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Winfried Hess

Mit Organspendeausweis in den Ruhestand

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Bad Nauheim (alh). »Der Mensch ist mehr als nur Patient.« Diese Einstellung hat den Dienst von Pfarrer Winfried Hess in der Klinikseelsorge geprägt. Es war ihm wichtig, die Menschen mit ihren individuellen Lebensgeschichten als Gesamtes anzunehmen und sie in schweren Zeiten zu begleiten. Jetzt geht der Seelsorger nach über 35 Jahren im Dienst in den Ruhestand.

Die letzten fünf Jahre verbrachte Hess im Dekanat Wetterau im Dienst an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Ein schöner Abschluss, findet er. Zuständig für die Kardiochirurgische- und die Transplantations-Station, habe er dort viele tiefe und ehrliche Gespräche geführt. Dabei habe er nicht nur gespürt, wie sich der Glaube der Menschen verändert, sondern auch sein eigener: »Um ehrlich zu sein, hatte ich einige Vorbehalte beim Thema Organspende, es kam für mich eigentlich nicht infrage«, erzählt er. Inzwischen trägt er seinen Ausweis mit der Einwilligung zur Spende immer bei sich.

»Als Seelsorger in verschiedenen Kliniken bin ich unterschiedlichen Weltanschauungen und religiösen Traditionen begegnet«, erzählt Hess. Die Ökumene und der interreligiöse Dialog liegen und lagen dem Pfarrer immer am Herzen. So hat er die ökumenische Rufbereitschaft in der Kerckhoff-Klink angestoßen. »Als Kirche haben wir den Auftrag, uns um die Menschen zu kümmern, die uns brauchen. Das verbindet die Religionen, darin müssen wir zusammenarbeiten.« Auch für die Arbeit in Teams und in partnerschaftlichen Strukturen hat sich Hess mit seiner ruhigen, aber bestimmten Art eingesetzt. Zum Beispiel zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen in der Klinikseelsorge, wo der Bedarf bei immer weniger Pfarrpersonen kaum noch zu decken sei. »Man muss die Menschen befähigen und ihnen etwas zutrauen, so können sie wachsen.«

Zuletzt hat Hess zusätzlich mit einer halben Stelle auf der Palliativstation des Markuskrankenhauses in Frankfurt gearbeitet und Menschen beim Abschied vom Leben unterstützt. Zuvor arbeitete er lange Jahre in der Ausbildung haupt- und ehrenamtlicher Seelsorger am Zentrum für Seelsorge und Beratung der Landeskirche.

Im Beruf weit herumgekommen

Der Seelsorger, der aus Eiershausen im Lahn-Dill-Kreis stammt, war schon immer weltoffen: Zu Beginn seiner Ausbildung studierte er vier Semester in Bethel und machte dort die Seelsorge-Ausbildung für Theologie-Studenten. »Ich habe schnell gemerkt, dass mir das Spaß macht.« Später zog es ihn in die USA, wo er ebenfalls studierte und zweieinhalb Jahre an einer Uniklinik in New York den Bereich Seelsorge leitete. In dieser Zeit lernte er seine Ehefrau kennen, mit der Winfried Hess zwei Söhne hat.

Jetzt, im Ruhestand, zieht es ihn zurück in die Staaten. Gemeinsam mit seiner Frau fliegt er über den Atlantik auf die andere Seite der Welt. Was danach kommt, weiß er noch nicht. »Gott wird mir schon zeigen, wo mein Platz ist und was für mich jetzt dran ist.« Da ist Hess sicher. »Das schöne ist, egal wohin, ich gehe nie alleine. Gott ist immer dabei.«

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