Auf einer Streuobstwiese in Nieder-Mörlen rechts der Usa haben die Naturschützer unschöne Entdeckungen gemacht. FOTO: DR. KONRAD HESSE
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Auf einer Streuobstwiese in Nieder-Mörlen rechts der Usa haben die Naturschützer unschöne Entdeckungen gemacht. FOTO: DR. KONRAD HESSE

Nabu-Beschwerde

Bad Nauheim: Ärger wegen Scherben und Fäkalien auf Streuobstwiese

  • vonred Redaktion
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Streuobstwiesen sind wertvolle Heimat für Tiere und Obstlieferant für Menschen. Was Bad Nauheimer Naturschützer allerdings in Nieder-Mörlen entdeckt haben, macht sprachlos.

Natur, Sonne, Vögel, später dann der Sternenhimmel - so stellt sich der NABU Bad Nauheim die Stimmung bei der Party vor, die auf der Streuobstwiese in Nieder-Mörlen auf der rechten Usa-Seite gefeiert worden sein muss. Der Platz liegt vor Blicken geschützt hinter einem großen Busch, an dem reife Pflaumen hängen. An einem Samstag Mitte August haben Aktive des NABU Bad Nauheim dann die Hinterlassenschaften gefunden: Pfanddosen, Flaschen, Glasscherben, Fäkalien, Papier, leere Chipstüten, Reifenspuren und anderes mehr.

"Wir haben uns Handschuhe geholt und eine große Tasche voll Abfall abtransportiert. Die Exkremente haben wir als Dünger dort gelassen", schreibt der NABU in einer Pressemitteilung.

Geldbuße droht

"Leider ist dies kein Einzelfall. Auch auf anderen Streuobstwiesen findet man immer wieder Hinterlassenschaften. Die deutsche Gesellschaft erlaubt ein recht großes Maß an Freiheit, aber die Bürger müssen berechtigte Belange anderer, auch der Natur, berücksichtigen. Auch ohne Notwendigkeit hinterlassene Autospuren stören die Lebewesen im Biotop erheblich."

Streuobstwiesen, auch solche in Randlagen geschlossen bebauter Ortschaften wie Bad Nauheim, seien in Hessen gesetzlich geschützte Biotope. Auf der Basis des Paragrafen 30 des Bundesnaturschutzgesetzes seien "Handlungen, die zu einer Zerstörung oder einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung führen können", verboten und könnten mit einer Geldbuße (bis zu zehntausend Euro) geahndet werden, erläutern die Bad Nauheimer Naturschützer.

Für Grauschnäpper und Steinkauz

Streuobstwiesen seien Lebensraum für sehr viele Pflanzen- und Tierarten und Erholungsraum für den Menschen. Sie böten Wind- und Erosionsschutz, sorgten für Frischluft und bereicherten das Landschaftsbild. Höhlen in alten Apfelbäumen seien ein idealer Brutplatz für Vögel wie Baumläufer, Meise, Gartenrotschwanz, Grauschnäpper und Steinkauz.

Der NABU schreibt weiter: "Seit Jahrzehnten verschwinden Obstbäume aus Gärten und Wiesen unserer Landschaft. Mit ihnen verschwinden viele der alten Sorten, die von unseren Vorfahren genutzt, sorgsam gehütet und vermehrt wurden. Obstwiesen sind ein lebendiges Kulturerbe, das es zu erhalten gilt."

Der NABU betreut in diesem Sinne mehrere Bad Nauheimer Streuobstwiesen. Die Altbäume werden geschnitten, um sie als höhlenreiche Lebensräume und in ihrer Sortenvielfalt zu erhalten, neue Obstbäume alter Sorten werden gepflanzt, um die Bestände zu verjüngen und langfristig zu erhalten. Gemäß dem Motto "Erhalten durch Nutzen" wird das Obst der Streuobstwiesen alljährlich geerntet und zu den verschiedensten Produkten verarbeitet.

"Wir können den Drang nach Freiheit und den Wunsch des Feierns in freier Natur nachvollziehen, wünschen uns aber Verständnis dafür, dass dies nicht überall möglich ist", schreiben die Naturschützer.

Informationen über die ganzjährig stattfindenden Biotoppflege-Einsätze und die weiteren Aktivitäten des NABU Bad Nauheim gibt es im Internet unter der Adresse www.NABU-Bad-Nauheim.de.

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