Rechtzeitig zum Muttertag darf auch Blumenhändler Martin Hofmann sein Geschäft in der Bad Nauheimer Mittelstraße wieder öffnen. Allerdings bleibt aufgrund einer Baustelle in der Nachbarschaft die Laufkundschaft fern.
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Rechtzeitig zum Muttertag darf auch Blumenhändler Martin Hofmann sein Geschäft in der Bad Nauheimer Mittelstraße wieder öffnen. Allerdings bleibt aufgrund einer Baustelle in der Nachbarschaft die Laufkundschaft fern.

Nicht nur Corona

Bad Nauheim: Doppelter Ärger für Blumenladen - Wie geht es weiter?

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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In der Corona-Krise klagen Geschäftsleute über hohe Umsatzeinbußen. Diese hat auch der Bad Nauheimer Blumenhändler Martin Hofmann. Vor allem wegen der Baustellen vor seinem Laden.

Bleibt man in Höhe des alten Rathauses am Marktplatz stehen, kann man folgendes beobachten: Autos nähern sich von unten, blinken nach links, nehmen dann die Absperrbaken und das »Durchfahrt verboten«-Schild wahr und fahren geradeaus. Obwohl unter dem Verkehrsschild der Hinweis »Anlieger frei« hängt.

Jedes Auto, das nicht abbiegt und weiterfährt, scheidet als potenzieller Kunde der »Abracadabra Zauberfloristik« aus. »Manche fahren trotzdem durch. Aber einladend wirkt das nicht«, sagt Inhaber Martin Hofmann. Der 45-jährige macht sich Sorgen um die Existenz seines Betriebs.

Die Mittelstraße ist für Autofahrer eine wichtige Verbindung von der Bad Nauheimer Innenstadt in Richtung Friedberg oder Autobahn. An Silvester schlug eine Feuerwerksrakete ins Dach des Eckhauses an der Hauptstraße ein, wo Polizeiposten und Stadtarchiv untergebracht sind. Die Mittelstraße war kurz blockiert. Zwei Wochen später begannen Tiefbauarbeiten. Die Straße wurde komplett abgeriegelt, abermals musste der Verkehr umgeleitet werden.

Seit dem 21. April ist die Mittelstraße erneut gesperrt. Ein Kran wurde aufgestellt, am Haus der Stadtarchivs sind Dacharbeiten im Gange. »Die Bauarbeiten Anfang des Jahres dauerten acht Wochen«, sagt Hofmann. Valentinstag, Weltfrauentag, Ostern: Wichtige Termine für Blumenhändler, die Hofmann verpasst hat. Im März machte er Urlaub. Freitags öffnete er, mittwochs musste er wegen der Corona-Krise schließen. Jetzt, da die Läden wieder öffnen und der Muttertag vor der Tür steht, folgt die nächste Baustelle. »Das Frühlingsgeschäft ist versaut«, sagt er bitter.

Hofmann hat wie andere Geschäftsleute auch eine Soforthilfe über 10 000 Euro beim Bund beantragt. Das Geld sei zwar noch nicht überwiesen, die Zusage aber habe er. Damit könne er die Corona-Krise überstehen. Aber die Baustellen nicht, sagt Hofmann. »Das bricht mir das Genick.«

Blumenladen in Bad Nauheim: Hohe Fixkosten, weniger Aufträge in Zeiten von Corona

Seit 19 Jahren betreibt Hofmann den Blumenladen in der Mittelstraße, hatte zwischenzeitlich Filialen in anderen Städten. Er beliefert Hochzeiten, Beerdigungen, Großveranstaltungen im Hotel Dolce: Das fällt derzeit alles weg. Eine Teilzeitkraft macht Kurzarbeit, einer Mitarbeiterin mit geringer Beschäftigung musste er kündigen. Das Fleurop-Geschäft laufe gut, außerdem beliefert Hofmann einen Lebensmittelmarkt mit Blumen. Die Fixkosten für den Laden seien hoch, das Finanzamt habe Forderungen gestundet.

Der Stadt macht er keinen Vorwurf. Wer eine Baustelle an seinem Haus einrichtet und Platz für einen Kran benötigt, erhält dafür auch die Genehmigung. Was Hofmann ärgert: »Warum werde ich nicht gefragt?« Warum werden solche Baustellen nicht mit den unmittelbaren Nachbarn abgesprochen? »Die Arbeiten hätten während der Corona-bedingten Schließungen erledigt werden können, ich hätte meinen Urlaub anders gelegt.« Immerhin konnte er beim Hauseigentümer, der Bad Nauheimer Wobau, erreichen, dass die Sperrung auf eine Straßenseite reduziert wurde und Anlieger durchfahren dürfen.

Die Stammkunden blieben ihm treu, erzählt Hofmann. Aber die Laufkundschaft fehlt. Den Blumenhändlern werde es in Bad Nauheim ohnehin nicht leicht gemacht. »Wer einen Trauerkranz auf dem Friedhof liefern will, muss 50 Euro bezahlen. Das kenne ich aus keiner anderen Stadt.« Ihn ärgert auch, dass die Mittelstraße in Sachen Stadtbildpflege eher unten durchfällt. Blumenkästen an Laternenpfählen, wie sonst an vielen Stellen im Stadtgebiet, würden hier keine aufgehängt. Hofmann: »Ich sorge mit den Blumen in meiner Auslage als einziger dafür, dass die Straße schön aussieht. Aber dafür muss ich auch noch zahlen.«

Wobau: Baustelle voraussichtlich noch vier Wochen lang

Das Eckhaus Mittel- und Hauptstraße gehört der Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft. Prokurist Torsten Gräf sagte der WZ, man habe die Arbeit an der Baustelle so eingegrenzt, dass der Kran nur drei Tage stehen musste (»Das ist das Minimum«) und darauf geachtet, dass die Mittelstraße halbseitig befahrbar ist. »Wir wollen, dass Lieferanten und Kunden weiter zum Blumenladen fahren können und auch der Fußgängerweg auf der anderen Seite begehbar ist.« Der Schaden am Dach sei nicht aufschiebbar, müsse behoben werden. Er stammt vom Brand in der Silvesternacht. Man halte sich an alle Vorschriften, habe selbstverständlich eine Erlaubnis der Stadt. Ein solches Bau- oder Sanierungsvorhaben aber mit jedem Nachbarn abzustimmen, funktioniere nicht. »Dann sanieren Sie nie.« Man werde darauf achten, dass die Baustelle »so schnell wie möglich« geräumt wird. »Aber vier Wochen kann das schon noch dauern.«

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