Musikalische Früherziehung im Freien ist im Winter nicht möglich. Aber Unterricht unter Berücksichtigung des Corona-Hygienekonzepts dürfen Musikschulen wieder anbieten. ARCHIVFOTO: HANNA VON PROSCH
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Musikalische Früherziehung im Freien ist im Winter nicht möglich. Aber Unterricht unter Berücksichtigung des Corona-Hygienekonzepts dürfen Musikschulen wieder anbieten. ARCHIVFOTO: HANNA VON PROSCH

Corona-Beschränkungen

Nach Petition: Musikschulen dürfen wieder öffnen

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Die Petition des Landesverbands Hessischer Musikschulen, initiiert vom Bad Nauheimer Schulleiter Ulrich Nagel, war erfolgreich: Auch in Hessen dürfen Musikschulen wieder öffnen.

Mit Beginn des Teil-Lockdowns vor einer Woche wurden in Hessen und zwei weiteren Bundesländern auch die Musikschulen geschlossen. Das stieß nicht nur wegen der Ungleichbehandlung mit Schulen und Volkshochschulen auf Empörung, sondern erzeugte auch Unverständnis, weil in 13 Bundesländern weiter unterrichtet werden durfte. Das Verbot war außerdem deswegen nicht nachvollziehbar, weil die Musikschulen schon seit Mai exzellente Hygienekonzepte und überwiegend Einzelunterricht eingeführt hatten.

Mit seinen Wetterauer Kolleginnen und Kollegen war sich der Bad Nauheimer Schulleiter Ulrich Nagel schnell einig und entwarf einen Petitionstext, mit dem der Verband sich online an den Petitionsausschuss des Landtags und an Kunstministerin Angela Dorn wandte.

4000 Unterstützer in zwei Tagen

Innerhalb von zwei Tagen meldeten sich mehr als 4000 Unterstützer, davon rund 90 Prozent aus Hessen. "Gefreut haben mich die fast 1500 Kommentare dazu", sagt Nagel. "Das zeigt, wie wichtig Musik gerade in dieser Zeit ist und wie sehr sie jungen Menschen eine sinnvolle Alternative zu den übrigen Entbehrungen bietet."

Eltern argumentierten so: Das Verbot sei sachlich nicht begründet. Wenn in den Schulen volle Klassenzimmer erlaubt seien, dürften 30 Minuten Einzelunterricht bei perfektem Hygienekonzept nicht verboten werden. Musik sei Bildung, sie helfe der Seele, die Corona-Zeit zu überstehen. Manche sprachen sogar von Bestrafung, ein anderer appellierte, doch wenigstens etwas an Kultur zu retten. Aber auch die Lehrkräfte, die meist freiberuflich tätig sind, sahen sich wieder ein Stück mehr existenziell gefährdet. Viele betonten, der Online-Unterricht sei bei allem guten Willen unzureichend, zumal wenn in ihren Regionen das Netz ständig zusammenbreche.

"Wir hatten schon im Mai gemerkt, wie froh gerade die kleinen Schülerinnen und Schüler waren, als sie wieder in der Musikschule üben konnten. Der Unterricht ist hier natürlich viel effizienter", berichtet der Bad Nauheimer Musikschulleiter. "Schlagzeug online lernen ist einfach blöd", hieß es in einem Kommentar. Von den gravierenden Einschränkungen durch das Hygienekonzept betroffen sind allerdings nach wie vor die Chöre.

Ministerium gibt am Freitag grünes Licht

"Die öffentliche Meinung, insbesondere der Betroffenen, scheint doch Gewicht zu haben", bestätigt Nagel. Gleichzeitig mit der Petition suchte er das Gespräch mit den Wetterauer CDU-Landtagsabgeordneten Norbert Kartmann und Lucia Puttrich sowie Vertretern anderer Parteien. Der Leiter des Verbandes der Musikschulen in Hessen, Michael Eberhardt, nahm Kontakt mit dem Ministerium auf.

Die Antworten brachten am Freitag schließlich die Erleichterung. So heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums: "Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn erklärte: Wir wollen hier im Konzert der Bundesländer bleiben und haben dies auch im Einvernehmen mit den betroffenen Verbänden abgestimmt."

Ob die Intervention vermeidbar gewesen wäre, wollen die Musikschulleiterinnen und -leiter dahingestellt sein lassen. Wichtig sei, ihren Bildungsauftrag wieder erfüllen zu können. Der Dank kam umgehend auch vom Verband: "Wir freuen uns über das gelungene Verhandlungsergebnis, dass aus der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, allen voran Staatsministerien Angela Dorn, sowie den Landtagsabgeordneten und unserem Bundesverband resultiert." Nagel bedankt sich ausdrücklich bei allen, die die Petition unterzeichnet und mit ihren Kommentaren die Bedeutung der Musik und Musikschulen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt hätten.

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