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Rödgen soll nach Jahrzehnten wieder wachsen: Im Baugebiet »Am Holzberg« entstehen 38 Einfamilienhäuser. Nach Ansicht der SPD hätte die Stadt für ihr Bauland mehr Geld vom Investor verlangen müssen. ARCHIVBILD: NICI MERZ

Kritik der SPD

115 Euro pro Quadratmeter: Verkauft die Stadt Bad Nauheim Bauland unter Wert?

  • Bernd Klühs
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Der Bebauungsplan »Am Holzberg« in Rödgen ist rechtskräftig. Doch der Streit um das Thema geht weiter. Das zeigte sich in der jüngsten Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung.

Der Bad Nauheimer Stadtteil Rödgen soll nach Jahrzehnten des Stillstands ein wenig wachsen. Darüber herrscht in der Politik Einigkeit. Deshalb haben die Stadtverordneten beschlossen, das Baugebiet »Am Holzberg« an der Römerstraße auszuweisen. Geht es um die Details des Vorhabens, sind nicht mehr alle einer Meinung. Die SPD war von Anfang an dagegen, das Areal von einem Privatinvestor entwickeln zu lassen. Unter anderem werfen die Sozialdemokraten der Mehrheit Verschwendung von städtischen Geldern vor.

In der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ging es darum, den Verkauf städtischer Grundstücke in dem Gebiet an die Firma Faber & Schnepp Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG zu beschließen. Das Gießener Unternehmen hatte sich laut Bürgermeister Klaus Kreß vor geraumer Zeit mit Eigentümern der Äcker geeinigt. Diesen Privatpersonen hatte der Großteil der 2,6 Hektar großen Fläche gehört. Um das Baugebiet erschließen und die Grundstücke verkaufen zu können, benötigt der Investor aber auch den bescheidenen Grundbesitz der Stadt, der 2300 Quadratmeter umfasst. Gegen die SPD-Stimmen entschied der Ausschuss, die städtischen Parzellen für 115 Euro pro Quadratmeter zu veräußern.

„Das Baugelände wird weit unter Wert verkauft“ – Bad Nauheimer SPD kritisiert Wohnungsbaupolitik

»Das Baugelände wird weit unter Wert verkauft«, kritisierte SPD-Sprecher Georg Küster. Diese Vorgehensweise beschreibe sehr gut die Wohnungsbaupolitik der bürgerlich-konservativen Parteien und Wählergemeinschaften Bad Nauheims. Küster: »Die Bevorzugung privater Investoren zulasten der Allgemeinheit kann mittlerweile als symptomatisch bezeichnet werden. Dagegen muss restriktiv und rigide vorgegangen werden.« Auch die Grünen hätten für ein Neubaugebiet mit 38 Einfamilienhäusern votiert.

In einem Änderungsantrag forderte die SPD, das städtische Gelände nicht zu veräußern. An die Firma sollten nur 30 Prozent für die Erschließung des Baugebiets abgetreten werden. Die restlichen 1600 Quadratmeter wären im Eigentum der Stadt geblieben. Der Investor sollte laut SPD 120 Euro pro Quadratmeter als Erschließungskosten erhalten. Dann sollten die erschlossenen städtischen Grundstücke für einen Quadratmeterpreis von 355 Euro an Bewerber aus Rödgen verkauft oder in Erbpacht vergeben werden.

Der von der Verwaltung angesetzte Bodenrichtwert für Grundstücke in Rödgen zwischen 130 und 220 Euro/Quadratmeter sei veraltet und nicht mehr gültig. Der Gutachterausschuss für Immobilienwerte beziffere den Preis in mittlerer Lage von Bad Nauheim auf 355 Euro. Ziehe man Erschließungskosten von 120 Euro ab, blieben 235 Euro. Diesen Preis hätte die Stadt nach Ansicht Küsters vom Käufer verlangen müssen. Dann wären gut 378 000 Euro in die Stadtkasse geflossen. Tatsächlich werden es aber nur 264 000 Euro, die Stadt mache einen Verlust von 114 000 Euro.

Bad Nauheim: Bürgermeister Kreß weist Kritik an zu geringem Grundstückspreis zurück

Bürgermeister Kreß wies die Vorwürfe am Rand der jüngsten Parlamentssitzung zurück. »Der Investor hat an private Grundeigentümer 115 Euro pro Quadratmeter bezahlt. Diesen Preis haben wir ebenfalls angesetzt.« Wie die SPD auf einen Bodenrichtwert von 355 Euro komme, sei ein Rätsel. Für Bauland in Rödgen sei das deutlich zu hoch.

Kreß zufolge muss der Investor enorme Summen für die Erschließung aufbringen. Neben den üblichen Kosten für die Versorgungsleitungen und den Straßenbau müsse das Unternehmen die Kosten für den Bau eines Regenrückhaltebeckens, eines Spielplatzes und eines Regenwasserkanals tragen. Zudem übernehme die Faber & Schnepp GmbH die Hälfte der Kosten für die Energiegewinnung mit sogenannter kalter Nahwärme. Bislang sei der Grund und Boden als landwirtschaftliche Fläche fast wertlos. Durch den Verkauf mache die Stadt einen Bilanzgewinn von gut 260 000 Euro.

Bad Nauheim: Nachbarn des Baugebiets in Rödgen willen Bebauungsplan gerichtlich prüfen lassen

Etliche Nachbarn des Baugebiets »Am Holzberg« in Rödgen haben sich zusammengeschlossen und wollen den beschlossenen Bebauungsplan vom Verwaltungsgericht prüfen lassen. Diese Bürger wenden sich nicht grundsätzlich gegen die Bebauung, sehen aber viele ungelöste Probleme. Im Fokus steht der Verkehr: Aus Sicht der Kritiker hat die Stadt kein ausreichendes Konzept. Das Gebiet sei durch Schule und Kita ohnehin bereits sehr stark mit Verkehr belastet.

Diese Anlieger hatten im Rahmen des B-Plan-Verfahrens ausführliche Stellungnahmen eingereicht, fühlen sich vom Rathaus aber nicht ernst genommen.

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