Soeur Félix bei der Verleihung 2011 mit (v. l.) Emmanuel Esteban, Brigitte Jung-Hengst, Almut Esteban und Armin Häfner.
+
Soeur Félix bei der Verleihung 2011 mit (v. l.) Emmanuel Esteban, Brigitte Jung-Hengst, Almut Esteban und Armin Häfner.

In memoriam: Soeur Félix

  • vonRedaktion
    schließen

Bad Nauheim/Chaumont. (pm). Soeur Félix, ehemalige Schulleiterin der Institution Chaumontaise Oudinot (ICO), Wegbereiterin der Schulpartnerschaft zwischen ihrer Schule und Ernst-Ludwig-Schule (ELS) sowie Mutter der Städtepartnerschaft zwischen Chaumont und Bad Nauheim, ist im Alter von 88 Jahren verstorben.

Bürgermeister Klaus Kreß und Stadtrat Hans-Peter Thyssen, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, sprachen Stadt, Schule und Familie ihr Mitgefühl aus und würdigten die Verstorbene als »große Symbolfigur unserer herzlichen Beziehungen, die den Europa- und Partnerschaftsgedanken mit Leben erfüllt hat«.

Monique Prodhon, so ihr bürgerlicher Name, wurde 1932 in Perrancey bei Langres geboren. Nach der Dorfschule arbeitete sie auf dem elterlichen Bauernhof und trat 1954 als Novizin in das Kloster der Kongregation »Filles de la Sagesse« (Töchter der Weisheit) ein. Hier wurde ihre intellektuelle Veranlagung erkannt; nach Abitur, Französisch- und Geschichtsstudium unterrichtete sie ab 1965 an den drei katholischen Privatschulen in Chaumont, deren Leitung ihr 1969 übertragen wurde - und die sie bis 1992 innehatte.

Ihr Lebenswerk bestand darin, diese separaten Schulen zur ICO zusammenzuführen, 1970 unter staatlichen Vertrag zu stellen, das Unterrichtsangebot zu erweitern und 1994 einen Neubau einzuweihen.

Soeur Félix lag die deutsch-französische Versöhnung und Freundschaft besonders am Herzen. Das ging darauf zurück, dass nach 1945 Leo Odenweller aus Wisselsheim auf dem elterlichen Bauernhof als Kriegsgefangener zur Landarbeit verpflichtet war; ihn nahm die Familie in Freundschaft auf. Als sie diesen dann 1977 besuchte, stieß ihr Interesse an einem Schüleraustausch auf große Zustimmung in der ELS. 1978 begann er, anfangs jährlich, nach 1980 in zweijährigem Rhythmus und von Anfang an durch die Stadt unterstützt. Félix nahm an der 75-Jahr-Feier der ELS 1980, der Neubaueinweihung 1986 und am Schuljubiläum 2005 teil.

Bereits 1984 hatte Bürgermeister Bernd Rohde eine Städtepartnerschaft zu begründen versucht, jedoch zum größten Bedauern von Félix erfolglos. Ein neuer Bürgermeister und ein neu zusammengesetzter Stadtrat brachten die Wende: Im April 1990 erhielt der ELS-Schulleiter von Stadtrat Maurice Gaillard, den er als Elternbeiratsvorsitzender der ICO kannte, ein Schreiben, in dem es hieß: »Nach meiner Unterhaltung mit Schwester Félix freue ich mich darauf, Ihnen zu bestätigen, dass wir unsere Schritte verfolgen möchten, um unsere Städte durch eine Partnerschaft zu verbinden.« Im Mai 1992 fanden die Verschwisterungsfeierlichkeiten in Chaumont statt, die mit einer »soirée musicale« der ELS im Salle des Fêtes eröffnet wurden. Weitere Konzerte folgten 1996 und 2010.

Die Einweihung des ICO-Neubaus 1994, zu dem sie der ELS-Neubau motiviert hatte, war die Gelegenheit, die Verdienste von Soeur Félix zu würdigen. Stadtrat Klaus Beier überreichte die städtische Partnerschaftsmedaille und lobte: »Wir wissen, dass es ohne Sie diese Verbindung nie gegeben hätte.« Anschließend gratulierte der ELS-Schulleiter und überreichte 15 Rosenstöcke der Rose Chaumont und der Rose Bad Nauheim für den Vorplatz der Schule.

Ein besonderes Ereignis war für Soeur Félix 2011 die Verleihung des Kreuzes der Ehrenlegion vor rund 300 Gästen. Aus Bad Nauheim gratulierten Wolfgang Mahr und Hans-Peter Thyssen sowie von der ELS Brigitte Jung-Hengst und Armin Häfner, der ausführte: »Auf dem Bauernhof Ihrer Eltern in Perrancey wurde der Samen für diese deutsch-französische Freundschaft gelegt, in der Partnerschaft unserer Schulen ging er auf, mit der Verschwisterung von Chaumont und Bad Nauheim wurde die Ernte eingefahren und ging Ihr langgehegter Traum in Erfüllung.« ARCHIVFOTO

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare