Merja Herzog-Hellstén zusammen mit Volker Steinbacher vor einem seiner abstandsgerechten Werke in den Räumen des Kunstvereins in der Trinkkuranlage. 	FOTO: LONI SCHUCHARDT
+
Merja Herzog-Hellstén zusammen mit Volker Steinbacher vor einem seiner abstandsgerechten Werke in den Räumen des Kunstvereins in der Trinkkuranlage. FOTO: LONI SCHUCHARDT

Das Leben ahmt die Kunst nach

  • vonHarald Schuchardt
    schließen

Bad Nauheim (har). Eigentlich sollte die aktuelle Ausstellung »Annäherungsweise« des Kunstvereins in dessen Räumen in der Trinkkuranlage schon am 3. Mai enden. Stattdessen wurde sie wegen der Corona-Pandemie erst am 5. Mai eröffnet. Die Schau mit Werken von Merja Herzog-Hellstén und Volker Steinbacher war bereits in der zweiten März-Woche von den Künstlern aufgebaut worden. Doch schon die Vernissage am 13. März hatte kurzfristig abgesagt werden müssen.

Daher konnten bisher nur Spaziergänger einen Blick von außen auf die große Installation Herzog-Hellsténs werfen. »Wir waren die Ersten, die am Tag der Lockerung geöffnet haben, und es kamen gleich 16 Interessenten«, freute sich Vorstandsmitglied Karin Merchel beim Pressegespräch vor den beiden Ausstellungsräumen, zu dem auch Vorstandsmitglied Johannes Lenz und die beiden Künstler gekommen waren.

»Wir waren uns im Vorstand und mit den Künstlern sehr schnell einig, dass wir die Ausstellung stehen lassen, bis sie eine längere Zeit für die Öffentlichkeit zugänglich gewesen sein wird«, sagte Lenz und wies darauf hin, dass Ausstellungen lange Vorbereitungszeiten hätten. Dies gelte insbesondere für die eigens für diese Präsentation geschaffene Installation von Merja Herzog-Hellstén. »Es ist schon eine ungewöhnliche Situation. Wir Künstler machen die Kunst, doch erst durch die Besucher wird sie vollendet«, meinte die gebürtige Finnin, die ebenso wie Steinbacher an der Hochschule für Gestaltung Offenbach lehrt. Sie zitierte Oscar Wilde: »Das Leben ahmt die Kunst weit mehr nach als die Kunst das Leben.« Das passe genau in diese Zeit.

»Da bereitet man sich lange vor und dann fällt der Punkt aus, an dem man das Ganze feiern möchte. Das ist schon sehr schade«, bedauerte Steinbacher. Er sei dem Kunstverein für die »hervorragende Kooperation« sehr dankbar. Steinbacher: »Wir machen die Kunst, um zu teilen. Wir brauchen den Dialog mit den Besuchern.« Er habe die vergangenen Wochen dazu genutzt, »innere Einkehr zu halten, so wie wir wohl alle«. Seine Erkenntnis aus dem Lockdown: »Ich habe festgestellt, dass manche Dinge, die man für wichtig gehalten hat, gar nicht so wichtig sind.«

Trotz vieler digitale Angebote im Netz sind für die beiden Hochschuldozenten persönliche Kontakte und Gespräche unverzichtbar, sagen sie. Herzog-Hellstén bedauert daher, dass ein Besuch der Ausstellung mit ihren Studenten derzeit nicht möglich ist. Steinbacher dazu: »Die Bedeutung des Analogen ist durch nichts Digitales ersetzbar. Durch den Lockdown ist vielen der Wert des Originals erst schmerzhaft bewusst geworden.« Herzog-Hellstén ergänzt: »Das sind die Spielregeln der Kunst: Sie geht von innen nach außen und kommt wieder zurück. Alles bezieht sich auf den Menschen selbst.«

Nicht nur die beiden Künstler freuen sich, dass die Ausstellung nun für alle geöffnet ist. »Wir hoffen, dass viele kommen und sich mit den Werken der beiden Künstler auseinandersetzen werden«, sagte Merchel. Möglicherweise wird es zum Abschluss der Ausstellung auch noch eine Möglichkeit geben, mit Dorothee Baer-Bogenschütz zu sprechen. Die Kunsthistorikerin hätte zur Vernissage in die Ausstellung einführen sollen. Eine Kurzfassung der Laudatio mit dem Titel »Oortsche Wolke und Schwebekörper-Malerei - Eine Annäherung an Merja Herzog-Hellstén und Volker Steinbacher« liegt im Eingangsbereich aus und kann von den Besuchern ebenso mit nach Hause genommen werden wie das geänderte Programm des Kunstvereins.

»Dank des großen Verständnisses der beteiligten Galerien und Künstler konnten wir Ausstellungen verschieben und schon wieder neu terminieren«, berichtete Lenz. Die Ausstellung »Sichtweisen«, die an diesem Freitag eröffnet werden sollte, wurde auf den Zeitraum 25. September bis 8. November verschoben.

Die in dieser Zeit ursprünglich vorgesehene Europäische Kunstbegegnung mit Künstlern aus Bad Nauheims Partnerstädten wird vom 14. Mai bis 27. Juni 2021 stattfinden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare