+
Vorübergehend ist am Ortseingang von Steinfurth Tempo 30 vorgeschrieben, um den Unfallschwerpunkt zu entschärfen. Sobald die marode Fahrbahndecke erneuert ist, sollen die Schilder wieder entfernt werden.

Verzicht auf Blitzer?

Blitzer oder nicht? Verwirrspiel um Unfallschwerpunkt in Bad Nauheim

  • schließen

Wie wird der Unfallschwerpunkt am Steinfurther Ortseingang entschärft? Um diese Frage hat sich ein Verwirrspiel entwickelt. Ob die von der Stadt angekündigten Blitzer kommen, ist wieder offen.

Bad Nauheim - Zahlen lügen nicht und sprechen im Fall von Steinfurth eine eindeutige Sprache. Am Ortseingang (aus Richtung Kernstadt) sind zwischen November 2018 und März dieses Jahres 13 Autofahrer verunglückt, zogen sich zum Teil schwere Verletzungen zu. Wie langfristige Geschwindigkeitsmessungen ergeben haben, wird dort viel zu schnell gefahren. Im Schnitt sind in beiden Richtungen pro Tag 16 000 Fahrzeuge unterwegs, 750 sind innerhalb der geschlossenen Ortschaft mehr als 60 km/h schnell gewesen, der erfasste Spitzenwert lag bei 110 km/h.

Nach der Unglücksserie, die diesen Abschnitt der Landesstraße 3134 zu einem Unfallschwerpunkt macht, bestand bei den Verantwortlichen - städtische Straßenverkehrsbehörde, Hessen Mobil und Polizei - zunächst Unklarheit bezüglich der Ursache. Die Straßenführung, die weder extrem steile oder unübersichtliche Kurven noch Engstellen aufweist, lassen die Ortseinfahrt eigentlich nicht als besonders gefährlich erscheinen. Die Beteiligten entschlossen sich im Frühjahr zu einer genauen Untersuchung. Dabei sollte zum einen der Zustand der Fahrbahn und die Frage der Geschwindigkeitsüberschreitungen geklärt werden. Zum anderen gab es die Vermutung, dass die in den Wintermonaten als Streusalz-Ersatz verwendete Sole eine Rolle spielen könnte.

Bad Nauheim: Neue Geschwindigkeitsmessungen

Als dem städtischen Verkehrsdezernenten Peter Krank im Oktober die Ergebnisse der Geschwindigkeitsmessungen vorlagen, kündigte er ohne vorherige Absprache mit Hessen Mobil die baldige Installation von sogenannten Starenkästen an der Ortseinfahrt an. Diese Blitzer werden in Bad Nauheim bislang nirgends verwendet, stattdessen setzt die Verwaltung auf mobile Radarfallen. Um den Unfallschwerpunkt in den Griff zu bekommen, schien in diesem Fall allerdings eine Ausnahme von der Regel angebracht.

Kaum hatte der Erste Stadtrat im Ortsbeirat und gegenüber der WZ seine Blitzer-Entscheidung erläutert, meldete sich Hessen Mobil. Tenor: Wie die Untersuchung, deren Ergebnisse erst nach Monaten vorlagen, ergeben habe, sei die Fahrbahndecke auf einer Länge von 400 Metern völlig abgefahren und nicht mehr griffig. "Das könnte die Ursache für einige der Unfälle sein", sagt Krank heute. Hessen Mobil ließ Tempo-30-Schilder aufstellen, um die Verkehrsteilnehmer zu vorsichtiger Fahrweise zu veranlassen. Diese Schilder sollen nach Angaben des Dezernenten wieder entfernt werden, wenn der Belag auf dem 400-Meter-Abschnitt erneuert ist, was ab kommender Woche geschieht.

Und die Blitzer? Krank ist sich nicht mehr sicher, ob sie notwendig sein werden. Er will die weitere Entwicklung abwarten und schauen, ob es trotz vorübergehendem Tempo 30 und sanierter Straße weiterhin zu Unfällen kommt. Zudem wird er erneute Geschwindigkeitsmessungen anordnen - und hofft auf einen Lernprozess bei den Rasern. "Die Investitionsmittel für die Blitzer werden in den Nachtragshaushalt eingestellt", sagt Krank. Ob das Geld - ein Starenkasten kostet inklusive Aufbau 166 000 Euro - jemals ausgegeben werden muss, ist offen.

Bad Nauheim: Ab Montag Straßensanierung

Zwischen Montag und Mittwoch kommender Woche soll in Höhe des Steinfurther Ortseingangs ein etwa 400 langer Abschnitt der Landesstraße 3134 saniert werden. Ziel ist es, für mehr Verkehrssicherheit zu sorgen und den Unfallschwerpunkt zu entschärfen. Nach Angaben von Hessen Mobil muss die Straße während der Sanierung komplett gesperrt werden. Die Umleitung erfolgt über die Kreisstraße 173, die von Steinfurth über Wisselsheim und Rödgen in die Kernstadt führt. Die Zufahrt zur B 3 und zum Rosenpark Dräger ist von Nieder-Mörlen aus auch während der Bauarbeiten möglich.

Ab Montag wird an der Steinfurther Ortseinfahrt der Fahrbahnbelag abgefräst und durch eine neue Asphaltdeckschicht ersetzt. Dadurch soll der Straßenbelag griffiger und die Verkehrssicherheit erhöht werden. Sollte das Wetter nicht mitspielen, können sich Terminverschiebungen ergeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare