Fahrradfahrer auf einem Fahrradschutzstreifen, ein Auto fährt vorbei.
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Ein seltener Anblick: Der neue Fahrradschutzstreifen und der benachbarte Fußweg in der Frankfurter Landstraße werden bislang kaum genutzt.

Frankfurter Landstraße

Massive Kritik an Radfahrschutzstreifen reißt nicht ab: Wurden Vorgaben missachtet?

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Der Radfahrschutzstreifen in der Frankfurter Landstraße von Bad Nauheim sorgt für Kopfschütteln. Ein Politiker nennt ihn sogar „Radfahrer-Gefährdungsstreifen“.

Bad Nauheim – Seit seiner Realisierung hagelt es Kritik am Radfahrschutzstreifen auf der östlichen Seite der Frankfurter Landstraße in Bad Nauheim. Anwohner, die städtische Radverkehrsbeauftragte Therese Dahlke und der Seniorenbeirat hatten sich zu Wort gemeldet. Eine Anfrage des ehemaligen CDU-Stadtverordneten Christian Trutwig hatte das Parlament vor Monaten beschäftigt. Die Antworten von Magistrat und Verwaltung scheinen zumindest FW/UWG-Ortsbeiratsmitglied Dr. Erik Meyer nicht ausreichend. Auf seine Initiative hin kam es in der jüngsten Sitzung des Kernstadt-Ortsbeirats zu einer Debatte über den umstrittenen Streifen.

Radfahrschutzstreifen in Bad Nauheim: Von Schutz keine Rede

Hauptvorwurf von Meyer: Die Verwaltung habe bei der Neugestaltung der Frankfurter Landstraße die einhellige Meinung der Stadtverordneten missachtet. Meyer zitierte die schriftliche Erläuterung des Haushaltsbeschlusses zum Punkt »Straßenneubau Gewerbegebiet Schützenrain (östliche Frankfurter Landstraße)«. Darin heißt es wörtlich: »Umgestaltung des Straßenraums mit Ausbildung eines Geh- und Radwegs auf der Ostseite des Frankfurter Landstraße zur Erschließung des Gewerbegebiets.« Gemeint sind die neuen, noch nicht bebauten Gewerbegrundstücke auf dieser Straßenseite.

Laut Meyer wurde diese Vorgabe nicht umgesetzt. Statt des Geh- und Radwegs seien ein Fußweg, der Radfahrschutzstreifen und Auto-Stellplätze geschaffen worden. Wobei von Schutz keine Rede sein könne, der FW/UWG-Politiker sprach vielmehr von einem »Radfahrer-Gefährdungsstreifen«.

Radfahrschutzstreifen in Bad Nauheim endet abrupt

Steffen Mörler (CDU) und Dr. Wolfgang Hammann (FW/UWG) schlossen sich der Einschätzung Meyers an. Nach Auffassung Hammanns würden die Radfahrschutzstreifen - auch die in der Frankfurter und Weingartenstraße - kaum genutzt. Unbefriedigend sei die Situation vor allem an Kreuzungen und Einmündungen, wo die Streifen abrupt endeten. »Das verunsichert die Leute total«, sagte der stellvertretende Ortsvorsteher.

Auch aus Sicht von Mörler ist die Neugestaltung nicht nachvollziehbar. »Warum wurde der Beschluss der Stadtverordneten nicht umgesetzt? Stellplätze waren nicht vorgesehen«, betonte er. Viele erwachsene Radfahrer könnten den Streifen problemlos nutzen, für Kinder und Senioren sei er aber völlig ungeeignet.

Radfahrschutzstreifen in Bad Nauheim: Bürgermeister verteidigt Planung

Radverkehrsbeauftragte Dahlke wiederholte ihre Einschätzung. »Da es sich um eine neu gestaltete Straße handelt, hätte man anders planen können. Die vielen Lkw, die dort zu den Betrieben unterwegs sind, sprechen gegen einen Radfahrschutzstreifen in dieser Straße.« Im Übrigen endeten Schutzstreifen und Fußweg »im Nichts«. Dahlke forderte, an solchen Planungen künftig alle Betroffenen zu beteiligen.

Bürgermeister Klaus Kreß und der neue Fachdienstleiter für Tiefbau und Verkehrsplanung, Tobias Kolckhorst, verteidigten die Planung. Beim Radfahrschutzstreifen handelt es sich Kreß zufolge um ein Zusatzangebot für »Alltagsradfahrer«. Alle anderen Radler könnten den Fußweg auf der Westseite nutzen, der auch für den Radverkehr in beide Richtungen freigegeben sei. Der Streifen sei nicht »super komfortabel«, aber von der Polizei genehmigt. »In dieser Stadtstraße wirkt er geschwindigkeitsdämpfend auf den Gesamtverkehr«, betonte der Bürgermeister. Unbeantwortet ließ er die Frage, warum der Stadtverordneten-Beschluss nicht realisiert worden sei. Kreß verwies diesbezüglich auf die Angaben der Verwaltung auf eine parlamentarische Anfrage zu diesem Thema.

Radfahrschutzstreifen in Bad Nauheim zu Unrecht in Verruf?

Kolckhorst brach eine Lanze für die Schutzstreifen, die zu Unrecht in Verruf geraten sein. Ein Radfahrer werde darauf von Auto- und Lkw-Fahrern besser wahrgenommen. Zu gefährlichen Situationen könne es auch auf kombinierten Geh- und Radwegen kommen, zumal Radfahrer teilweise mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs seien. Der Schutzstreifen sei für diese schnellen Radfahrer gedacht, der auch für Radler zugelassene Fußweg auf der Westseite könne von Kindern oder Senioren genutzt werden.

Ähnlich argumentierte Claudia Kutschker (Grüne). »Der Schutzstreifen ist besser als nichts. Radfahrer fühlen sich darauf sicherer.« Andere Verkehrsteilnehmer würden auf Radler aufmerksam und handelten entsprechend.

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