Im Pflegebett empfängt Hedwig Schwennbeck die Gratulanten. FOTO: PV
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Im Pflegebett empfängt Hedwig Schwennbeck die Gratulanten. FOTO: PV

"Mutti Schwennbeck" ist dreistellig

  • vonred Redaktion
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Bad Nauheim/Friedberg(pm). Sie ist zwar seit zwei Jahren aufs Pflegebett angewiesen, trotzdem beging Hedwig Schwennbeck kürzlich bei sonst guter Gesundheit und wachem Geist in Bad Nauheim ihren 100. Geburtstag. Bis zu ihrer Pensionierung war sie über 25 Jahre Lehrerin für Deutsch und Englisch am Friedberger Burggymnasium, anfangs noch Aufbaugymnasium. Hier erwarb sie durch ihre nachhaltige Kollegialität und herausragende pädagogische Befähigung nicht nur besonderen Respekt im Kollegenkreis.

Vielmehr hatte sie auch eine besondere Befähigung, bei ihren Schülern Interesse an der englischen und deutschen Literatur zu wecken. Ihr Verständnis für die pädagogischen und sozialen Probleme ihrer Schüler belohnten diese nicht nur mit dem liebevollen Spitznamen "Mutti Schwennbeck", die Lehrerin war vielmehr auch Gast bei zahlreichen Ehemaligentreffen der Burg-Jahrgänge. Viele Schüler halten bis heute persönlichen Kontakt zu ihr.

Dabei war das Ziel von Hedwig Schwennbeck, Lehrerin zu werden, nicht leicht zu erreichen: Als gebürtige Lettin wurde sie gegen ihren Willen unmittelbar nach dem in Riga bestandenen Abitur durch die Nazis als sogenannte Volksdeutsche 1939 nach Posen umgesiedelt, wo sie 1940 ihr Studium aufnahm. Von dort erfolgte 1944 die Vertreibung nach Jena, wo sie ihr Studium nur für drei Monate fortsetzten konnte. Nach der erneuten Flucht vor der Roten Armee im Juli 1945 blieb ihr Flüchtlingszug in Friedberg stehen. Sie stieg aus und blieb.

Beschäftigung bei US-Armee

Aufgrund ihrer guten Englischkenntnisse fand sie eine Beschäftigung bei der US-Armee, die sie bis 1955 nicht aufgeben konnte, weil sie ihre Eltern und sich versorgen musste. Von Friedberg zog sie 1955 zusammen mit ihrer Mutter in eine kleine Wohnung nach Bad Nauheim, wo die Jubilarin noch heute lebt. Erst 1956 konnte sie ihr Studium an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt wieder aufnehmen, absolvierte danach an der Augustinerschule und später am Aufbaugymnasium ihre Referendarzeit, wo sie bis 1985, zuletzt als Oberstudienrätin unterrichtete.

Der eine oder andere ehemalige Schüler, mittlerweile selbst ergraut, ließ es sich nicht nehmen, ihr zu ihrem 100. Geburtstag persönlich zu gratulieren. Ministerpräsident Volker Bouffier und Bürgermeister Klaus Kreß gratulierten pandemiebedingt per Post.

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