Kaum zu glauben, aber wahr: Auf dem Stoll-Gelände haben die Bauarbeiten für das Fachmarktgebäude begonnen. Im April soll bereits Einweihung gefeiert werden.
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Kaum zu glauben, aber wahr: Auf dem Stoll-Gelände haben die Bauarbeiten für das Fachmarktgebäude begonnen. Im April soll bereits Einweihung gefeiert werden.

Fachmarktgebäude

Bad Nauheim: Baubeginn auf dem Stoll-Gelände - Was nun entstehen soll

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Viele Bad Nauheimer hatten nicht mehr erwartet, auf dem Stoll-Gelände Bauarbeiten zu erleben. Doch sie werden eines Besseren belehrt. Der Investor ist sicher, fristgerecht fertig zu werden.

Seit dem Aus für das Karosseriebau-Unternehmen Stoll/Frühauf liegt das attraktive Grundstück in der Schwalheimer Straße brach. Vor sage und schreibe fast 25 Jahren war das. Noch ein fragwürdiges Jubiläum: Vor gut 20 Jahren war das Areal aus der Konkursmasse ins Eigentum der Stadt Bad Nauheim übergegangen.

In den Folgejahren gab es hochfliegende Pläne, unter anderem war von einem großen Kino-Center die Rede. Der Höhepunkt der Utopien wurde 2007 erreicht, als von der Politik und dem damaligen Bürgermeister Bernd Witzel ernsthaft ins Auge gefasst wurde, auf dem Stoll-Gelände ein neues Eisstadion samt riesigem Fachmarktzentrum zu errichten. Jetzt wird auf dem 2,3 Hektar großen Grundstück tatsächlich gebaut, wobei alles eine Nummer kleiner ausfällt.

Stoll-Gelände Bad Nauheim: Eisstadion-Pläne 2010 beerdigt

Witzels Stadion-Konzept scheiterte nach drei Jahren 2010, im Anschluss war nur noch von Fachmärkten die Rede. Dagegen formierte sich enormer Widerstand, der vom Bad Nauheimer Einzelhandel angeführt wurde. Gipfel des Protests war ein Bürgerentscheid während der Amtszeit von Bürgermeister Armin Häuser. 2012 fehlten nur wenige Stimmen, um das Projekt zu kippen. Häuser gelang es auch, die äußerst kritisch eingestellte Nachbarstadt Friedberg zu besänftigen, die um ihren Einzelhandel bangte. Die zulässige Verkaufsfläche auf dem Stoll-Areal wurde deutlich verkleinert.

Dann hatte Häuser eine Auseinandersetzung mit dem ursprünglich ausgewählten Investor GEDO aus München zu bestehen. Letztlich erfolgte die Trennung. Die Werner-Gruppe aus Fulda, die schon einmal den Zuschlag erhalten sollte, sprang 2015 in die Bresche.

Alles deutete auf einen ruhigeren Verlauf hin: Einzelhandel und Nachbarstadt hatten ihre Kritik weitgehend eingestellt. Dann rollte der Online-Handel den Markt von hinten auf. Stationäre Großmärkte verloren immer mehr Umsatz, hatten weniger Interesse an Expansion auf der grünen Wiese. Das bekam auch die Werner-Gruppe zu spüren.

Als erstes sprang der Media-Markt ab, der das Herzstück des Fachmarktzentrums werden sollte. Ein anderer Betreiber wurde nicht gefunden. Plötzlich war nicht mehr von einem Zentrum, sondern von einem Fachmarktgebäude die Rede. Der Elektronikmarkt wurde durch einen Küchenfachmarkt ersetzt, als künftiger Betreiber präsentierte der Investor die Gießener Firma Sommerlad. Dieses Unternehmen verabschiedete sich vor einem Jahr ebenfalls, wollte sich in unsicheren Zeiten nicht vergrößern.

Stoll-Gelände Bad Nauheim: Bagger sind Anfang Juli angerollt

Von Anfang an und immer noch dabei ist allein Tegut. Auf Fragen zur Zukunft des Küchenfachmarkts zeigt sich Klaus-Werner Diegelmann, Geschäftsführer der Werner Projektentwicklung GmbH, schmallippig. »An dem Konzept hat sich nichts geändert«, lässt er wissen. Ob es einen Sommerlad-Nachfolger gibt, sagt er nicht. Immerhin sind auf dem Stoll-Gelände nach mehrfacher Verschiebung des Baubeginns seit Anfang Juli die Bagger tätig. Diegelmann spricht von Fundamentierungs- und Entwässerungsarbeiten.

Den Projekt-Gegnern macht er wenig Hoffnung, das Marktgebäude doch noch verhindern zu können. CDU-Stadtverordneter Christian Trutwig hatte eine juristische Möglichkeit gesehen, dem Investor ein Stopp-Schild vor die Nase zu halten. Der Christdemokrat führte den Durchführungsvertrag zwischen Stadt und Werner ins Feld.

Danach muss das Fachmarktgebäude zwei Jahre nach Baubeginn fertig sein. Da das Vorliegen der Baugenehmigung als Startschuss gewertet wird, endet die Frist im April 2021. Trutwig im Mai: »Bis heute ist nichts Nachhaltiges passiert. Es steht nicht mal ein Dixi-Klo auf dem Gelände.« Eine Einweihung im April kommenden Jahres sei fast undenkbar.

Glaubt man Diegelmann, hat sich der Stadtverordnete gründlich getäuscht. Trotz einer Corona-bedingten Verzögerung liege Werner im Zeitplan. »Durch die Ausführung der Konstruktion in Stahlbeton-Fertigteil-Bauweise werden wir die Gebäudehülle bis zum Ende des Jahres schließen, so dass die Arbeiten bis April 2021 abgeschlossen werden«, erklärt der GmbH-Chef. Der feierlichen Einweihung des Fachmarkts scheint also nichts mehr im Wege zu stehen.

Info: Nur zehn Monate Bauzeit

Vor einigen Tagen sind auf dem 2,3 Hektar großen Stoll-Gelände die Bagger angerollt. In der rekordverdächtigen Zeit von zehn Monaten will die Werner-Gruppe aus Fulda das Fachmarktgebäude selbst und die nötige Infrastruktur auf die Beine stellen. Neben der Immobilie mit einer Verkaufsfläche von 2500 Quadratmetern sind 155 Parkplätze geplant. Zudem muss der Investor für die Erschließung sorgen, in erster Linie einen neuen Kreisel in der Schwalheimer Straße bauen. Im Frühjahr 2021 sollen Tegut-Markt, Küchenfachmarkt, Fitness-Studio und Café in den Neubau einziehen. Außerdem soll Platz für Büroräume sein.

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