Im Dexturis-Center ist die Bach-Unternehmensgruppe beheimatet. Sie möchte am Taubenbaum 50 Eigentumswohnungen und ein Bürogebäude errichten. Bei der Realisierung des Projekts sind unerwartete Schwierigkeiten aufgetreten.	FOTO: NICI MERZ
+
Im Dexturis-Center ist die Bach-Unternehmensgruppe beheimatet. Sie möchte am Taubenbaum 50 Eigentumswohnungen und ein Bürogebäude errichten. Bei der Realisierung des Projekts sind unerwartete Schwierigkeiten aufgetreten. FOTO: NICI MERZ

Auschuss vertagt Entscheidung

Bad Nauheim: Bauprojekt Taubenbaum: Investor muss geduldig sein

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
    schließen

Ein Gewerbegebiet in ein Mischgebiet zu verwandeln, ist nicht so einfach. Diese Erfahrung macht die Stadt Bad Nauheim am Taubenbaum. Unerwartete Schwierigkeiten treten auf.

Zunächst sah alles ganz einfach aus. Die Bad Nauheimer Bach-Unternehmensgruppe, die im Dexturis-Center in der Straße Auf dem Hohenstein residiert, hatte vor geraumer Zeit das fast 7000 Quadratmeter große ehemalige Grundstück der Firma Etimark erworben, um dort 50 Eigentumswohnungen und ein Bürogebäude zu errichten.

Aus dem Gewerbegebiet Am Taubenbaum soll nach dem Willen der Politik ohnehin ein Mischgebiet werden, deshalb kam das Projekt von Geschäftsführer Peter Bach gerade recht. Nachdem der Investor bereit war, einen finanziellen Beitrag für bezahlbaren Wohnraum in Bad Nauheim zu leisten (er soll rund 525 000 Euro an die Stadt zahlen), schien den Plänen nichts mehr im Wege zu stehen.

Doch diese Annahme erweist sich als falsch. Den Bebauungsplan »Am Taubenbaum« zu ändern, ist nämlich schwieriger als gedacht. Grund: Zum B-Plan-Gebiet gehört nicht nur das Bach-Areal, sondern auch die benachbarten Grundstücke der Firmen Küchenstudio Kern und Fitness-Treff Lindemann. Vertreter dieser beiden Betriebe traten am Dienstagabend im Bauausschuss auf.

Firmenvertreter üben Kritik

»Wir halten dafür her, dass der Investor mehr Wohnungen bauen kann. Uns wird das Recht genommen, mehr zu bauen. Wir sind verunsichert«, sagte Pamela Kern im Namen der Küchenstudio- und Fitness-Treff-Geschäftsführung. Sie sprach damit die Vorschrift an, dass das Verhältnis von Wohnen und Gewerbe in einem Mischgebiet »ausgewogen« sein soll. Ob die Einschätzung Kerns von allen Stadtverordneten geteilt wird, ist mehr als fraglich, gleichwohl kamen die Ausschuss-Mitglieder den beiden Firmen entgegen und vertagten die Entscheidung auf den 22. Oktober.

Wie Jürgen Patscha (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) erklärte, sei es am Tag vor der Ausschuss-Sitzung zu einem Treffen von Kern, Lindemann und deren Anwalt mit der Stadt gekommen. Patschas Eindruck: Beide Unternehmen wollten es bei der Integration ihrer Grundstücke in den Bebauungsplan belassen. Nach Berechnungen der Stadt hätte das Küchenstudio dann die Möglichkeit, 900 zusätzliche Quadratemeter Wohn- und 600 zusätzliche Quadratmeter Gewerbefläche zu schaffen. Im Fall von Lindemann wären es 240 (Wohnen) und 160 (Gewerbe) Quadratmeter.

Doch die Firmenvertreter widersprachen in der Sitzung der Darstellung Patschas. Eine Zustimmung, die Grundstücke in das B-Plan-Gelände aufzunehmen, sei nicht erfolgt. Man tendiere eher dazu, die Flächen nicht zu integrieren und bei möglichen Erweiterungsplänen in der Zukunft einen eigenen Bebauungsplan anzustreben. Zunächst seien aber weitere Informationen notwendig.

Entscheidung erst im Oktober

Peter Bach, der ebenfalls anwesend war, sprach sich nicht gegen die Vertagungswünsche seiner Nachbarn aus. Wie deutlich wurde, gab es bislang gar keine intensiven Gespräche zwischen dem Investor sowie den Vertretern von Kern und Lindemann. Zudem existiert weiterer Gesprächsbedarf zwischen Stadtverwaltung und den drei Unternehmen. Nach kurzer Diskussion kam der Ausschuss überein, über den städtebaulichen Vertrag mit Bach, der die B-Plan-Änderung flankiert, erst im Oktober abzustimmen.

Bürgermeister Klaus Kreß warnte vor weiteren Verzögerungen und wenig zielführenden Debatten. »Es darf nicht zu einer Blockade der Umwandlung des Taubenbaums in ein Mischgebiet kommen. Irgendwann muss eine Entscheidung fallen.« Auch Ausschuss-Vorsitzender Manfred Jordis mahnte, in absehbarer Zeit zu einem »produktiven Ende« für die Bach-Unternehmensgruppe zu kommen.

»Zahnfabrik-Projekt auf dem Weg

Während beim Bebauungsplan »Am Taubenbaum« viel Gesprächsbedarf bestand, fasste der Ausschuss den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan »Ehemalige Zahnfabrik« in Windeseile. Aus den Politikerreihen gab es keine Wortmeldung zu einer einschneidenden Veränderung auf einem zentralen Grundstück der Bad Nauheimer Innenstadt. Nur Bürgermeister Klaus Kreß meldete sich zu Wort und verwies auf die Vorgeschichte. »Die Zahnfabrik hat große Tradition, heute ist es aber kein Highlight mehr, sich das Gebäude anzuschauen.« In der Vergangenheit seien mehrere Anläufe von Investoren gescheitert, dort ihr Konzept zu realisieren. Kreß begrüßte die aktuellen Pläne, zumal die Stadt dadurch eine halbe Millionen Euro zur Förderung von bezahlbarem Wohnraum einnimmt.

Ein Bauträger-Unternehmen aus Aschaffenburg möchte auf dem knapp 4800 Quadratmeter großen Gelände in der Frankfurter Straße 70 nach dem Abriss der Fabrik drei Mehrfamilienhäuser mit 54 Eigentumswohnungen, 92 Pkw- und 108 Fahrrad-Stellplätzen errichten. Das Gebäude, in dem eine Weinhandlung und ein Restaurant zu finden sind, bleibt erhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare