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Selbst niedrige Bordsteinkanten werden zum Hindernis: Rollstuhlfahrer Horst Dziggel in der Danziger Straße.

Barrierefreiheit

Bad Nauheim: Ärger über fehlende Barrierefreiheit in der Kurstadt

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Bewohner des Bad Nauheimer Kaiserberg-Gebiets, die mit Rollstuhl oder Rollator unterwegs sind, klagen über fehlende Barrierefreiheit. Zwei Rollstuhlfahrer haben den Härtetest gemacht.

Horst Dziggel und Michael Becker haben "Glück im Unglück". Sie sind zwar zu hundert Prozent schwerbehindert, haben deshalb aber auch Anspruch auf Rollstühle mit Elektroantrieb. Der Weg vom Rathaus über Burgallee zum Kaiserberg und zurück über Auguste-Viktoria-Straße zur Terrassenstraße ist für sie nicht außergewöhnlich anspruchsvoll. Laut Dziggel gibt es viele Gebiete in der Stadt, die einen ähnlichen Schwierigkeitsgrad aufweisen. Trotzdem: Hindernisse gibt es immer wieder.

"Nicht behinderte Fußgänger bemerken die Probleme meist gar nicht. Ich bin erst aufmerksam geworden, als ich meine Schwiegermutter mit dem Rollstuhl durch die Stadt geschoben habe", sagt Hans-Ulrich Halwe, Vorsitzender des Seniorenbeirats. Den ersten Anstoß, sich mit der Lage der Kaiserberg-Bewohner zu befassen, hätten Beschwerden aus der Seniorenresidenz gegeben. Dort leben etliche Bewohner, die auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind.

Rücksichtsloses Parken

Diesen Personen wäre schon geholfen, wenn sich Autofahrer beim Parken an die Regeln hielten. Blick in die Burgallee von der Parkstraße aus: Auf der rechten Seite wird quer zur Fahrbahn geparkt. Pkw stehen oft so weit auf dem Gehweg, dass es für Rollstühle kein Durchkommen gibt. Beispiel zwei: In einer Kurve in der Burgallee steht ein Kleintransporter auf der abgesenkten Bordsteinkante. Dort könnte Michael Becker mit seinem Rollstuhl die Straße überqueren - könnte … "Die Parkgewohnheiten vieler Autofahrer sind eine Katastrophe", weiß er.

Aber etliche Bordsteine an Kreuzungen sind eben nicht abgesenkt. Dann hat selbst der geübte Fahrer Horst Dziggel seine liebe Mühe, den Elektrorollstuhl drüberzubalancieren. Eine Kuriosität: An der Einmündung der Königsberger Straße in die Danziger Straße ist die Kante zwar niedrig, dafür steht auf dem Trottoir aber ein Einfahrt-verboten-Schild im Weg.

Zusätzliche Haltestelle gefordert

Gegen die topografischen Gegebenheiten sind alle Beteiligten ohnehin machtlos. Mit einem Rollstuhl ohne Motor von der Terrassenstraße aus die Auguste-Viktoria-Straße hochzukommen, ist aussichtslos, viel zu steil. "Selbst Nutzer von Rollatoren, die eine viel größere Gruppe in Bad Nauheim ausmachen, haben enorme Probleme. Wenn sie ein paar Sachen eingekauft haben, wird es bitter", sagt Katja Augustin vom städtischen Seniorenbüro, die auch am Rundgang teilnimmt.

Der Seniorenbeirat würde sich laut Halwe am Übergang von der Auguste-Viktoria-Straße in die Burgallee eine weitere Bushaltestelle wünschen, nur zum Aussteigen. Für Bewohner der Seniorenresidenz oder Reha-Patienten der beiden Klinken am Kaiserberg sei der Fußweg von der Terrassenstraße bis zum Kaiserberg viel zu lang.

Bürgersteig viel zu schmal

Der Testlauf kommt in der Danziger Straße vor der Seniorenresidenz am Kaiserberg an. Dort fällt ein Mangel sofort auf: Der Bordstein auf der Seite des Seniorenheims ist nicht mal einen halben Meter breit. Mit seiner hinteren Tür muss der Stadtbus direkt vor dem Seniorenheim-Ausgang für Rollstuhlfahrer anhalten. Nur so können sie ein- oder aussteigen. Ein Busfahrer, der dort gerade eine Pause macht, schlägt vor, den Gehweg einen Meter zu verbreitern.

Auf dem Rückweg in die Innenstadt nimmt die Gruppe den Weg, den die meisten Behinderten wählen: Mondorfstraße, Burgallee und die Auguste-Viktoria-Straße hinunter. Die Burgallee weiterzugehen oder zu rollen, kommt für die meisten Betroffenen nicht infrage. An der Parkstraße wartet nämlich eine schwer überschaubare Kreuzung mit Bordsteinproblem und ohne Zebrastreifen. Doch auch die Kreuzung Auguste-Viktoria-Straße/Terrassenstraße/Nördlicher Park hat’s in sich. "Das muss neu geplant werden. Es ist zu unübersichtlich und zu gefährlich", meint Günter Neubauer vom Seniorenbeirat. Er ist auch Mitglied des Ortsbeirats, will das Thema dort zur Sprache bringen.

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