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Momentaufnahmen eines Lebens

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim(hms). Wer in einem Fotoalbum blättert, lässt das Leben Revue passieren. Man entdeckt Facetten seiner selbst, nimmt Wirkung und Reaktionen wahr, erlebt Begegnungen neu. Wer so im Rampenlicht stand, wer so vergöttert wurde wie Elvis Presley, füllt zwangsläufig Archive mit solchen Momentaufnahmen. Wer sie betrachtet, begibt sich mit ihm auf eine abenteuerliche Reise.

Die Dokumentenfülle scheint der Elvis-Presley-Gesellschaft nicht auszugehen. Denn mit "Pieces of my Life" - nach dem gleichnamigen Song - präsentierte sie am Wochenende zusammen mit der Stadt 22 Jahre Elvis pur. Bilder, Fotografien, Zeichnungen, selten Gezeigtes vor allem. Nichts wiederholt sich Jahr für Jahr. Es ist eine Schatztruhe, die beim Öffnen den "King of Rock’n’Roll" herausspringen lässt in seiner Lebendigkeit, die ihn als humorvollen, zärtlichen Jungen und verletzlichen Mann zeigt, als Filmstar, GI, Freund - dezent begleitet von seiner Musik.

Szenenfotos aus Filmen

Maria Hesterberg von der Elvis-Presley-Gesellschaft weiß dazu viele Geschichten. Da stehen in der Rotunde vier Zeichnungen auf Staffeleien von Karsten Apel, dem Künstler, dessen preisgekröntes Motiv im vergangenen Jahr das Plakat des Europäischen Elvis-Festivals zierte: Elvis wird auf der Welle der Musik um den Globus getragen, Porträts und, lokal betrachtet, die Dreifalt als Musiker, Soldat, Privatmann. Schillernde Bühnenfotos in bekannter Pose, in Jumpsuits oder Jackett, wild oder schmachtend am Mikrofon wechseln sich ab mit den so viel intensiver wirkenden Schwarz-Weiß-Dokumenten. Als der junge Soldat auf dem dicht gefüllten Truppentransporter in Bremerhaven ankommt und aller Augen jubelnd auf ihn gerichtet sind, ist er doch nur einer unter vielen. Da sind Momente voller Intimität, ein Scherzkeks mit Plusterbacken wie der riesige Stoff-Pandabär, den Elvis umarmt oder die Szene, in der er "Nipper", dem Hund aus dem Label "His Masters Voice", ein Lied vorsingt. Aufgenommen hat diese Serie Alfred Wertheimer. Der Fotograf durfte den 21-Jährigen 1956 drei Wochen begleiten. Zeitlebens prägte er ein unverwechselbares Bild des Künstlers.

Elvis mit Promis: Beim Besuch von Richard Nixon im Weißen Haus 1970. Oder mit Muhammad Ali, dem er später im Stil seiner Jumpsuits einen Boxmantel schenkte und den dieser mit großer Verehrung trug.

Auf einem anderen Foto beugen sich drei junge Männer im Studio über Elvis Schulter. Hesterberg erzählt: "Es sind Jerry Lee Lewis, Carl Perkins und Johnny Cash. Die vier trafen sich zufällig in den Sun-Studios in Memphis, wo sie alle ihre Karriere begannen. Aus der Begegnung wurde eine Jam Session, die als ›A Million Dollar Quartett‹ in die Musikgeschichte einging."

Aus einigen seiner 31 Spielfilme sind Szenenfotos zu sehen. Elvis, der sozial orientierte Familienmensch, der auf Ausgleich und Gleichbehandlung Bedachte, singt in den Schlussszenen seines "68 Come Back Special" vor den großen Leuchtbuchstaben seines Namens das soeben komponierte "If I can dream". Es galt dem gerade ermordeten Robert Kennedy und dem zwei Monate zuvor ermordeten Martin Luther King.

In dieser besonderen Ausstellung konnte man dem populären, Fan-nahen, dem bescheidenen, erfolgreichen, humorvollen, respektvollen Menschen Elvis begegnen. Aber auch dem Mann mit den traurigen Augen, dem Star ohne Lächeln.

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