Gertrud Kirk (l.) und Mechthild Martin-Metz bereiten den nächsten Transport der Mahlzeiten vor.	FOTOS: CORINNA WEIGELT
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Gertrud Kirk (l.) und Mechthild Martin-Metz bereiten den nächsten Transport der Mahlzeiten vor. FOTOS: CORINNA WEIGELT

Mehr als eine warme Mahlzeit

  • vonCorinna Weigelt
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Bad Nauheim (cor). Seit mehr als 45 Jahren bietet der Bad Nauheimer Altenselbsthilfe-Verein für bedürftige Mitbürger den Service »Essen auf Rädern« an. Gerade jetzt in Pandemie-Zeiten ist der Bedarf an Unterstützung groß. Allein 364 warme Mahlzeiten hat der Verein in der vergangenen Woche ausgeliefert.

»Es ist wichtig, dass die Arbeit auch während der Pandemie weitergeht und die Leute versorgt werden«, sagt die Vorsitzende der Bad Nauheimer Altenselbsthilfe, Josefa Schnorr. Seit gut 20 Jahren leitet sie den Verein, mehr als 30 Jahre schon ist sie ehrenamtlich für die Altenselbsthilfe aktiv. Schnorr ist täglich in der Blücherstraße 23 anzutreffen. Mit ihr sind vier Damen aktiv, weitere stehen parat, falls Hilfe benötigt wird.

Bis zu 400 Essen pro Woche

Morgens um 8 Uhr wird aufgeschlossen. 55 bis 60 warme Mahlzeiten stehen täglich an, dazukommen kalte Gerichte, die später nach Bedarf erwärmt werden können, oder auch Nachspeisen. »Jeden Tag gibt es ein festes Tagesgericht mit Nachtisch«, wie Mechthild Martin-Metz erklärt. Kunden können ihre Menüs auch individuell wählen. Der Katalog umfasst rund 200 Essen. »Da ist für jeden Geschmack etwas dabei«, sagt Schnorr.

In den Räumen des Vereins werden die Pläne dafür ausgearbeitet und die Bestellung der Mahlzeiten sowie die Verteilung organisiert. Die bis zu 400 Essen pro Woche werden mit Unterstützung von Krankenfahrten Wolff ausgeliefert. »Eine tolle Zusammenarbeit«, wie Josefa Schnorr lobt. Ausgeliefert werde fünfmal die Woche - bis zur Haustür oder in Bedarfsfällen auch bis in die Wohnung. Manche Kunden seien bettlägerig, könnten die Tür nicht selbstständig öffnen. Alles laufe unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen. Während der Pandemie seien neue Kunden hinzugekommen. Manche möchten derzeit das Haus nicht verlassen, bestellen Essen, das sie später dann nur noch erwärmen müssen.

Auch mit 90 Jahren noch engagiert

»Für viele ist das auch der einzige direkte soziale Kontakt am Tag«, sagt Schnorr. »Manche rufen auch einfach mal an und möchten ein wenig reden.« Eine Rolle, die der Verein auch gerne übernehme. »Alte helfen Alten, der Grundgedanke, der bis heute zählt«, wie die Vorsitzende erklärt. Die Auslieferung des Essens habe zudem auch eine Kontrollfunktion, ob auch alles in Ordnung sei. »Wir haken auch nach, wenn etwas nicht stimmt.«

Dass alles seit Jahrzehnten ehrenamtlich funktioniert, ist besonders beeindruckend. »Wir möchten, dass die Essen bezahlbar bleiben und jeder sich eine warme Mahlzeit leisten kann.« Möglich sei es, für die Mahlzeiten Zuschüsse zu beantragen. Für die Ehrenamtlichen fallen unterschiedliche Aufgaben an. Während Josefa Schnorr unter anderem Pläne prüft und aktualisiert, bereiten Mechthild Martin-Metz und Gertrud Kirk Lieferungen vor. Dabei wird jede verschlossene Schale genauestens kontrolliert, damit nicht doch eine undichte Stelle übersehen wird. Eine Aufgabe, die Gertrud Kirk übernimmt, und das mit ihren 90 Jahren. Eine Aufgabe, die ihr persönlich auch große Freude bereitet, wie ihr Lächeln hinter der Maske verrät.

»Es dürfen gerne weitere Helfer dazukommen«, sagt Schnorr. Der Verein würde sich über Zuwachs freuen, neue Mitglieder, ob aktiv oder passiv, sind willkommen. Neben »Essen auf Rädern« wird einmal im Monat ein Kaffeenachmittag ausgerichtet, zudem kümmert sich der Verein um Geschenke, die Bewohner des Margarethenhofs zum Geburtstag oder zum Weihnachtsfest erhalten. Stets willkommen sind daher nicht nur neue Mitglieder, sondern auch Spenden.

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