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Nächster Versuch für Traditionshaus in Toplage

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Wieder einmal Pächter gesucht: Ein Immobilienunternehmen ist damit beauftragt, einen geeigneten Wirt für das Terrassencafé zu finden.	(Foto: Nici Merz)
Wieder einmal Pächter gesucht: Ein Immobilienunternehmen ist damit beauftragt, einen geeigneten Wirt für das Terrassencafé zu finden. (Foto: Nici Merz) © Nicole Merz

Bad Nauheim (bk).Als im Terrassencafé noch das Tanzbein geschwungen wurde, gaben sich Kurgäste und Einheimische die Klinke in die Hand. Seitdem das Gebäude als Restaurant genutzt wird, haben die Pächter kein glückliches Händchen. Jetzt wird ein weiterer Anlauf unternommen, um das Traditionshaus wiederzubeleben.

Seit August 2007 – damals schloss das Tanzlokal seine Pforten (siehe weiterer Artikel) – haben die Räumlichkeiten des Bad Nauheimer Terrassencafés länger leer gestanden als sie genutzt wurden. Zuletzt machte die Immobilie von sich reden, weil das Produktionsteam des ZDF-Mehrteilers »Morgen hör ich auf« mit Bastian Pastewka die verwaisten Räume als Drehort nutzte. Für erfahrene Gastronomen aus Bad Nauheim ist der lange Leerstand ein Rätsel, müsste die Terrassenstraße 9 aufgrund ihrer Lage doch eine der besten Adressen für ein Restaurant in der Kurstadt sein. Zudem verfügt das Gebäude an der Ecke Parkstraße/Terrassenstraße, direkt gegenüber liegt der Kurpark, über eine große Fläche für Außenbewirtschaftung.

Nach mehreren erfolglosen Versuchen, an diesem Topstandort einen gastronomischen Betrieb zu etablieren, kümmert sich jetzt ein anderes Immobilienunternehmen um die Vermarktung. »Wir sind vom letzten Pächter, der immer noch einen Mietvertrag hat, beauftragt worden«, sagt Gerlinde Stein, Geschäftführerin der Engel & Völkers-Filiale in der Parkstraße.

Seit Ende 2014 wieder geschlossen

Seit einem knappen Monat bieten Stein und ihre Mitarbeiterinnen das Objekt an. Die Chefin der Bad Nauheimer Niederlassung ist optimistisch, einen passenden Pächter finden zu können. »Es hat mehrere Anfragen gegeben, ein Bewerber ist ernsthaft interessiert. Die Abstandssumme ist allerdings eine hohe Hürde«, erklärt Gerlinde Stein.

Ein wahres Wort: Der frühere Pächter, der das Terrassencafé nach gut zwei Jahren eines Betriebs, der mehr schlecht als recht lief, Ende 2014 geschlossen hatte, verlangt von seinem Nachfolger 120 000 Euro. Das müsse jemand erst mal finanziert bekommen, sagt Immobilienexpertin Stein. Für übertrieben hält sie diese Forderung, bei der es vielleicht noch ein wenig Verhandlungsspielraum gebe, allerdings nicht. Inventar und Räumlichkeiten seien nach der Komplettrenovierung 2012 tiptop, quasi neuwertig. Ein neuer Wirt könne ohne vorherige Sanierung sofort loslegen.

Der Abstand in sechsstelliger Höhe ist das eine, die Kaltmiete von 3500 Euro pro Monat das andere. Hinzu kommen Nebenkosten von rund 750 Euro. Ein höherer fünfstelliger Betrag dürfte als Umsatz erforderlich sein, um unter diesen Voraussetzungen in die Gewinnzone kommen zu können. Dafür müssen viele Steaks und viele Gläser Wein verkauft werden.

Genügend Platz für eine Vielzahl von Gästen ist zweifelsohne vorhanden. Der Gastraum misst 230 Quadratmeter. Die beiden Terrassen mit Kurparkblick sind zusammen fast 130 Quadratmeter groß. Was in der Vergangenheit fehlte, war ein vernünftiges Konzept. Gerlinde Stein: »Der letzte Pächter hat stets Geschäftsführer eingestellt, um das Restaurant zu leiten. So geht es wohl nicht.« Notwendig sei vielmehr ein »Gastronom mit Herzblut«, der selbst hinter der Theke oder in der Küche stehe. Das Angebot sollte genau zum Standort passen, müsse nicht unbedingt der Sterneküche entstammen. »Ein Döner-Imbiss geht natürlich nicht«, sagt die Geschäftsführerin von Engel & Völkers.

Sie ist ganz zuversichtlich, einen geeigneten neuen Pächter für das Terrassencafé zu finden. Wann es so weit sein wird, ist allerdings völlig offen. »Eine Prognose gebe ich nicht ab«, sagt Gerlinde Stein.

Revolutionäres Konzept scheitert

Bei Kurgästen aus ganz Deutschland bekannt war das Tanzlokal Terrassencafé. Inge und Siegfried May hatten die Lokalität im August 2007 nach 14-jähriger Tätigkeit geschlossen. Danach standen die Räumlichkeiten im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Gebäudes mehr als vier Jahre leer. In diesem Zeitraum wurde saniert, aber zunächst kein Pächter gefunden. Ein fast revolutionäres Konzept setzten dann zwei Frauen um, die im Oktober 2011 das Restaurant »Parkstraße 9« eröffneten. Die Idee, die Gäste selbst kochen zu lassen und Kurse anzubieten, war eher für eine Großstadt geeignet als für die beschauliche Kurstadt. Nach nicht einmal einem Jahr waren die beiden Pächterinnen am Ende.

Bald darauf trat der Inhaber eines Friedberger Steakhauses auf den Plan. Er baute das Terrassencafé monatelang um, dann wurde eingeweiht. Es dauerte allerdings nicht lange, bis wieder ein »Geschlossen«-Schild an der Eingangstür hing. Angeblich musste schon wieder renoviert werden. Schließlich wurde ein neuer Anlauf unternommen, mit anderem Geschäftsführer. Um den Jahreswechsel 2014/2015 kam das endgültige Aus für diesen Pächter.

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