Mollys Revier

Kurpark im Biber-Fieber

  • schließen

Biberdame Molly im Bad Nauheimer Kurpark ist schwanger. Nun spricht eine Biber-Expertin über Mollys Familie, einen besonderen Duft und über das, was für Biber gefährlich ist.

Mollys Babybauch war bei ihrem außergewöhnlichen Landgang nicht zu übersehen. Wann können wir mit dem Nachwuchs rechnen?

Laura Eßer: Aus meinem persönlichen Empfinden heraus würde ich sagen: in den nächsten Tagen. Biber werfen normalerweise Ende April, Anfang Mai. Molly steht auf jeden Fall sehr kurz vor der Geburt, wenn sie nicht schon bereits geworfen hat.

War sie denn noch mal draußen?

Eßer: Sie war an den folgenden beiden Tagen zur gleichen Zeit auch wieder da. Und im letzten Jahr wurde Molly auch schon beobachtet, wie sie hochträchtig tagsüber draußen war. Sie hat anscheinend einen hohen Energiebedarf und Kohldampf.

Molly wird ja bereits zum dritten Mal Mama. Wie hat sie sich denn früher in dieser Rolle gemacht?

Eßer: Ich habe sie leider nie zusammen mit den Jungen gesehen, aber ich würde behaupten, dass sich die Jungen gut gemacht haben. Im Jahr 2015 hatte sie zum ersten Mal Junge, da gibt es ein Foto von einem Jungtier. Darauf sieht man, dass es sich gut gemacht hat.

Können die Spaziergänger im Kurpark bald auch die Jungen am Tag bestaunen?

Eßer: Nein, das halte ich für sehr unwahrscheinlich. In ruhigen Gebieten kann das passieren, aber hier im Kurpark meiden die Biber den Besucherverkehr. Ich gehe davon aus, dass Molly mit den Jungen besonders vorsichtig umgeht und im Bereich des Baus und der Insel bleibt. Die Jungen müssen erst mal das Tauchen lernen. Solange sie das nicht können, wird sie nicht mit ihnen über den Teich schwimmen. Die Kleinen müssen bei Gefahr abtauchen können. Außerdem wird der Uferbewuchs höher, sodass man die Biber nicht sieht, auch wenn man sie hört. Man kann aber auch Glück haben, wenn man Geduld mitbringt und zur rechten Zeit am richtigen Ort ist.

Sind die anderen Jungen auch noch bei der Familie oder sind sie schon ausgezogen?

Eßer: Bei den Bibern ziehen die Zwei- bis Dreijährigen aus. Die Jungen aus dem Vorjahr bleiben. Wenn der ältere Nachwuchs nicht auszieht, wird er vom Vater gezielt vertrieben. Biberfamilien überschreiten ein bestimmtes Maß also nicht.

Wie groß ist das Revier eines Bibers?

Eßer: Das kommt auf das Revier an, darauf, was es dort an Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten gibt. Das Revier dieser Familie umfasst die Kurparkteiche und den Usa-Bereich im Kurpark. Ich denke, die abwandernden Biber werden direkt am Teich kein zweites Revier aufmachen, denn dann kämen sich die Biber in die Quere.

Und wie markiert ein Biber sein Revier?

Eßer: Biber haben eine Duftdrüse, über die sie Bibergeil an Bäume und auf Wege schmieren. Sie markieren die Eckpunkte. Früher wurde Bibergeil in der Medizin verwendet, man dachte, es hätte eine aphrodisierende Wirkung, was aber nicht so ist. Dennoch war dies der Grund dafür, dass der Biber gejagt und fast ausgerottet wurde. Bis vor 200 Jahren gab es in Deutschland fast keine Biber mehr.

Kann es bezüglich der Reviere auch Auseinandersetzungen mit anderen Bibern geben?

Eßer: Die Tiere sind nicht darauf aus, sich gegenseitig zu verletzen. Aber wenn keiner weichen will, kommt es zu Kämpfen. Wenn es ums Ganze geht, können sie sich verletzen, und wenn die Tiere dann in verschmutzte Gewässer gehen, können sie sterben.

Welche natürlichen Feinde hat ein Biber?

Eßer: Bären und vor allem Wölfe, aber die gibt es hier ja nicht. Kleine Biber sind auch durch frei laufende Hunde gefährdet. Aber die größte Gefahr ist der Tod durch Überfahren. Wenn Biber das Familienrevier verlassen und ein eigenes Revier suchen, legen sie bis zu 200 Kilometer zurück. Dabei gehen sie auch über Autobahnen, und das sehr langsam. Auch steile Wände an Gewässern sind ein Problem, bei Hochwasser können Biber deshalb ertrinken.

Vertragen sich die Biber mit Enten und Gänsen im Kurpark?

Eßer: Ja, Biber sind Vegetarier, die haben kein Interesse daran, Enten oder Gänse zu jagen.

Kann es vorkommen, dass Biber Menschen gegenüber aggressiv werden?

Eßer: Nein. Ich bin ja auch schon nachts Bibern begegnet, ohne dass ich mit ihnen gerechnet habe. Tatsächlich ergreifen sie lieber die Flucht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare