In den Werken von Lukas Frese kann man Menschen eher erahnen als erkennen. Thomas Hildenbrands Skulptur (M.) erinnert an Mensch und Engel. FOTOS: COR
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In den Werken von Lukas Frese kann man Menschen eher erahnen als erkennen. Thomas Hildenbrands Skulptur (M.) erinnert an Mensch und Engel. FOTOS: COR

Künstlerische Hingabe für Gesten und Figuren

  • vonCorinna Weigelt
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Bad Nauheim(cor). Mit der Eröffnung der Ausstellung "Sichtweisen" wurde am Freitag erstmals wieder eine Vernissage in den Räumlichkeiten der Galerie der Trinkkuranlage angeboten. Zu Gast ist die Galerie Mühlfeld + Stohrer aus Frankfurt. Der Einladung des Kunstverein Bad Nauheim folgten viele Kunstliebhaber. "Das Konzept mit der Voranmeldung hat gut funktioniert", wie sich die stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins, Karin Merchel, erfreut zeigte. "Schön zu sehen, dass in der Galerie wieder Menschen sind", so auch der Erste Stadtrat Peter Krank, fanden pandemiebedingt die vorherigen Eröffnungen draußen, vor dem Galerieeingang, statt.

Ab sofort kann die neue Ausstellung, die Werke der Künstler Thomas Hildenbrand und Lukas Frese bereithält, besucht werden.

Perfekte Räumlichkeiten

Die Räumlichkeiten in diesem historischen Gebäude sind einfach wundervoll", sagte der Holzbildhauer Thomas Hildenbrand, der seine Skulpturen mit historischen Bezügen präsentiert. Die Historie als Gemeinsamkeit habe ihm direkt beeindruckt. Mit dem Werk "Der letzte Vorhang" hat er seine neueste Skulptur als Blickfang mittig in der Rotunde platziert. Erstmals zeigt er auch Malereien, Ölfarben auf Holz. "Ich sehe mich aber nicht als Maler", meinte der Künstler, für den die Bildhauerei immer im Vordergrund stehen werde. Welche Geschichte und Traditionen sich hinter der Holzbildhauerei verbergen, erläuterte Kunstkenner Dr. Jürgen Lenssen aus Würzburg den Gästen. Als Laudator führte er die Anwesenden weit zurück ins 14. Jahrhundert bis hin in die Gegenwart, hob dabei bedeutende deutsche Künstler hervor, ehe er sich intensiver den Arbeiten Hildenbrands näherte.

Hildenbrands Holzskulpturen sind geprägt von einer ständigen Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte. Mit spürbarer Hingabe arbeitet der Künstler Gesten bildhauerisch heraus, sodass seine menschlichen Figuren, Engel und auch seine Rabenvögel große Lebendigkeit beweisen. Hinter den Raben verberge sich eine symbolische Doppeldeutigkeit, wie der Laudator erklärte.

Entstanden sind Werke, die zugleich eine Aufforderung darstellen, den Blick neu auf das Leben zu richten. Verstärkt wird diese Wirkung durch Lichteinflüsse. Gekonnt werden die Werke dank Strahler für das Bad Nauheimer Publikum inszeniert.

Ergänzt wird die Ausstellung durch die Bilder von Lukas Frese. Der Münchner Künstler arbeitet traditionell in Öl auf Holz oder Leinwand. Dabei verbindet er impressionistische Einflüsse mit zeitgenössischem Realismus. Im Vordergrund stehen dabei klassische Themen wie Porträt, Landschaft, Stadtszenen und Stillleben.

In seinen Arbeiten, in denen man den Menschen eher erahnen als sehen kann, zeigt er seine wichtigsten Themen wie die Verlorenheit in den Schluchten der Straßen einer Großstadt oder die Einsamkeit einer aufgegebenen Industriebrache.

Die Ausstellung "Sichtweisen" sei ein passender Impuls in dieser Zeit, in der wir unseren Weg durch die Gegenwart neu finden müssen, sagte Erster Stadtrat Peter Krank, der seitens der Stadt die Eröffnung übernahm. Er richtete den Blick zurück: "Ein halbes Jahr lang hat die Angst vor dem Virus unsere Gesellschaft, unser gewohntes Leben in einer Weise lahmgelegt, die wir uns im Januar nicht hätten vorstellen können", sagte der Erste Stadtrat. "Nun brauchen wir Orientierung - dringend." Die Sicht auf die Welt müsse neu justiert werden. Welches Medium wäre dazu geeigneter als die Kunst?

Präsentiert wird die Ausstellung "Sichtweisen" bis einschließlich 8. November. Der Eintritt ist frei.

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