Irith Gabriely ist eine Könnerin auf der Klarinette, eine Zauberin auf dem Saxofon. Zusammen mit Kantor Frank Scheffler hat sie dem treuen Publikum eine fröhliche Konzertstunde in der Dankeskirche beschert. FOTO: HMS
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Irith Gabriely ist eine Könnerin auf der Klarinette, eine Zauberin auf dem Saxofon. Zusammen mit Kantor Frank Scheffler hat sie dem treuen Publikum eine fröhliche Konzertstunde in der Dankeskirche beschert. FOTO: HMS

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Ein Lachen durch Tränen

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim(hms). Irith Gabriely war tief berührt, dass so viele zum Mittwochkonzert in die Dankeskirche gekommen waren, trotz Masken und Regeln. Als "Queen des Klezmer" bekannt, zeigte sich die Saxofonistin und Klarinettistin diesmal auch eindrucksvoll von ihrer klassischen Seite. Zusammen mit Frank Scheffler an der Orgel wurde es ein durch und durch aufbauendes Konzert in unsicherer Zeit.

Sie wurde in Haifa geboren, studierte in Tel Aviv unter anderem Klavier und Klarinette, wurde am Staatstheater Darmstadt erste Klarinettistin und gründete bereits 1986 ihre Band Colalaida, mit der sie inzwischen als freie Musikerin ganz Europa bereist. Klezmer ist für Gabriely Lebensinhalt und immer eine Brücke zum Publikum. Aber ihre Liebe gehört der klassischen Musik, insbesondere Mahler und Schostakowitsch.

Andacht, die Mut macht

Dieser, erzählte Pfarrerin Meike Naumann in ihrer Mut machenden Andacht, habe die jüdische Volksmusik so charakterisiert: "Sie ist so facettenreich, kann fröhlich erscheinen und in Wirklichkeit tief tragisch sein. Fast immer ist es ein Lachen durch Tränen."

Das traf auf die gesamte Programmauswahl zu. Von Boccherinis bekanntem Menuett über moderne Klassik für Saxofon oder Klarinette mit Orgel und drei bekannten Klezmerweisen bis zur jazzigen Pink-Panther-Zugabe fühlte man sich körperlich und musikalisch bewegt. Sie spiele am liebsten mit Orgel und das schon seit 25 Jahren, verriet Gabriely im Gespräch. Das Instrument passe zu ihrem Temperament. Da könne man richtig "Dampf" machen.

Und das tat sie auch in den Werken der Zeitgenossen, zunächst mit dem Saxofon. In einer Canzonetta von dem amerikanischen Komponisten und Musikprofessor Leroy Ostransky wechselt der feurige Anfang bald in Melancholie, um in der Giga wieder Freudensprünge zu vollführen. Der französische Organist André Chaillieux schrieb 1958 ein Andante und Allegro für Altsaxofon und Klavier, wobei die Orgel als Begleitung wesentlich ausdrucksstärker agieren konnte. Verleitete das Andante dazu, sich in den Abend zu träumen, ließen manche ungewohnte Harmonien im Allegro aufhorchen.

Eine Herausforderung für das Zusammenspiel von Klarinette und der stark eingeschränkten Orgel war Triptyque, ein großartiges romantisches Stück des noch lebenden englischen Komponisten Robert Jones. Die stetigen Tonwiederholungen und der starke Rhythmus im dritten Satz verlangten von Frank Scheffler höchst Anstrengung. Die Trägheit der Tasten erlaubt kaum noch exakte gemeinsame Einsätze, zumal nach Pausen. Er wechselte häufig die Manuale und seine Mitspielerin verstand es sehr gut, sich auf die Situation einzustellen. Für sie war eher beim Instrumentenwechsel der relativ kalte Kirchenraum durch die Frischluftsituation hinderlich. Es war beeindruckend, wie virtuos in rasanten Bewegungen, wie andächtig und plötzlich übermütig verspielt, wie voluminös und dann wieder im dunklen Pianissimo - auch auf der Klarinette - die beiden Interpreten aufeinander eingingen.

"Klatschen, mit den Fingern schnippen und jiddisch schunkeln, nach vorne und hinten, das ist erlaubt", forderte sie schließlich die Zuhörerinnen und Zuhörer auf, beim Klezmer mitzumachen. Diese ließen sich anstecken von der Lebensfreude, sodass auch die Orgel aufblühte und sich in das wirbelnde Melodienkarussell einreihte. Der Applaus klang voll und kräftig in der den Umständen nach voll besetzten Kirche. Mit einem letzten "Miau" nach der Zugabe setzte Gabriely einen charmant-witzigen Schlusspunkt, schon vermutend, dass dieses Konzert vorläufig wieder einmal das letzte sein würde.

Im November müssen wegen der Corona-Beschränkungen die Mittwochkonzerte ausfallen. Wie es weitergeht, soll in der Tageszeitung veröffentlicht werden und wird auf der Homepage stehen: www.orgel-dankeskirche.de oder www.evangelisch-in-bad-nauheim.de. hms

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