Umwandlung von landwirtschaftlicher Fläche in Wohngebiete – das sehen Bauernverbände nicht gerne. Die Äcker zwischen Homburger Straße (l.) und Friedberger Straße werden wohl ebenfalls bebaut.	(Foto: Nici Merz)
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Umwandlung von landwirtschaftlicher Fläche in Wohngebiete – das sehen Bauernverbände nicht gerne. Die Äcker zwischen Homburger Straße (l.) und Friedberger Straße werden wohl ebenfalls bebaut. (Foto: Nici Merz)

Mehrgeschossig im Süden Bad Nauheims

Bad Nauheim (bk). Bad Nauheim und Ockstadt sollen näher zusammenrücken. Dafür könnten nach dem Willen des Bad Nauheimer Magistrats 365 Wohneinheiten sorgen, die am Südrand der Kurstadt zwischen Homburger und Friedberger Straße geplant sind. Wieder ein neues Baugebiet also, diesmal allerdings mit deutlich anderen Vorzeichen.

Vor 15 Jahren sprachen Bad Nauheimer Politiker von einer »Südstadt«. Tatsächlich hatte das vom damaligen Bürgermeister Bernd Rohde (CDU) geplante 24-Hektar-Neubaugebiet für 2000 Bewohner zwischen Waldteichen und Friedberger Straße die Ausmaße eines neuen Stadtteils. Das Vorhaben kam zu Fall, jetzt nimmt ein anderer CDU-Rathauschef einen neuen Anlauf – in deutlich abgespeckter Version. Armin Häuser und mit ihm die Magistratsmehrheit haben sich für eine Variante von »Bad Nauheim Süd« entschieden, die auf 15 Hektar zwischen Friedberger und Homburger Straße 365 Wohneinheiten vorsieht.

Weil in der Kurstadt ein Mietwohnungsengpass besteht (die WZ berichtete), möchte der Magistrat von der üblichen Praxis abweichen, bei der Erschließung neuer Baugebiete fast ausschließlich auf Einfamilienhäuser zu setzen. Vorgesehen sind 210 Wohnungen in mehrgeschossigen Gebäuden, 121 frei stehende Einzelhäuser und 34 »Kettenhäuser«. Geschosswohnungsbau und »Kettenhäuser« sind für den Ost- und West-Rand des Areals vorgesehen. Die Parzellen für Einfamilienhäuser in der Mitte sollen zwischen 400 und 700 Quadratmeter groß sein. Viel Grün ist Bestandteil der Planung, entlang des Deutergrabens parkähnlich gestaltet. Die Erschließung erfolgt über Homburger und Friedberger Straße. In Höhe des Usa-Wellenbads soll ein neuer Kreisel entstehen.

»Unter dem Strich bietet die gewählte Variante im Vergleich zu anderen die meisten Wohneinheiten sowie ein abwechslungsreiches Quartier von hoher architektonischer und städtebaulicher Qualität«, zeigt sich Bürgermeister Häuser überzeugt. Er will private Investoren mit ins Boot holen, die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau) alleine könne die Entwicklung von »Bad Nauheim Süd« nicht stemmen. »Wenn alles nach Wunsch läuft, könnten die ersten Grundstücke 2018 verkauft werden«, sagte der Rathauschef am Freitag.

Noch vor der Kommunalwahl am 6. März sollen die parlamentarischen Gremien grünes Licht für die Aufstellung eines Bebauungsplans geben. Der Bauausschuss tagt am 16. Februar, die Stadtverordnetenversammlung am 25. Februar. Im Ausschuss wird dann auch ein SPD-Antrag beraten, der von den Parlamentariern am Donnerstagabend dorthin verwiesen wurde. Die Sozialdemokraten fordern, bei der Planung eine 30-prozentige Quote an Sozialwohnungen vorzusehen. Sprecher Johannes Krautwurst verwies auf die ständig steigenden Mieten. Vor allem Geringverdiener, aber auch andere Bürger seien davon betroffen. Laut Krautwurst sind in Bad Nauheim nur zwei Prozent der rund 15 000 Wohnungen »sozial gebunden«, bundesweit liege der Anteil bei acht Prozent.

CDU-Sprecher Klaus Dietz sprach sich gegen eine Quote aus. Steigende Bau- und Grundstückskosten machten es immer schwieriger, Wohnraum günstig zu erstellen. Gleichzeitig steige die Nachfrage ständig. »Der Ballungsraum mit seinem Arbeitsplatzangebot zieht wie ein Magnet«, sagte Dietz. Nehme die Stadt Förderprogramme für sozialen Wohnungsbau in Anspruch, müsse sie einen eigenen finanziellen Beitrag leisten.

Ähnlich argumentierte Manfred Schneider (FDP). Auch er wandte sich gegen eine Quote. Investoren wollten Geld verdienen, gleichzeitig müsse bei der Planung eine Rolle spielen, dass ein »Großteil der Bevölkerung die Mieten nicht mehr schultern kann«.

In Bad Nauheim sei bislang viel Fläche zum Bau von wenig Wohnraum verbraucht worden, kritisierte Jürgen Burdak (3 B). »So kann es nicht weitergehen.« Die Stadt müsse neue konzeptionelle Wege und Finanzierungsmethoden finden.

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