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»Es ist die Champions League des deutschsprachigen Orgelbaus vertreten«, freut sich Kantor Frank Scheffler (r.) beim Sichten der Unterlagen. Mit dabei sind Thomas Wilhelm, Orgelsachverständiger der EKHN (M.) und der Vorsitzende des Orgelbaukreises Volker Gräfe (l.).

Nächste Phase für Orgelbau

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim (hms). Einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zur neuen Orgel in der Dankeskirche ist getan: Nach der internationalen Ausschreibung gingen jetzt die Bewerbungen der Orgelbaufirmen ein. Erfreulich und auch ein bisschen überraschend: Das Bad Nauheimer Projekt stößt bei allen renommierten deutschsprachigen Firmen auf Interesse.

Es war spannend, als die Öffnungskommission in der Wilhelmskirche die Bewerbungsunterlagen der Orgelbauer begutachtete. Im Dezember war die erste Runde der Ausschreibung, die Interessenbekundung, in der Hessischen Ausschreibungsdatenbank veröffentlicht worden. Bis zur letzten Stunde gingen noch Briefe ein. Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen können zu diesem Zeitpunkt weder Namen noch Anzahl der Bewerber genannt werden. Kantor Frank Scheffler war aber hocherfreut: »Es ist tatsächlich die Champions League des deutschsprachigen Orgelbaus vertreten«.

Thomas Wilhelm, Orgelsachverständiger der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), beschäftigt sich täglich mit Neubauten oder Restaurierungen aller Größenordnungen und ist sehr gut vernetzt. Er bestätigte ein hoch kompetentes Bewerberfeld: »Aber nicht alle haben die Kriterien erfüllt. Entweder waren die vorgegebenen Jahresumsatzzahlen nicht ausreichend oder die Firmen konnten nicht genügend aktuelle Neubauten vorweisen oder es mangelte an der nachzuweisenden Fachkompetenz.«

Durch die Ausschreibung sei bereits allen die Größe des Vorhabens und die Investitionssumme bekannt gewesen. Ein wichtiger Faktor werde später die musikalische Qualität sein, etwa in Charakter, Ausarbeitung und Kombinierfähigkeit der Register und in der klanglichen Bandbreite und Anmutung. Gesteigerter Wert werde auf die technische Ausführung und den inneren Aufbau gelegt.

Da alle Interessenten Abbildungen von bisher gebauten Orgelprospekten mitschickten und diese zumeist beeindruckend in den jeweiligen Raum eingebaut und dem Baustil angepasst gewesen seien, sei der Orgelbaukreis sehr gespannt auf die Entwürfe für die Dankeskirche.

Im nächsten Schritt werden die verbliebenen Orgelbaufirmen zur konkreten Angebotsabgabe aufgefordert. Dazu erhalten sie detaillierte Angaben zu den Wünschen und Vorstellungen sowie den räumlichen Gegebenheiten. »Es bleibt der Eichenholzsockel von 1906 erhalten, das Fernwerk muss optimal angepasst werden und wir wollen möglichst auch die nach wie vor gut klingenden großen Pfeifen von der Ursprungsorgel integrieren«, betont der Vorsitzende des Orgelbaukreises Volker Gräfe. Trotzdem sei viel Spielraum für Kreativität gegeben.

Präsentation im Herbst

Im Juni sollen die Angebote vorliegen. Danach können die Firmen noch einmal ihre Entwürfe individuell nacharbeiten, bevor es im Herbst eine öffentliche Präsentation und danach die Auftragsvergabe an den ausgewählten Orgelbauer gibt. 2025, so ist der Wunsch der Kirchengemeinde, soll die Orgel fertig sein.

Dass durch die Pandemie bedingt gerade weniger Orgelmusik live möglich ist, ist in Bad Nauheim nicht das größte Übel, denn die Orgel in der Dankeskirche ist ohnehin nur noch punktuell einsetzbar.

Allerdings dürfe nicht außer Acht ge-lassen werden, dass noch rund 360 000 Euro Spenden bis zur Vollendung des Werks fehlen.

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