Momente des sanften Schweigens

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Mit Worten ist es wie mit Bildern. Mal rauschen sie vorbei. Dann wieder können sie berühren, Spuren hinterlassen, sich tief unter die Haut graben. Das mag an den Worten und an den Bildern liegen. Und am Menschen, dem sie begegnen.

Mit Worten ist es wie mit Bildern. Mal rauschen sie vorbei. Dann wieder können sie berühren, Spuren hinterlassen, sich tief unter die Haut graben. Das mag an den Worten und an den Bildern liegen. Und am Menschen, dem sie begegnen.

Wenn Frauke Ahlers schöne Worte in den Sinn kommen, schreibt sie sie auf. In ihrer Kladde ruhen sie wie Larven im "Kokon der Gedanken". Bis sie sich träge räkeln, zu Sätzen zusammenfinden und in die Freiheit flattern. Wenn Nicole Merz Gedanken einfangen, Stimmungen aufzeichnen möchte, greift sie zur Kamera. Oder umgekehrt. Dann werden Bilder zum Gedicht.

So wie in dem kleinen Lyrikband "Momente des sanften Schweigens" mit Gedichten von Frauke Ahlers und Fotografien von Nicole Merz. Der Titel verrät, wie zerbrechlich besondere Momente sein können. In diesem Büchlein spannen sie einen empfindsamen Bogen von der Geburt des Wortes über Menschenkinder, Liebe und Lebenslust bis zum Abschied. Jedem Vers, jeder Fotografie wohnt ein Zauber inne, der sich mitunter erst beim wiederholten Hineinversenken erschließt.

Obwohl Wort und Bild sich die Seiten nicht teilen, gehen sie eine faszinierende Symbiose ein. Eben noch geborgen im Mutterschoß, wandert der Blick über verwurzelte Baumriesen, wir schaukeln auf der Mondsichel und finden uns wieder in bizarrem Geäst. Dort, wo zwei Menschen im Glück verschwinden, sind auch das Wort und das Bild zum Wir verschmolzen. "Momente mit Dir – Momente vollkommenen Glücks – Momente des sanften Schweigens – unendlich unfasslich – Momente mit Dir".

Und dort, wo wir zum Abschied noch einmal die "geheimen Kammern des Herzens" betreten, wird der Waldboden von braunem Laub gewärmt. "Es rinnt und rinnt der Sand – und jedes Körnchen – ein kleines Stück Vergänglichkeit – Ich brauche Zeit, sagst Du". Eben noch nährten Rosen, Mohn- und Sonnenblumen die Träume, dann bestimmen goldene Ähren das Bild, verschwommener Schnee scheint die Zukunft zu verwischen, und im Fluss der Erinnerung begegnen wir schillernden Fabelwesen – und uns selbst. "Was fängst Du an mit Deiner Zeit – die bleibt und rinnt zugleich ..."

Das wortgewordene Bild der Sanduhr sei durch sie hindurch geflossen, erzählt Frauke Ahlers. Das passiere ihr selten, berichtet die Dichterin von nachdenklichen und glücklichen Momenten, die in ihrem fünften Lyrikband zum fragilen Ganzen zusammenfanden. Sich der Kostbarkeit von Momenten und der Endlichkeit bewusst zu werden, habe mit Lebenserfahrung zu tun, vermutet die Journalistin. Dankbarkeit treibe sie an – und das Bedürfnis, die Dinge des Lebens mit Liebe zu tun.

Ihre Berufung findet die Autorin darin, Worte auszuloten, ihnen Tiefe zu geben, klangvolle Gedankenbilder zu schaffen und Trost zu spenden. "Viele Leser werden sich in und zwischen den Zeilen wiederfinden", ist sich die Verlegerin sicher. Die wunderschönen Fotos von Nicole Merz verstärkten das Gefühl der Geborgenheit. Markus Rühl habe dem Büchlein ein ebenso prägnantes Layout gegeben wie dem vergriffenen "Engelbüchlein".

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