Erste Eindrücke: Karin Merchel, stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins (l.), und Dagmar Reichardt, ebenfalls vom Kunstverein, zeigen einer der Fotografien von Oh Soon Hwa.
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Erste Eindrücke: Karin Merchel, stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins (l.), und Dagmar Reichardt, ebenfalls vom Kunstverein, zeigen einer der Fotografien von Oh Soon Hwa.

Nach dem Lockdown soll es weitergehen

  • vonCorinna Weigelt
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Bad Nauheim(cor). Alle Einladungskarten und Plakate wurden bereits gedruckt, und auch die Künstlerin Su-Kyoung Yu hat sich schon seit Langem vorbereitet: In der Ausstellung mit dem Titel "Phänomen leise Träume" stellt die Malerin erstmals gemeinsam mit der Fotografin Oh Soon Hwa in der Galerie der Trinkkuranlage aus. Die Eröffnung der Ausstellung war nun für den 20. November vorgesehen. Durch den Lockdown light bleiben die Türen der Galerie aber weiterhin geschlossen. Aufgebaut wird trotzdem, hoffen alle Beteiligten ab dem 1. Dezember wieder Gäste in den Räumlichkeiten begrüßen zu können.

Dass es dem Kunstverein gelungen ist, die Fotografin Oh Soon Hwa aus Südkorea und Künstlerin Su-Kyoung Yu (gebürtig aus Südkorea) für eine gemeinsame Ausstellung zu gewinnen, ist wahrlich etwas Besonderes. Dank Dagmar Reichardt vom Kunstverein kam die Idee der Dialogausstellung zustande, nun wird sie mit dem Titel "Phänomenen leise Träume" realisiert. Die Ausstellung erzählt die Geschichte zweier Künstler unter dem Aspekt globalisierter Lebensentwürfe.

Erstmals präsentieren sie sich gemeinsam, noch nie zuvor sind sie sich begegnet. "Alle Kontakte fanden nur über E-Mail und das Internet statt", erzählt Reichardt. Erstmalig stelle Fotografin Oh Soon Hwa zudem überhaupt in Deutschland aus. Jüngst wurden ihre Werke vom Kunstverein aus Nizza abgeholt. Mit der in Friedberg lebenden Malerin Su-Kyoung Yu verbindet Oh Soon Hwa nicht nur koreanische Wurzeln.

Vieles derzeit in Fensternähe

Hinter den Arbeiten der beiden Künstlerinnen verbergen sich viele gleiche Fragen: Was sind unsere Wurzeln? Wie finden wir sie wieder? Beim Verlassen der Heimat entstehen eine Neugier oder auch Angst vor der Zukunft. "Eine Ungewissheit, eine Sehnsucht", sagt Su-Kyoung Yu .

Was mit den Malereien und Fotografien ausgedrückt werden soll, spiegelt da ungewollt, und doch recht treffend auch die derzeitige weltweite Situation wider. Wie führt der Weg nach der Pandemie zurück in die Normalität? Was die beiden Künstlerinnen angeht, so könnte der Kontrast auf der einen Seite und die Ähnlichkeit auf der anderen Seite kaum spannender sein. Vor diesem Hintergrund stellen sich die beiden Frauen den Fragen nach den Veränderungen der Lebenswirklichkeiten. Es geht um die menschliche Existenz. Bewahren. Verändern. Sich anpassen. Generell und individuell. In der Dualität von Abstraktion und Figuration spürt Su Kyoung Yu ihrem eigenen ursprünglichen Wesen nach. Vor zehn Jahren stellte sie das erste Mal in der Galerie der Trinkkuranlage aus. Die Werke, die sie nun präsentiert, sind in den vergangenen 18 Monaten entstanden. Erst vor wenigen Tagen wurde das jüngste Bild fertig. Wenn Su-Kyoung Yu arbeitet, so hat sie dazu bereits Ideen oder Geschichten zum späteren Bild im Kopf. "Aber Zufälle kann man nicht erzwingen", so die Künstlerin, die sich bei der Gestaltung dann von ihren Gefühlen leiten lässt. Herauskommen ausdrucksstarke Werke.

Oh Soon Hwa, die bereits seit 2000 ihre Fotografien ausstellt und in Singapur lebt, beschäftigt sich mit der Heirat und Auswanderung junger Frauen im Mekong-Delta. Damit interessierten Gästen Einblicke in die Ausstellung während des Lockdowns nicht verwehr bleiben, werden alle wichtigen Hauptwerke in Fensternähe positioniert. Auch die Vitas der Künstlerinnen werden sichtbar gemacht. "Wir werden alles so gut wie möglich präsentieren", sagt die stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins, Karin Merchel. Sobald eine Öffnung der Galerie wieder gestattet sei, werde auch unverzüglich geöffnet. "Wir sind bestens vorbereitet und hoffen auf den 1. Dezember", sagt Merchel.

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