Nach zwei Sekunden ist das Fenster aufgehebelt

Bad Nauheim–Nieder-Mörlen (cor). Ein Einbruch bedeutet für jeden Betroffenen einen Schock. Die Verletzung der Privatsphäre, das verlorengegangene Sicherheitsgefühl oder psychische Folgen wiegen oft stärker als der materielle Schaden. Zugleich unterschätzen viele Bürger das Risiko, selbst Opfer zu werden. Aus diesem Grund lud die Polizei alle Bürger zu einer Infoveranstaltung in den Feuerwehrraum in Nieder-Mörlen ein.

Gegliedert war die Präventionsveranstaltung in drei Themen: technische Sicherheit, "Wachsamer Nachbar" und polizeiliche Arbeitsweise bei Einbrüchen.

"Es ist die erste Veranstaltung dieser Art", sagte der Leiter der Polizeistation Friedberg, Ulrich Römer. Neben Römer informierten der kriminalpolizeiliche Berater, Oberkommissar Rainer Biedenkapp, Polizeihauptkommissar Stefan Jilg und Matthias Wanninger (Regionale Kriminalinspektion). Viele Bürger waren der Einladung gefolgt, stellten immer wieder Fragen.

Wie schnell sich ein Einbrecher Zutritt ins Haus verschaffen kann, verdeutlichte Biedenkapp. "Möchte jemand schätzen, wie lange es dauert, bis ich dieses Fenster aufgehebelt habe?" Als Versuchsobjekt diente ein Fenster, wie es sich in vielen Eigenheimen und Wohnungen befindet. Keine zwei Sekunden, schon hatte der Experte mit einem gängigen Schraubenzieher sein Ziel erreicht. "Achtzig Prozent der Einbrüche erfolgen durchs Aufhebeln von Fenstern und Türen", sagte Biedenkapp. Ein Griffschloss schütze nicht. Wichtig sei eine mechanische Aufrüstung. Er empfahl eine Verriegelung, die mit pilzköpfigen Zapfen bestückt ist. Auch Türen könnten nachgerüstet werden, wobei alle Elemente aufeinander abgestimmt sein müssten. Biedenkapp bietet allen Bürgern kostenlose Beratungsgespräche an.

Über ein Drittel aller Einbrüche bleiben im Versuchsstadium stecken. Hilfreich könne ein wachsamer Nachbar sein, sagte Polizeihauptkommissar Jilg. Erforderlich sein eine erhöhte Aufmerksamkeit für alles, was rund ums eigene Haus und im Wohnviertel passiert. Wann verhält sich ein Unbekannter auffällig? "Achten Sie auf fremde Fahrzeuge, auswärtige Kennzeichen und unbekannte Personen", so Jilg. Oft fahren Täter auf der Suche nach einem lohnenden Objekt langsam durch ein Wohngebiet, warten scheinbar grundlos im Auto. Oder es befinden sie mehrere Personen im Fahrzeug, die auffällig erscheinen. Ein Beobachter sollte auf sein Bauchgefühl hören. "Melden Sie sich bei uns, wenn Ihnen etwas komisch vorkommt. Was Sie nicht melden, könne wir nicht wissen."

Jilg appellierte an die Bürger, es dem Einbrecher nicht zu leicht zu machen. Oft sei ein Balkon mit "Steighilfen" ausgestattet, die "tatorteigene Leiter" befinde sich in vielen Fällen gleich in der Nähe. Ein gekipptes Fenster sei quasi schon offen. Weiterer Tipp: "Täuschen Sie Anwesenheit vor. Licht schreckt ab.

" Hilfreich seien Bewegungsmelder und Innenbeleuchtung. Der Kommissar warnte davor, einen Hausschlüssel für den Notfall scheinbar sicher zu verstecken. Ein weiterer großer Fehler sei es, in sozialen Internet-Netzwerken und auf Anrufbeantwortern Perioden der Abwesenheit mitzuteilen.

Matthias Wanninger bat die Bürger, bei Beobachtungen auf Details wie das Aussehen der Verdächtigen zu achten, um der Polizei eine Beschreibung liefern zu können. Befindet sich ein Täter noch im Haus, sollte man kein Risiko eingehen. "Ich rate von allem ab, was konfrontationsfördernd ist. Schließen Sie sich ein, melden Sie sich."

"Verändern Sie nichts am Tatort", bat Ulrich Römer. Nur so könne die Polizei Spuren sichern. Fingerabdrücke, Werkzeug- oder DNA-Spuren könnten viel bewirken. Trotzdem lasse sich ein Einbruch oft schwer aufklären, so Biedenkapp. Jedes fünfte Delikt dieser Art in Bad Nauheim sei 2011 geklärt worden. Insgesamt seien 50 Einbrüche verübt worden, genauso viel wie 2010, sagte Polizeisprecher Jörg Reinemer. Ein Schwerpunkt war Nieder-Mörlen, der Stadtteil wurde deshalb für den Auftakt der Infokampagne ausgewählt.

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