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Bald Geschichte: Der Lidl-Markt zieht auf Stollgelände, dafür werden in der Frankfurter Straße am alten Standort vier Wohngebäude errichtet. Einige der Wohnungen werden zehn Jahre lang günstiger als die anderen vermietet.

Wohnungsmarkt

Neue Mietwohnungen in der Wetterau: 15 Jahre Mietpreisbindung gefordert

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Wenn ein Lidl-Markt in der Wetterau umzieht, sollen an dem alten Standort Mietwohnungen entstehen. Der städtischen Wohnbau ist das Projekt zu teuer.

Bad Nauheim – Wohnungen statt »Lidl« in der Frankfurter Straße 9, »Lidl« statt eines Küchenfachmarktes auf dem Stollgelände: So sind die Pläne, für die der städtische Bauausschuss jüngst grünes Licht gab. Das Gremium beschloss einen städtebaulichen Vertrag zur Wohnbebauung. Mit dem privaten Investor muss es noch zur Einigung über die Laufzeit der bezahlbaren Mietpreise kommen. In einem weiteren Schritt votierte der Ausschuss einstimmig dafür, den Bebauungsplan »Schwalheimer Straße« (Stollgelände) für den Lidl-Zuzug zu ändern.

Mietwohnungen in der Wetterau: Deckelung der Miethöhe

Vier Wohnhäuser geplant

Auf dem Lidl-Areal in der Frankfurter Straße 9 plant ein privater Investor vier Wohngebäude. Drei viergeschossige Bauten zuzüglich eines Staffelgeschosses sollen an der Frankfurter Straße liegen. Ein sechsstöckiger Gebäuderiegel soll im Hintergrund nah der Bahngleise Platz finden. Die geplante Wohnfläche liegt bei 4300 Quadratmetern, zu der rund 380 Quadratmeter für Gewerbeflächen hinzukommen. Rund zehn Wohnungen dürften demnach »bezahlbar« sein. Um Parkplätze sicherzustellen, ist eine Tiefgarage vorgesehen.

»Der Umzug von Lidl ist für die Frankfurter Straße eine Aufwertung und Verbesserung hinsichtlich der verkehrlichen Situation«, erklärte Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) bei der Sitzung in der Trinkkuranlage. Er habe sich gewünscht, die Wohnbebauung als städtisches Projekt umzusetzen. »Aber zu den drei Millionen Euro Kaufpreis für das Grundstück kämen Abbruchkosten. Das Vorhaben, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wäre für die städtische Wohnungsbaugesellschaft eine Überforderung«, sagte Kreß. Ziel sei, 100 Prozent Mietwohnungen anzubieten, was der Investor vorhabe. 15 Prozent der Wohnungen will er laut Kreß über zehn Jahre auf 8,50 Euro Mietpreis pro Quadratmeter deckeln. Der Rest soll zwölf Euro kosten.

Die Diskussion im Ausschuss drehte sich vor allem um die sogenannte Bezahlbarkeit. »Warum sind es keine 15 Jahre geworden? Mehr wäre wünschenswert, so wie bei der Investorenabgabe«, erklärte Natalie Peterek (SPD). Bei besagter Abgabe sollen Bauträger für 15 Prozent der Wohnfläche 700 Euro pro Quadratmeter an die Stadt zahlen. Dieses Geld fließt an die Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau), um »bezahlbaren« Wohnraum zu schaffen.

Wetterau: Mietpreisbindung für 15 statt 10 Jahre

Laut Kreß ist das Lidl-Modell mit dem Modell der Investorenabgabe nicht vergleichbar: Zum einen, da es um Miet- und nicht um Eigentumswohnungen gehe, zum anderen, da die Vorhabenträger die Investorenabgabe an die Stadt zahlten. »Mehr ist immer wünschenswert, doch es ist ein Verhandlungsergebnis«, stellte Kreß fest. Steffen Mörler (CDU) meinte allerdings, dass die Stadt das Gleichbehandlungsgebot gegenüber anderen Investoren verletze, da jene unter dem Strich mehr bezuschussen müssten. Er überlegte auch, ob der Vermieter letztlich nicht doch solventen Mietern den Zuschlag für die günstigeren Wohnungen gibt, wie Ärzten und Juristen. Mörtler bemängelte daher, dass die Belegung der Wohnungen nicht geregelt sei.

Christdemokrat Albert Möbs machte einen Änderungsvorschlag. Zum einen soll die Stadt eine Bindung für 15 Jahre vorgeben, zum anderen die Mieter auswählen. »Damit verhindern wir, dass günstiger Wohnraum an Rechtsanwälte und Ärzte vergeben wird«, sagte er. Markus Theis (FW/UWG) schlug vor, die Auswahl der Vermieter der Wobau zu übertragen. Sein Kollege Michael Schmale warnte davor, dem Bauträger immer mehr aufzuerlegen: »Dann macht er vielleicht nicht mehr mit.«

Wetterau: Stadt will Investor Mieter vorschlagen

Kreß erklärte, es nicht für lebensnah zu halten, dass Ärzte und Juristen die günstigeren Wohnungen anmieten, die nach Ansicht von CDU-Mann Mörler vielleicht im Erdgeschoss an den Bahngleisen liegen. Laut Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, ist sowieso vereinbart, dass die Stadt dem Investor Mieter vorschlagen kann. Patscha warb für das Vorhaben: »Die Stadt muss nichts für den bezahlbaren Wohnraum tun: Wir müssen kein Grundstück verschenken, keinen B-Plan machen - nichts.«

Nach Ansicht von Mörler sollte die Stadt bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen, wenn sie etwa Erzieherinnen und Pflegepersonal Wohnungen anbieten will. »Das geht aber nur mit einer gewissen Restriktion.« Er bekräftigte die Forderung, die Mietpreise über 15 Jahre zu deckeln. Natalie Peterek sah dies ähnlich: »Ich will das mit den 15 Jahren noch mal unterstreichen, denn bisher ist noch kein Investor abgesprungen.« Patscha sagte zu, mit der Vorhabenträgerin zu sprechen: der WH Projektgesellschaft Bad Nauheim GmbH & Co. KG aus Fulda. Über das Ergebnis soll er auf Antrag von Peterek dem Stadtparlament berichten, das am Donnerstag, 15. Juli (19 Uhr) in der Frauenwaldhalle in Nieder-Mörlen tagt.

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