Wie sich vor einem Jahr bei einer Veranstaltung der Bürgerinitiative gezeigt hat, gibt es in der Schwalheimer Bevölkerung etliche Gegner des Neubaugebiets im Osten. Nach Ansicht der Magistrats lehnt eine Mehrheit das Projekt kompromisslos ab. Deshalb wird das Planverfahren bereits im Ansatz gestoppt.	ARCHIVFOTO: NICi MERZ
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Wie sich vor einem Jahr bei einer Veranstaltung der Bürgerinitiative gezeigt hat, gibt es in der Schwalheimer Bevölkerung etliche Gegner des Neubaugebiets im Osten. Nach Ansicht der Magistrats lehnt eine Mehrheit das Projekt kompromisslos ab. Deshalb wird das Planverfahren bereits im Ansatz gestoppt.

Überraschung

Bad Nauheim: Magistrat kippt Pläne für umstrittenes Baugebiet in Schwalheim

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Noch vor der Kommunalwahl wollte die Bad Nauheimer Stadtverwaltung das umstrittene Neubaugebiet in Schwalheim auf den Weg bringen. Doch der Magistrat hat das Planverfahren abgewürgt.

Seit etlichen Jahren ist das Gebiet »Auf dem Forst« im Osten von Schwalheim im Flächennutzungsplan als mögliches Wohngebiet vorgesehen. Trotzdem hatte ein WZ-Artikel vom November 2019, der sich um ein konkretes Bebauungskonzept der Finger-Wohnbau GmbH drehte, für einige Aufregung gesorgt. Wenige Tage nach Veröffentlichung gründete sich eine Bürgerinitiative, die sich vehement gegen das Projekt zur Wehr setzt. Ein breiter Diskussionsprozess setzte ein: Die BI lud zu Veranstaltungen, sammelte Unterschriften und plakatierte, der Ortsbeirat debattierte, die Stadt lud zur Bürgerversammlung, Parteien äußerten sich in Pressemitteilungen. Nun hielt die Verwaltung den Zeitpunkt für gekommen, um den Planungsprozess in parlamentarische Bahnen zu lenken.

Noch am Dienstagvormittag hatte Bürgermeister Kaus Kreß im Gespräch mit der WZ die Vorteile aufgezählt, die mit einer Bebauung des Gebiets »Auf dem Forst« verbunden wären. »Wir haben die Geschwindigkeit der Stadtentwicklung betrachtet und den Zeitplan entsprechend gestaltet«, sagt Kreß. Der Baubeginn sollte erst 2024 erfolgen. Der Verwaltung wäre genügend Zeit geblieben, um die Auswirkungen der geplanten 76 neuen Einfamilienhäuser und Wohnungen auf die Infrastruktur Schwalheims zu prüfen und gegebenenfalls darauf zu reagieren.

Magistrat schließt sich »Mehrheit« an

Weiterer Vorteil des Konzepts aus Sicht des Rathauschefs: Die Firma Finger-Wohnbau, die das 4,8 Hektar große Gelände am Rande Schwalheims erworben hat, hätte der Stadt erschlossene 3000 Quadratmeter kostenlos überlassen. »Dort kann die städtische Wohnungsbaugesellschaft in zwei Mehrfamilienhäusern mit je sechs Einheiten bezahlbaren Mietwohnraum schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird auf eine Tiefgarage verzichtet«, erläuterte Kreß am Vormittag.

Doch in der Magistratssitzung kam alles anders. Zwar wurde laut Kreß in der längeren Diskussion auf die negative Bevölkerungsentwicklung Schwalheims hingewiesen. Schließlich ist die Einwohnerschaft des Stadtteil in den letzten 15 Jahren um rund 15 Prozent geschrumpft. »Angesichts dieses Trends sind wichtige Infrastruktur-Bestandteile wie Kita und Schule nicht gottgegeben«, betonte der Bürgermeister. Dieses Argument konnte allerdings nicht überzeugen. Es ging in der Sitzung auch nicht um Einzelheiten der Beschlussvorlage und mögliche Änderungen. Kreß. »Der Magistrat war letztlich der Ansicht, dass die Mehrheit der Schwalheimer Bevölkerung diese Bebauung nicht will - egal in welcher Form.«

Mit dem Beschluss des Magistrats ist das Verfahren zur Ausweisung eines Neubaugebiets im Osten Schwalheims beendet, bevor es richtig begonnen hat. Theoretisch könnte Bürgermeister Kreß von seinem Antragsrecht Gebrauch machen, um das Projekt doch noch umzusetzen, wird das aber nicht tun. Nach diesem Votum des Magistrats wird sich auch keine Fraktion finden, die pro Neubaugebiet initiativ wird.

Bürgerinitiative kann feiern

Während der Investor, die Fingerhaus-Wohnbau GmbH, das Nachsehen hat, seine Pläne beerdigen kann und den bereits geschlossenen Kaufvertrag für das Gelände rückabwickeln muss, kann die Bürgerinitiative »Die Wettertaler« ein Fass aufmachen. »Wir freuen uns total, dass die vorgesehene Aufstellung des Bebauungsplans abgelehnt wurde«, sagte BI-Sprecher Uwe Kreuter am Dienstagabend in einer ersten Stellungnahme. Die BI habe einen schwierigen Kampf gewonnen, gerade der Umgang mit der Politik sei nicht einfach gewesen. Kreuter: »Der Beschluss kommt für uns nicht völlig überraschend. Wir hatten mit einem Patt im Magistrat gerechnet.«

Die für den morgigen Donnerstagabend vorgesehene Ortsbeiratssitzung in Schwalheim hatte Ortsvorsteher Klaus Englert bereits am Dienstagvormittag abgesagt. Er hatte offensichtlich mit einem anderen Magistratsbeschluss gerechnet und mit einem Ansturm protestierender Bürger gerechnet. Unter Corona-Bedingungen und angesichts von Abstandsregeln sei das nicht zu verantworten. Der Tagesordnungspunkt Neubaugebiet entfällt jetzt, die Sitzung dürfte aber trotzdem gestrichen werden: Es gibt kein Thema mehr.

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