Susanne und Karlheinz Jost haben den Unterrichtsraum in ihrer Nieder-Mörler Filiale nach den geltenden Corona-Regeln umgestaltet, sodass Präsenzunterricht stattfinden kann. Oben beobachtet Frank Dreyer (l.) den Online-Unterricht seines Fahrlehrers Daniel Kanschat.
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Susanne und Karlheinz Jost haben den Unterrichtsraum in ihrer Nieder-Mörler Filiale nach den geltenden Corona-Regeln umgestaltet, sodass Präsenzunterricht stattfinden kann. Oben beobachtet Frank Dreyer (l.) den Online-Unterricht seines Fahrlehrers Daniel Kanschat.

Mehr Anmeldungen

Fahrschulen in der Pandemie: Lernen, fahren, desinfizieren

  • vonHarald Schuchardt
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Auch die Fahrschulen sind von den Auswirkungen der Pandemie betroffen, schließlich müssen auch sie die Schutzregeln beachten. Die Zahl der Anmeldungen für den Führerschein nehmen unterdessen zu.

Seit 1988 führen Susanne und Karlheinz Jost gemeinsam ihre Fahrschule, die als eine von wenigen Anbietern in der Region auch Berufskraftfahrer ausbildet. Die Pandemie stellte das Ehepaar vor neue Herausforderungen. Beim ersten Lockdown im Frühjahr waren auch alle Fahrschulen geschlossen. Die zehn Angestellten der Josts gingen in Kurzarbeit. "Wir haben uns gleich Gedanken gemacht, wie es danach weitergehen kann", sagt Susanne Jost. Nach jeder Unterrichtseinheit müssen jetzt die Fahrzeuge desinfiziert werden. Lehrer und Schüler tragen Schutzmasken.

Auch der theoretische Unterricht musste neu strukturiert werden. Er findet seit Mai nur in der Fahrschulfiliale in der Nieder-Mörler Pestalozzistraße 16 statt. Die Standorte in der Frankfurter Straße in Bad Nauheim und in der Dorheimer Wetteraustraße bleiben geschlossen. Der große Raum in Nieder-Mörlen, der eigentlich für die Ausbildung der Berufskraftfahrer gedacht ist, wurde gemäß den Vorschriften des Robert Koch-Instituts umgestaltet. Trennscheiben, Desinfizierung und Maskenpflicht während des Unterrichts gehören dazu. Im Schnitt werden nur 15 der 24 Plätze besetzt. "Die jüngeren Schüler gehen mit den Regeln ganz selbstverständlich um, manch Ältere mussten schon mal belehrt werden", sagt Susanne Jost.

Warum die Fahrschule auf Präsenzunterricht setzt, begründet Karlheinz Jost so: "Viele Schüler haben nur ein Smartphone, das ist schon problematisch." Über mangelndes Interesse können sich die Josts nicht beklagen. Gestiegen ist die Zahl der Anmeldungen in allen Führerscheinklassen, vor allem bei den Motorradführerscheinen. "Die Menschen haben Zeit, fahren nicht in Urlaub und machen jetzt den Führerschein."

Über einen Mangel an Anmeldungen kann sich auch Alexander Kipp nicht beklagen. "Wir sind gut gefüllt und arbeiten die Liste nach und nach ab. Die Leute wissen, dass sie nach der Anmeldung Geduld haben müssen", sagt der Fahrlehrer, der sich vor knapp 20 Jahren selbstständig gemacht hat. "Wir Fahrschulen haben den Vorteil, dass wir relativ schnell wieder hochfahren können, doch die laufenden Kosten bleiben natürlich, das ist nicht so einfach", sagt der Friedberger, der bei der Theorie noch auf Präsenzunterricht in seinen Räumen in der Bismarckstraße setzt. "Das ist alles coronagerecht, und ich lasse maximal nur zwölf Schüler zu", erläutert Kipp, der aber - ebenso wie das Ehepaar Jost - auch auf Online-Unterricht umstellen könnte, wenn dies verlangt wird.

Alle Fahrstunden beginnen nur noch an seiner Fahrschule, und es befindet sich nur noch ein Schüler im Wagen. "Einen Wechsel vor der Haustür vornehmen, ist nicht mehr möglich", sagt Kipp, der mehr Zeit für die Fahrstunden einplant, denn "das Desinfizieren der Wagen ist wichtig und dauert halt".

Fahrschulen dürfen geöffnet bleiben

Das ist bei der Bad Nauheimer Fahrschule Dreyer nicht anders. "Wir haben uns alle auf die momentane Situation sehr gut eingestellt", sagt Inhaber Frank Dreyer, der zugleich Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Hessen ist.

Doch eines ist bei Dreyer anders: Seit Jahresbeginn bietet er ausschließlich Online-Unterricht an. Dazu hat er in seiner Filiale in der Ober-Mörler Dieselstraße den Schulungsraum für Lkw- und Motorradführerschein in ein "Fernsehstudio" umgewandelt. Zwei Scheinwerfer, eine Kamera und ein großer Bildschirm wurden installiert. Dreyer und seine fünf Fahrlehrer wechseln sich vor der Kamera ab. "Das haben wir im Team entschieden. Es läuft prima, wir hatten noch kein technisches Problem", freut sich Dreyer, der seinen Wechsel zum Online-Angebot so begründet: "Ich bin ein großer Fan von Präsenzunterricht, aber die Inzidenzzahlen sprechen dagegen. Alle Schulen sind dicht, und bei uns kommen bis zu 15 Personen zusammen. Das geht meiner Meinung nach nicht", sagt Dreyer, der sich über Anmeldungen nicht beklagen kann: "Wir sind gut gefüllt."

Worüber sich Dreyer und seine Kollegen besonders freuen: Die Landesregierung hat am Freitagnachmittag mitgeteilt, dass die Fahrschulen auch während des nun strengeren Lockdowns weiterarbeiten dürfen.

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