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Bernd Witzel denkt gerne an seine Zeit als Bürgermeister zurück. Nach vier Jahrzehnten in der Bad Nauheimer Politik ist Bernd Witzel aus den städtischen Gremien ausgeschieden.

Schwer erkrankt

Nach 40 Jahren: Ex-Bürgermeister Bernd Witzel verlässt politische Bühne

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Anfang 2020 erkrankte der frühere Bad Nauheimer Bürgermeister Bernd Witzel schwer. Nach der Kommunalwahl im März 2021 schied er aus der Stadtpolitik aus. Witzel, der jüngst 75 Jahre alt wurde, will sich auf seine Gesundheit konzentrieren.

Bad Nauheims – Als Bernd Witzel an einem Januarmorgen vergangenen Jahres aufwachte, ging nichts mehr. »Es kam aus heiterem Himmel. Ich war abends noch beim Neujahrsempfang des Wetteraukreises. Und dann ein Gefühl, wie von 100 auf null. Schalter rumgedreht, fertig.« Mehrere Wochen war der frühere Bürgermeister von Bad Nauheim im Krankenhaus. Seine Blutwerte waren nicht in Ordnung.

In diesem Mai wurde Bernd Witzel 75, die Werte sind mittlerweile stabil. Fährt er durch die Stadt, ist er wieder ganz der Alte, der auf ein sauberes Straßenbild achtet: »Kann man nicht mal die Baumscheiben in Ordnung halten? Es wäre schön, wenn jeder ein bisschen was vor seiner Tür machen würde«, denkt er sich dann. Die Krankheit hat gleichwohl Spuren hinterlassen, es fehlt ihm noch Kraft. »Ich mache Krankengymnastik und will mich darauf konzentrieren, wieder gesund zu werden«, sagt er. Er habe früher zu viel gemacht. Nun sei es hart, nichts tun zu können - aber zu wollen.

Nach der Kommunalwahl in Bad Nauheim war Schluss

Aus der städtischen Politik ist Witzel ausgeschieden, allerdings erst nach der Kommunalwahl im März. Bewusst war er nur auf Platz 26 der FW/UWG-Liste angetreten, landete aber auf 15. Als Nachrücker wäre er somit wieder im Stadtparlament. »Ich habe aus gesundheitlichen Gründen verzichtet. Nach über 40 Jahren muss man auch mal sagen, es ist Schluss.«

Seit 1975 ist Witzel in der UWG. Das familieneigene Lebensmittelgeschäft in Nieder-Mörlen musste damals schließen, weil die städtische Politik den Toom-Markt (heute Kaufland) genehmigt hatte. Witzel war wütend: »Ich habe gesagt: Mir reicht es jetzt, ich gehe selber in die Politik.« Damals hätte er nicht gedacht, eines Tages Bürgermeister zu werden. Ein Amt, das er mit Leidenschaft ausübte.

An seine Erfolge denkt er gerne zurück: »Fahren Sie mal durch die Stadt, es ist ja alles gemacht. Parkstraße. Bahnhofsallee. Bahnhofsvorplatz. Bahnhof selbst. Man vergisst, was für Verhandlungen dahinterstanden. Die Landesgartenschau 2010; an der hing ja sehr viel dran. Die Umgestaltung der Stadt. Das ganze Goldsteingebiet ist umgekrempelt worden. Der Johannisberg beispielsweise.« Die Kommunalisierung des Staatsbades fiel auf den Beginn seiner Amtszeit.

Bad Nauheims Ex-Bürgermeister: „Es war meine größte Niederlage“

Jürgen Patscha, der bisherige Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, erinnert sich gern an die Zusammenarbeit mit ihm. »Bernd Witzel als Bürgermeister war ein Schaffer, ein Kämpfer, der sich durchsetzte. Ein Macher, der nach vorne gesprungen ist. Wie er geschafft hat, alles umzusetzen und zu transportieren, was wir wollten - grandios.«

Witzel wäre 2011 gerne Bürgermeister geblieben, unterlag aber Armin Häuser (CDU) in der Stichwahl. »Es war meine größte Niederlage«, bekennt er. Mittlerweile habe er sich mit seinem einstigen Konkurrenten arrangiert. »Mit Häuser hat es sich zum Positiven entwickelt. Das Thema hat sich wieder eingefädelt.« Häusers Bundestagskandidatur findet Witzel nachvollziehbar. »Wenn einer nach oben will, ist das der Weg.« Mit der Arbeit von Bürgermeister Klaus Kreß und Erstem Stadtrat Peter Krank (beide parteilos) ist er zufrieden. Das »sogenannte Stadtparlament« sehe er hier und da aber kritisch, vor allem die Kenia-Koalition aus CDU, Grünen und SPD. »Das ist gegen den Wählerwillen. Was da läuft, geht gar nicht«, findet er. Die FW/UWG sei klarer Wahlsieger gewesen und habe gute Leute. Als Beispiel nennt er Fraktionsvorsitzenden Markus Theis und Stadträtin Katja Bohn-Schulz. »Mit solchen Leuten macht es Spaß, zu arbeiten.« Witzel habe die CDU gefragt: »Was soll denn das Ganze?« Ihm sei geantwortet worden: »Wir wollten uns nicht mehr gefallen lassen, dass man auf uns rumkloppt.« Witzel berichtet, er habe daraufhin erwidert: »Ich bin doch gar nicht mehr da.«

Schrebergarten abgegeben

Langweilig wird dem Nieder-Mörler trotzdem nicht, es gibt immer etwas zu tun. Im Kreistag steht er noch auf der Nachrückerliste seiner Fraktion. Seinen Schrebergarten hat er vorübergehend abgegeben, die Obstwiesen hat er noch. Den vierfachen Großvater unterstützen dabei die Söhne Marco und Christoph, die Schwiegertöchter und Partnerin Margrit Lehmann. Die Krankheit habe ihm gezeigt, so sagt er, dass vieles auch anders geht.

Über 40 Jahre in der Kommunalpolitik

Bernd Witzel wurde am 15. Mai 1946 geboren. Er wuchs in Nieder-Mörlen auf und lernte den Bäcker-Beruf. Später wurde er Verwaltungswirt, war beim Arbeitsamt sowie als Hauptamtsleiter der Gemeinde Ober-Mörlen beschäftigt. 1975 trat er der UWG bei. Zunächst war er im Nieder-Mörlener Ortsbeirat, dann in der städtischen Fraktion, deren Vorsitzender er wurde. 1993 wählte ihn das Parlament zum hauptamtlichen Stadtrat, 2005 gewann Witzel die Bürgermeister-Direktwahl. 2011 unterlag er Armin Häuser (CDU), 2016 wurde er ins Stadtparlament gewählt. Nach der Kommunalwahl 2021 verzichtete er auf sein Mandat als Stadtverordneter. Witzel sitzt im Aufsichtsrat der Ovag und ist der nächste Nachrücker seiner Fraktion im Kreistag. Er ist verwitwet, hat zwei Söhne, vier Enkelkinder und lebt mit seiner Partnerin Margrit Lehmann zusammen.

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