Parlamentsbeschluss

Mehr obdachlose Frauen durch Corona? - Kreis soll handeln

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
    schließen

Obdachlose Männer können in Friedberg im Karl-Wagner-Haus unterkommen, doch was ist mit Frauen? Für weibliche Obdachlose muss laut FDP eine vergleichbare Einrichtung geschaffen werden.

Der Bad Nauheimer Magistrat soll sich beim Kreis dafür einsetzen, dass ein Wohnheim für obdachlose Frauen geschaffen wird, vergleichbar mit dem Karl-Wagner-Haus für Männer in Friedberg. Ein entsprechender Antrag der Liberalen wurde in der jüngsten Parlamentssitzung der Kurstadt gegen die Stimmen der Freien Wähler angenommen.

Petra Michel, parteiloses Mitglied der FDP-Fraktion, macht sich angesichts der kühlen Temperaturen Sorgen um obdachlose Frauen, deren Zahl deutlich ansteige. Ausschlaggebend dafür sei die Corona-Krise mit sinkenden Einkommen und einer Zunahme häuslicher Gewalt. "Betroffene haben mehrfach abends bei Bad Nauheimer Kirchengemeinden geklingelt, bitten um Hilfe, wollen im Gotteshaus übernachten", berichtet Sozialexpertin Michel. Auf dem Papier gebe es zwar Unterstützung für diese Frauen, die Realität sehe aber anders aus. Der Wetteraukreis müsse schnell handeln und in Bad Nauheim oder Friedberg eine Notunterkunft vergleichbar dem Karl-Wagner-Haus schaffen.

Gegen den Inhalt des Antrags hatten die meisten Fraktionen nichts einzuwenden, verantwortlich sei aber der Kreis. Manfred Jordis (CDU) empfahl der FDP, diese Initiative im Kreistag zu starten.

Unbürokratische Hilfe der Stadt

Nach den Worten von Reiner Zinsinger (FW/UWG) sind die Zuständigkeiten klar geregelt. Das Frauenhaus sei für solche Fälle nicht zuständig, vermittele die Betroffenen aber an die Hilfsorganisation "Oase" in Gießen. Seien Kinder involviert, werde das Kreisjugendamt tätig, bevor die Obdachlosigkeit eintrete. "Wird ein Mann gewalttätig, verweist ihn die Polizei aus der gemeinsamen Wohnung", sagte Zinsinger. Obdachlosen Bürgerinnen aus Bad Nauheim müsse die Stadt eine Notunterkunft bereitstellen. Der Stadtverordnete stellte den Änderungsantrag, die Stadt solle Notunterkünfte schaffen, wenn keine Möglichkeit existiere. Dafür gab es keine Mehrheit.

Das lag an den Ausführungen von Erstem Stadtrat Peter Krank. Wie er erklärte, gebe es in Bad Nauheim viel zu viele Obdachlose. Die Verwaltung helfe aber unbürokratisch. "Jeder wohnungslosen Person, die sich bei uns meldet, wird eine Notunterkunft zugewiesen", sagte der Sozialdezernent. Zusätzliche Unterkünfte müssten nicht geschaffen werden. Für Frauen eine feste Einrichtung wie das Karl-Wagner-Haus zu etablieren, sei Sache des Wetteraukreises.

Das sah auch SPD-Sprecher Sinan Sert so. Er erkennt keinen Handlungsbedarf aufseiten der Stadt: "In Bad Nauheim läuft es gut." Gleichwohl könne der Kreis aufgefordert werden, aktiv zu werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare