Mit der Musik kommt die Sonne

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Es fällt schwer, sich an einem strahlend schönen Tag auf das Dunkel des Karsamstags und auf das Dunkel des Kirchenraums einzulassen. Aber die Reihe in der evangelischen Dankeskirche, die Pfarrer Dr. Ulrich Becke vor 30 Jahren begann, heißt "Vom Dunkel zum Licht". Diese Spannung zu erfahren, sie auszuhalten und für sich selbst zu wandeln, gelingt besonders mit Musik. Kantor Frank Scheffler trägt seit gut 15 Jahren dazu bei und beglückte in diesem Jahr mit dem fünften Teil des Bachzyklus’.

Es fällt schwer, sich an einem strahlend schönen Tag auf das Dunkel des Karsamstags und auf das Dunkel des Kirchenraums einzulassen. Aber die Reihe in der evangelischen Dankeskirche, die Pfarrer Dr. Ulrich Becke vor 30 Jahren begann, heißt "Vom Dunkel zum Licht". Diese Spannung zu erfahren, sie auszuhalten und für sich selbst zu wandeln, gelingt besonders mit Musik. Kantor Frank Scheffler trägt seit gut 15 Jahren dazu bei und beglückte in diesem Jahr mit dem fünften Teil des Bachzyklus’.

Scheffler hat sich vorgenommen, in dieser Reihe alle Orgelwerke des Thomaskantors zu spielen. Er macht damit aus der Not eine Tugend, denn die große Orgel taugt nicht mehr für aufwendige Musik, bei der es viel zu registrieren gibt. Von den ehemals 8000 Speichermöglichkeiten sind nur noch vier vorhanden. Bach kann er gerade noch spielen. Doch auch an diesem Samstag hing dreimal eine Koppel, die bewirkte, dass andere Pfeifen ungewollt mitschwingen. Da ist schnelles Umplanen des Organisten erforderlich. Den Zuhörenden wird in diesen Momenten erneut bewusst, wie wichtig eine neue Orgel und die Spendenaktion dafür ist.

Was Scheffler an Klang aus dem maroden Instrument auch diesmal wieder herausholte, war bemerkenswert. Mehrfach setzte er das zart klingende, mystische Fernwerk auch als Echowerk ein. Vom Dunkel zum Licht, von Moll nach Dur wählte er drei große Präludien und Fugen – extra für dieses Thema hatte er sie einstudiert. Schwer und drängend die in f-Moll, suchend, fragend, dann immer hoffnungsvoller bis zur tänzerischen Leichtigkeit die nur drei Ziffern im Werkverzeichnis (546) folgende in c-Moll. Und schließlich als lichter, triumphierender Abschluss mit schnellen Läufen im Pedal beginnend Präludium und Fuge in C-Dur. Genau in diesem Moment brach durch das Fenster neben der Orgel das Sonnenlicht und brachte auch optisch den Hoffnungsschimmer des Osterfestes.

Die Choralvorspiele zu Passionschorälen klangen von düster bis innig und ließen zunächst noch gedämpfte Freude aufkommen, begleitet von meditativen Texten. Becke: "Warum in der Karwoche?, habe man sich beim Brand von Notre-Dame gefragt. Das Positive: Drei Bienenvölker, die große Rosette und die berühmte Cavaillé-Coll-Orgel wurden nicht zerstört. Ein Zeichen, dass das Leben das letzte Wort behalte und nicht der Tod." Auch Martin Luthers Christuserfahrung hatte sich in Laufe seines Lebens gewandelt. Fürchtete er sich als Kind vor dem strafenden Christus mit dem Schwert, sah er ihn später als Mensch. "Als ich die Gnade Gottes begriff, war es, als ob sich die Pforten des Paradieses öffneten, um mich einzulassen", zitierte er den Reformator.

Musik aus vielen Perspektiven

Der Choralbearbeitung zu "Christ lag in Todesbanden" stellte Scheffler Choralvorspiele über Osterchoräle gegenüber. Musikalisch deutlich spürbar lag die Betonung auf der Vergangenheit und auf dem Wort Tag. Das Licht weicht dem Dunkel in diesen Stunden, der Tag verdrängt die Nacht. Auf Johann Sebastian Bach, den Schöpfer dieser herrlichen und so stimmungsvollen Musik, ging Becke mit einem bezugsreichen Beispiel ein. Bach habe zwar weder Synergieeffekte noch Fundraising gekannt, aber er habe beides genutzt. Als er in Leipzig das Collegium Musicum von Telemann übernommen hatte, verlagerte er seine Konzerte in das Zimmermann’sche Caféhaus. Der dort verkaufte Kaffee sei wiederum neuen Instrumenten für sein Orchester zugute gekommen.

Die Gäste dieser vorösterlichen Stunde gingen so der Musik aus vielen Perspektiven in Gedanken nach.

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