+
"Ball Park" im Kurpark. Auf der Wiese gegenüber den Tennisplätzen spielen 1945 Soldaten der 15th U.S. Army in ihrer Freizeit Baseball. Bei der hier ausgetragenen "Meisterschaft" der Abteilung für Personalwesen (AG-Section) gegen die Fernmeldetruppe (Signal Section) haben die Personaler gewonnen. FOTOS: STADTARCHIV

Im Kurpark Baseball gespielt

Bad Nauheim(atz). Der große Kurpark ist für die Bad Nauheimer von je her eines der am meisten und mit Argus-Augen beobachteten Kleinode in der Stadt. Die sorgsam gepflegten Parkwiesen dienten in früherer Zeit vorwiegend der Ruhe und Erholung herzkranker Kurgäste. Jeglicher übermäßiger Lärm war ebenso verboten wie das generelle Betreten des Rasens, Änderungen und Zerstörungen waren auf diesen Erholungsflächen stets Anlass zu massivster Kritik. Selbst 1945, als die ersten Besatzungstruppen Einzug hielten.

Wie es damals in Stadt und Park ausgesehen hat, beschreibt Chronist Friedrich Becker so: "Bad Nauheim gleicht einem großen Heerlager. In den Straßen, in der Trinkkuranlage, auf den Plätzen, im großen Park, überall stehen die amerikanischen Wehrmachtsfahrzeuge jeglicher Gattung und Größe. Die Wege und Rasenflächen des weltbekannten Parks, die sonst das helle Entzücken aller Kurgäste erregten, sind zerfahren, zertreten, zerstampft. Auf den großen Parkwiesen sind Zeltlager für Negertruppen entstanden. Überall Leben, Lärm und Aufregung, ein dauerndes Kommen und Gehen, Tag und Nacht." Für die zahlreichen Militärfahrzeuge der Amerikaner entstanden in aller Eile mehrere schotterbefestigte und mit Stacheldraht eingezäunte Parkplätze. Dass es sich dabei zum Teil um die gepflegten Grünflächen eines Kurparks handelte, war den Besatzern ziemlich egal. Hinter dem Kurhaus lagerten auf solch einem Platz defekte Lkw, da sich in der halboffenen Wandelhalle des Kastanienhofs zeitweise eine Werkstatt befand. Von dort führte ein Trampelpfad quer über die Kurhauswiese in Richtung Stadt, den die städtische Verwaltung auf Befehl der Amerikaner befestigen lassen musste. Für die Wagen der Mitarbeiter in den Büros des Parkhotels war die Wiese des heutigen Rosengartens vor der Trinkkuranlage ebenfalls in eine Schotterfläche verwandelt worden.

Motorboot schreckt Anwohner auf

Ein Bus-Pendelbetrieb und ein Taxenstand, nur für die Armeeangehörigen, belebten die untere Parkstraße in Höhe der Kolonnaden. Der kleine Parkplatz mit Zapfsäule in der vorderen Zanderstraße war ebenfalls den Besatzern vorbehalten, reichte aber bei weitem nicht aus. Die Einsatzwagen der amerikanischen Feuerwehr belagerten die große Wiese im Goldsteinpark.

Probleme mit der Stromversorgung lösten die Amerikaner auf unkonventionelle Art: Wie ein Zeitzeuge berichtete, verliefen Stränge von Stromkabeln quer durch den Park, vermutlich abgezweigt vom kleinen E-Werk am Usa-Ufer in Höhe der Ludwigstraße, das seit 1893 für hell erleuchtete Kurhausräume sorgte.

Stadtkommandant Colonel Paul R. Knight war mit der 15th U.S. Army Mitte August 1945 in Bad Nauheim angekommen. Da es keine genaue Zahl über die tatsächliche Truppenstärke gibt, kann nur geschätzt von etwa 4000 Personen ausgegangen werden. Darunter auch Zeitzeuge Ellis Titche, der nach Hause schreibt: "Die Army hat die gesamte Stadt zu einem Militärposten gemacht und steht nun unter dem Befehl des Hauptquartiers, was sich auch in den zahlreichen Armeeangehörigen ausdrückt, die jetzt angekommen sind."

Colonel Knight legte Wert darauf, dass bei den ihm unterstellten Mannschaften keine Langeweile aufkam und die Jungs "von der Straße kamen". Nicht zuletzt dadurch entstand kurze Zeit später auch das Eisstadion. Den Hundertschaften von jungen GIs, die im "Red-Cross-Club" der alten Kolonnaden (früher Tenniscafé) einen Teil ihrer Freizeit verbrachten, diente der Park wie selbstverständlich zu allerlei sportlichen Aktivitäten, ohne große Rücksicht auf Natur und Umwelt. Jahre später resümierte die Kurverwaltung zum damaligen Zustand des Parks, "dass dieses Naturidyll in den ersten beiden Jahren nach dem Waffenstillstand einem wüsten Tummelplatz glich, der für alle möglichen Zwecke benutzt wurde.

Im Park entstanden Liegewiesen für amerikanische Familien, es wurde Baseball gespielt, Fahrzeuge und Fußgänger bahnten sich neue Wege durch die Parkwiesen und verschandelten die Anlagen. Auf dem großen Teich zog nachts ein Motorboot seine Runden und schreckte die Einwohner aus dem Schlaf."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare