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Die beiden ersten Schnellladestationen der Stadtwerke stehen auf dem Parkplatz des neuen Fachmarktgebäudes.

Debatte im Bauausschuss

E-Ladeinfrastruktur als große Herausforderung

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Wie viele Ladesäulen für E-Autos soll es künftig in Bad Nauheim geben? Welche Rolle spielen die Stadtwerke dabei? Im Bauausschuss wurde über diese Fragen diskutiert.

Kürzlich hat die Präsidentin des deutschen Verbandes der Automobilindustrie gewarnt: Es nützt nichts, immer mehr E-Autos zu bauen, wenn die Ladeinfrastruktur nicht deutlich schneller wächst. Doch wer ist zuständig und wie soll das passieren? Welche Rolle spielen Kommunen? Um diese Fragen ging es am Donnerstag im Bad Nauheimer Bauausschuss.

Bislang betreiben die Stadtwerke 16 Ladepunkte, jetzt wurden die ersten zwei Schnellladestationen auf dem Stoll-Gelände eingeweiht. In den Stadtteilen gibt es bislang keine öffentlichen E-Ladesäulen. Deshalb wurden im Bauausschuss drei Anträge vorgelegt, in denen es um die Versorgung von Nieder-Mörlen und der Wettertal-Orte ging. Auf Wunsch von Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Thorsten Reichel wurde die Abstimmung zurückgestellt. »Wir lassen zurzeit ein Konzept in Sachen E-Ladeinfrastruktur für die ganze Stadt erarbeiten. Im ersten Quartal 2022 soll es vorliegen. Dann kann diskutiert werden«, sagte er.

Thema mit vielen Unbekannten

Laut Reichelt handelt es sich um ein »sehr komplexes Thema« mit vielen Unbekannten. Niemand wisse, ob das Ziel der Bundesregierung - bis 2030 soll jedes dritte Auto einen E-Antrieb haben - erreicht werde. Wie sich Technik, Angebot an regenerativen Energien und Preise entwickelten, sei ebenfalls offen. »Das alles ist wie der Blick in die Glaskugel.« Der Stadtwerke-Chef sprach von einer interessanten Herausforderung, rechnet damit, dass große Unternehmen ins Geschäft mit Ladesäulen einsteigen werden. »Für kleine Versorger wie uns wird es schwierig, ich sehe es aber als Chance«, sagte Reichelt.

Zu den 16 öffentlichen Ladesäulen sollen 2021/22 weitere 20 hinzukommen. Die Wirtschaftlichkeit dürfe aber nicht aus dem Blick geraten. Laut Reichelt arbeiteten die gut besuchten Stationen in der Parkstraße kostendeckend, an weniger frequentierten Stellen sei das nicht der Fall.

Beim notwendigen rasanten Ausbau der Infrastruktur werde der öffentliche Raum nicht die entscheidende Rolle spielen. »Ganz wichtig sind halböffentliche Räume wie Parkhäuser oder Supermarkt-Parkplätze«, sagte der Geschäftsführer. Große Nachfrage herrsche bei Firmen. Dort errichten die Stadtwerke Ladesäulen, die mit Solaranlagen kombiniert werden. Mehrfamilienhäuser mit Tiefgaragen werden ebenfalls versorgt. Reichelt zufolge muss vor allem an Bewohner der Innenstadt gedacht werden, die sich keinen eigenen Ladepunkt schaffen können. Für sie müssten öffentliche Stationen installiert werden.

Schnellladestationen notwendig?

Aus Sicht der Politik ist die Wirtschaftlichkeit nicht das wichtigste Kriterium. »Rechtlich sind wir nicht verpflichtet, aber wir haben einen Versorgungsauftag in den Stadtteilen«, sagte Markus Philippi (FW). CDU-Sprecher Steffen Mörler wies allerdings darauf hin, dass es auch nicht in jedem Ortsteil Tankstellen gebe.

Laut Benjamin Pizarro (FDP) sind Ladesäulen Marketing für die E-Mobilität. Biete die Stadt eine gute Infrastruktur, könne Bürgern die Angst vor dem Umstieg genommen werden, merkte Michael Schmale von den Freien Wählern an. Diskutiert wurde zudem die Frage, welche Ladesäulen aufgestellt werden sollen. Reichelt favorisiert die teureren Schnellladesäulen. »Viele Kunden wollen sich fürs Laden nicht mehr als 20 Minuten Zeit nehmen.«

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