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Bildhauer-Kurs

Modellieren mit der Kettensäge: Bildhauer-Kurs in Steinfurth

  • VonLarissa Wolf
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Eine Gruppe von Studierenden der Hochschule Hildesheim ist in Steinfurth zu Gast, um bei einem Bildhauer-Kurs die verschiedensten Tierskulpturen herzustellen - jede mit ihrer eigenen Botschaft.

Ganz schön was los auf dem Gelände der Rosenschule Ruf in Steinfurth: Schon von weitem ist ein lautes Röhren zu vernehmen. Eine Gruppe von Studierenden der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim schnitzt hier dieser Tage Tierskulpturen aus massiven Baumstämmen - mit der Kettensäge.

Es ist schon das zweite Mal, dass Professor Hans Lamb mit seinen Studenten aus Niedersachsen nach Steinfurth kommt, um ein solches Projekt umzusetzen. »Alle studieren im Studiengang Gestaltung. Auf Neudeutsch wäre das Design«, sagt der Künstler. Er habe den Bildhauer-Praxiskurs schon öfter angeboten, aber in Steinfurth herrschten die besten Bedingungen dafür. Bei der Organisation hilft der Steinfurther Klaus Kamm. Der Kfz-Meister ist nicht nur sehr gut in der Region vernetzt, sondern hat auch jahrelang mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet.

Bildhauer-Kurs in Bad Nauheim-Steinfurth: Geschnitzte Tiere mit pädagogischem Wert

»HessenForst hat das Holz für uns organisiert und hergebracht. Wir haben dicke Baumstämme von Buchen, Eichen und Lärchen, die wir für die Skulpturen nutzen können«, sagt Kamm. Lamb ist von der Kooperation begeistert: »Ich mache dieses Projekt nur noch mit Klaus. Er ist mit seiner Erfahrung und seinem technischen Wissen eine große Bereicherung. Wenn es ein Problem mit einer Maschine gibt, ist er gleich zur Stelle.« Die 14 Studierenden und ihre drei Tutoren aus höheren Semestern sind auf einem Campingplatz auf dem Gelände des Gemüsehofs Theo Bloem untergebracht - nur einen Steinwurf von den Ruf-Wiesen entfernt.

Lamb wählt für seinen Kurs im Vorfeld Thema und externen Partner aus. Dieses Jahr ist dies der Zoo in Frankfurt - daher der Auftrag für die Tierskulpturen. Die Arbeiten haben auch einen pädagogischen Wert. »Wir haben ganz unterschiedliche Motive, die sich die Studierenden selbst ausgesucht haben. Eine Teilnehmerin macht zum Beispiel verschiedene Tierbeine: ein Pferdebein und eins von einer Raubkatze. Die Kinder können sie im Zoo anfassen und die Anatomie erforschen«, sagt der Professor.

Die Vorbereitung des Praxiskurses laufe bereits seit April. »Jeder Teilnehmer möchte mit seinem Tierbild etwas Bestimmtes aussagen. Das ist die Kunst«, erklärt Lamb. So habe sich ein Student für das Schnitzen von mehreren Hühnern entschieden. »Er möchte damit den Aspekt der Käfighaltung aufgreifen«, sagt Lamb. Ein anderer macht einen Nashornkopf - aber ohne Horn. »Das wird daneben liegen. So zeigt sich die Kritik an der Nashornjagd für deren Hörner.«

Bildhauer-Kurs in Bad Nauheim-Steinfurth: Pandemie hat Praxiskurse erschwert

Inmitten der kleinen Lager, zwischen denen ein Sicherheitsabstand von acht Metern liegt, arbeitet Lea Breitzke. Die 21-Jährige hat gerade ihr viertes Semester im Kompetenzfeld Produktdesign vollendet und vor dem Kurs noch nie mit Baumstämmen und Kettensägen gearbeitet. »Das ist neu für mich. Ich wollte dieses Projekt unbedingt machen, weil es so viel Praxis bietet«, sagt Breitzke.

Durch die Pandemie habe es in ihrem Studium an praktischen Übungen gemangelt. Die Studentin hat sich für das Modellieren einer Löwin entschieden, die sich streckt. »Ich bin Katzenbesitzerin, und wir mussten uns ein Zootier aussuchen. Also habe ich das ausgewählt, was am nächsten liegt«, lacht Breitzke. Sie habe die Raubkatze zwar stark und präsent, aber auch niedlich darstellen wollen. »Es ist mal etwas anderes.« Zur Vorbereitung haben die Studierenden, von denen mehr als die Hälfte junge Frauen sind, Tonmodelle gemacht. »Wir haben dann an kleineren Baumstämmen geübt, um uns an das Material zu gewöhnen und einen Blick dafür zu bekommen, was möglich ist und was nicht«, sagt Breitzke.

Eine ganze Woche arbeiten die Studenten an ihren Skulpturen, immer unter der Aufsicht von Lamb und Kamm, die sie dabei tatkräftig unterstützen. »Es ist die pure Lebenslust, die man hier spürt«, sagt Kamm und lacht. »Alle sind voll im Stamm, wie ich gern sage.« Lamb pflichtet ihm bei: »Es hat die letzten Tage sehr viel geregnet, aber die Motivation ist trotzdem hoch.« So eine Kettensäge sei schwer - eine Woche lang, jeden Tag für zehn Stunden - wenn man das nicht gewohnt sei. Auch im Rücken merke man den Unterschied. Lamb: »Sie sind abends alle fix und fertig, aber sehr glücklich.«

Bildhauer-Kurs in Bad Nauheim-Steinfurth: Ausstellung am Sonntag, 8. August ab 15 Uhr

Bis zum Samstag will Professor Hans Lamb und sein Bildhauer-Kurs mit den Kettensägen-Arbeiten fertig sein. »Dann folgt nur noch die Feinarbeit bis zum Abend«, sagt er. Am Sonntag, dem 8. August ab 15 Uhr, können die fertigen Skulpturen - von der Walkuh über einen Babygorilla bis zum Ameisenbär - von der Öffentlichkeit auf dem Gelände der Rosenschule Ruf in Steinfurth bestaunt werden.

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