Kunst zum Anfassen, Künstler zum Ansprechen: Das erste Bad Nauheimer "Artgardening" gestalten (v. r.) Initiatorin Patrizia Zewe, Sylvia Kohlgrüber und Jürgen Wegener.	FOTO: HMS
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Kunst zum Anfassen, Künstler zum Ansprechen: Das erste Bad Nauheimer »Artgardening« gestalten (v. r.) Initiatorin Patrizia Zewe, Sylvia Kohlgrüber und Jürgen Wegener. FOTO: HMS

Lustwandeln in Kunst

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim (hms). Was haben der Englische Garten in München, die Isar bei Bad Tölz und der Garten des Hotel Grunewald in Bad Nauheim gemeinsam? An allen drei Orten fand Patrizia Zewes »Artgardening« statt. In der Kurstadt am vergangenen Sonntag zum ersten Mal, und das mit Erfolg. Den drei Ausstellenden, neben der Initiatorin auch Jürgen Wegener und Sylvia Kohlgrüber, hat es Spaß gemacht.

Kaum ist sie nach Jahrzehnten in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, mischt Zewe hier das Kunstgeschehen auf: ungezwungen, natur- und menschenverbunden im Garten. Ihre großformatigen Bilder lehnen an der Hecke, gegenüber Kohlgrübers Collagen,

Wegeners quadratische bunte Bildgeschichten sitzen auf Stühlen. Auf dem Tisch am Eingang liegen Bildinformationen der drei und Drucke, die von Zewes reichhaltigem Schaffen einen kleinen Eindruck vermitteln. Mal fegt der Wind über den Tisch, und die Straße ist mit Kunst übersät. Passanten sammeln sie auf und werden auf diese Weise angelockt.

Der Standort ist ideal und für Hotel wie Kunstschaffende eine Win-win-Situation. »Ich will bewusst Kunst im Freien zeigen. Hier besteht keine Schwellenangst wie oft in Galerien. Wenn man zum Kaffeetrinken geht, dabei an Bildern vorbeikommt und Künstler trifft, mit denen man plaudern kann, das ist doch schön«, erklärt Zewe ihre Intension.

Viele Freunde sind gekommen und Neugierige. Da ergibt sich so manches überraschende Gespräch über Kindheit und Jugend in Bad Nauheim, über die kulturelle Entwicklung und die Weltpolitik. Der inzwischen 84-jährige Wegener reagiert spontan und ironisch in seinen Bildern auf alles, was politisch und gesellschaftspolitisch aktuell ist. Vor einer Fotocollage mit winzigen Bildern großer Begegnungen knien sich die Leute hin, suchen, ob sie jemanden erkennen. Der Austausch ist auch für ihn spannend. Als Einheimischer kennt er fast jeden.

Anders ist es bei Patrizia Zewe. Sie ist zwar 1951 in Bad Nauheim geboren, ging dann aber an die Kunstakademie Düsseldorf und arbeitete in Hamburg und München. In Bad Tölz eröffnete sie den Kunstsalon und kam schließlich vor einem Jahr zurück. Jeden Tag entdecke sie ihre Heimatstadt neu und sei begeistert. Kunst kenne sie von klein auf, sagt sie. »Ich habe mir schon immer mein Leben schön gemalt«, bekennt sie. So entstanden unter anderem farbenfrohe Sehnsuchtsbilder aus Südfrankreich, mit persönlichen Gedanken gespickt, freche Modemalereien und die Wasserbilder an der Hecke. Je nachdem, wie das Licht drauf fällt, brechen sich die Wellen, fließen oder wechseln die Farbe.

Wie in einer Villa im Süden

Sylvia Kohlgrüber hat die Kunst nie losgelassen, obwohl sie zunächst zwei andere Berufe erlernte. Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich wieder damit und betreibt die Internetgalerie F. Sie hat gestanzte Metallfiguren auf dunklen Holztafeln und kleine Stoffcollagen mitgebracht. Lustwandeln inmitten von Kunst an einem sonnigen Sonntag, das macht den Leuten Freude. »Man fühlt sich wie im Süden, in einer schönen Villa mit leuchtenden Bildern«, verrät eine Besucherin.

Und Zewe plant schon weiter: Das nächste Artgardening soll Ende Juli im Innenhof des Café Crème de la Crème in der Stresemannstraße in gleicher Besetzung stattfinden. Dann folgt ihre eigene Ausstellung in München. Von dort holt sie fürs nächste »Artgardening« etablierte Münchner Künstler nach Bad Nauheim. Außerdem denkt sie an weitere Aktionsformate wie Kunsttauschtage oder eine Art-Charity. Was in der Großstadt gehe, gehe genauso hier, ist sie überzeugt.

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