Der Kurpark naturnah: So soll es an ausgesuchten Stellen künftig öfter aussehen.
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Der Kurpark naturnah: So soll es an ausgesuchten Stellen künftig öfter aussehen.

Neues Parkpflegewerk

Kurpark Bad Nauheim: Rasen soll zu mehr Wiese werden

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Die Stadt investiert viel, um die beliebte und denkmalgeschützte Anlage zu hegen. An ausgesuchten Punkten sollen die Gärtner nun weniger mähen. Dafür sorgte die Grünen-Fraktion.

Nicht mehr so viel mähen: Jüngst verabschiedete der Bad Nauheimer Bauausschuss das neue Parkpflegewerk, das vorsieht, mehr Flächen »extensiv zu bewirtschaften«, sprich, dort das Gras höher wachsen zu lassen. Ein Vorstoß der Grünen führte in dem Gremium dazu, den Anteil dieser Areale noch deutlich zu erhöhen.

Wie Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) eingangs sagte, sei das Parkpflegewerk 28 Jahre alt gewesen, weshalb eine Aktualisierung dieses Handlungsleitfadens nötig geworden sei. »Wir müssen im Kurpark Ökonomie, Ökologie, Tradition und Denkmalpflege vereinen«, erklärte er. Das umfangreiche Werk trage allen Aspekten Rechnung.

Kurpark Bad Nauheim: Früher wurde dort Heu gemacht

Anderer Ansicht ist Dr. Stefan Nawrath (Friedberg), der die Grünen-Fraktion im Vorfeld beraten hatte. »Der Kurparkschöpfer Heinrich Siesmeyer und Großherzog Ernst Ludwig würden sich im Grabe umdrehen, könnten sie sehen, wie oft dort gemäht wird«, sagt das Vorstandsmitglied des BUND zu dieser Zeitung. »Ich kenne den Kurpark fast 30 Jahre, da ich früher botanische Parkführungen gemacht habe. Es liegt mir am Herzen«, betont Nawrath. Intensiv habe er sich als Biologe mit dem Thema Grünland befasst. »Es sind ja nicht nur die Bäume wichtig, sondern auch die ›Krautschicht‹, die Wiesen und Weiden.« Grünlandflächen seien »Hotspots« der Artenvielfalt, ein Kurpark könne ein Naturparadies sein. So hätten es auch die Altvorderen gesehen, die eine harmonische Naturlandschaft im Geist des Landschaftsparks nachbilden wollten. Früher sei im Kurpark sogar Heu gemacht worden, wie alte Bilder zeigten. »Der Mähwahn, die industrielle Pflege ist ganz böse. Das Wechselspiel von Wiesen und Rasen muss im Gleichgewicht sein«, betont Nawrath. Das Parkpflegewerk aus den 90er Jahren sei sehr gut und ökologisch gewesen, allerdings habe die Stadt sich nicht an den Inhalt gehalten, sagt Nawrath. Das neue Papier sieht er als Verbesserung, »die Grünen haben es durch ihren Änderungsantrag etwas optimiert«.

Kurpark Bad Nauheim: Geld wird mit den Wiesen  nicht gespart

Den Wunsch, mehr Parkrasen durch extensive Pflege in artenreiche Wiese zu verwandeln, trug Grünen-Fraktionsmitglied Dr. Mathias Müller vor. Rathauschef Kreß fand dies erstaunlich. »Wer weniger mäht, spart nicht zwangsläufig Geld«, sagte er. Damit spielte er darauf an, dass hochgewachsene Gräser nach dem Mähen weggebracht werden müssen, was bei kurzem Rasen nicht nötig ist. Kreß: »Ich wundere mich, dass die Grünen nicht schon längst umgesetzt haben, was Sie nun verlangen. Wir hatten ja mal eine Legislaturperiode, in der die Grünen für diesen Bereich zuständig waren.« Kaum lege die Stadt das Konzept nun vor, wolle die Fraktion schon mehr.

Steffen Schneider (Leiter des Fachbereichs Kur und Service) rechnete die Kostenseite vor. »Wir haben in Bad Nauheim mehr als zehn unterschiedliche Mähintervalle, je nach Bedarf für die einzelnen Flächen.« Den ganzen Park extensiv zu bewirtschaften, führe zu Mehrkosten von 20 000 bis 30 000 Euro. Wie Schneider zu bedenken gab, könne die Bevölkerung Flächen mit hohem Bewuchs nicht mehr betreten, »das muss man alles abwägen.« Doch Müller winkte ab: Es gehe nicht darum, den kompletten Park als Wiese zu bewirtschaften. »Sondern darum, einen größeren Teil als bisher geplant extensiv zu bewirtschaften.« Konkret war die Rede vom Ahorndreieck, der Fläche südwestlich vom Teich-schlösschen und das Areal vor der Bücherei. Sein Fraktionskollege Dr. Martin Düvel unterstützte Müller: »Wir reden vom Insekten- und Artensterben. Es wäre gut, wenn wir in so einem prominenten Park zeigen, dass wir uns darum kümmern.« Dies sei auch im Sinne der Denkmalpflege, die ebenfalls die Biodiversität im Sinne habe. Den genannten Betrag von 30 000 Euro zweifelte Düvel an. Wie Kreß kons-tatierte, unterstütze das Rathaus das Vorhaben. »Wir müssen es in die Haushaltsberatungen einbringen, denn die Pflegekosten steigen dadurch.«

Einstimmig votierte der Ausschuss für den Grünen-Vorschlag.

Kurpark Bad Nauheim: Kastanienrondell und Brunnen nicht an historischem Platz 

Geht man nach dem Parkpflegewerk liegen das Kastanienrondell und der Brunnen der Erkenntnis an der falschen Stelle. Der historische Platz sei acht Meter vom momentanen Standort in Richtung Sprudelhof, heißt es in dem Papier. Auch drei Kunst-Skulpturen und der »Uranus« als Teil des Planetenwanderwegs gehören laut Parkpflegewerk nicht in den Kurpark. Die Idee, diesbezüglich den historischen Zustand wiederherzustellen, gefiel dem Kernstadt-Ortsbeirat allerdings nicht; er dagegen stimmte. »Es macht keinen Sinn, das Kastanienrondell zu versetzen. Wenn man vom Tennisplatz durch die Kolonnade kommt, schaut man drauf, es ist ein schöner Blickfang und mittendrin. Es liegt genau auf der Blickachse«, sagte Ortsvorsteher Kurt Linkenbach (CDU) dieser Zeitung. Ähnlich verhalte es sich mit den Kunstskulpturen: »Es macht keinen Sinn, jetzt irgendwo in der Stadt einen Platz dafür zu finden.« Wie Steffen Schneider (Fachbereichsleiter Kur und Service) bei der Bauausschusssitzung erläuterte, bestehe aktuell kein Grund zur Sorge. »Es gibt keinen Beschluss, den Brunnen der Erkenntnis und der Planetenwanderweg zu versetzen. Die Sachen haben Bestandsschutz.« Das Parkpflegewerk sei ein Wegweiser für die weitere Entwicklung. Sollte es jedoch zu einer grundhaften Erneuerung im Kurpark kommen, sei jetzt bereits bekannt, wie sich die Denkmalpflege positionieren werde. Auch die »Lesemaus« und die Buch-Skulptur vor der Stadtbücherei gehören dort laut Parkpflegewerk nicht hin. Aber auch dort besteht laut Schneider Bestandsschutz. Erst, wenn die Stadtverordnetenversammlung etwas anderes entscheide, könne sich das ändern.

Einstimmig nahm der Bauausschuss die Anregungen des Ortsbeirats zur Kenntnis. 

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