Bebauungsplans, weil dann das Baugesetzbuch zum Zuge komme. Neubauten müssten dann der Umgebung angepasst werden, die von zweigeschossigen Gebäuden geprägt sei.

Nach den Ausführungen von Kreß und Patscha erklärten die Vertreter von FW/UWG und FDP ihre Anträge für erledigt, weil die geforderte Überprüfung bereits vollzogen wurde. Magistrat und Verwaltung wurden gebeten, die Aufhebung des Bebauungsplans "Dürerstraße/Steinernes Kreuz" in die Wege zu leiten.

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