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Komplizierte Organe mit wichtigen Aufgaben

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Von: red Redaktion

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Bad Nauheim (pm). Der Vorsitzenden des Seniorenclubs Bad Nauheim, Sonja Rohde, ist es gelungen, den ärztlichen Leiter des KfH-Nierenzentrums Bad Nauheim, Dr. Ralf Schäfer, für einen Vortrag beim Monatstreffen des Clubs zu gewinnen. Die sehr zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste des Seniorenclubs erwartete ein Vortrag, in dessen Verlauf immer wieder Fragen zugelassen wurden, der keine Schreckensnachrichten verbreitete und stets Heilungsmöglichkeiten aufzeigte.

Obwohl die Nierenerkrankung, wie der Referent gleich zu Beginn feststellte, eine Erkrankung des Alters sei, erwähnte er einen 94-jährigen Patienten, dessen Lebensqualität durch die Behandlung im Bad Nauheimer Nierenzentrum, einem von 600 in Deutschland, entscheidend verbessert werden konnte.

Die Nieren seien zwar die kompliziertesten Organe im menschlichen Körper mit Ausscheidungs- und Hormonfunktion, und leider gebe es in Deutschland zehn Millionen Nierenkranke, aber von diesen seien lediglich 80 000 Dialysepatienten.

Diagnostik, Vollversorgung der Kranken, aber auch die Behandlung des Bluthochdrucks stehen im Bad Nauheimer Nierenzentrum auf dem Plan. Schäfer würdigte das Zentrum in einer Stadt mit rund 30 000 Einwohnern als in Deutschland einzigartig. Nur Nierentransplantationen können hier nicht vorgenommen werden.

Erst in den 1970er Jahren habe sich die Nephrologie, die Nierenheilkunde, zu einem eigenen Spezialgebiet der Inneren Medizin entwickelt, erläuterte der Referent. Mittlerweile sei die chronische Nierenschwäche gut beherrschbar, und durch Vorbeugung und Früherkennung könne man Nierenversagen abwenden. Wichtig sei die Zusammenarbeit mit Kardiologen und Diabetologen.

Ausführlich widmete sich der Referent Georg Haas, der in Gießen 1924 die erste Dialysebehandlung am Menschen durchgeführt hatte. Bis in die 50er Jahre geriet diese Entdeckung in Vergessenheit und wurde auch von Haas selbst nicht weiterverfolgt. Nach Ansicht Schäfers hätte Haas den Nobelpreis erhalten müssen.

Was schädlich für die Nieren ist

Praktische Tipps bildeten ein Kapitel des Vortrags. Schädlich für die Nieren sei zu eiweißreiche Kost, beispielsweise Fleisch. Die mediterrane Küche mit mehr Gemüse stelle eine Alternative dar. Von eiweißhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln riet der Referent dringend ab. Zwei Liter solle man pro Tag trinken, damit die Nieren ungestört für den Ausgleich von Kochsalz- und Kaliumhaushalt sorgen, den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht halten und alle Stoffwechselprodukte ausscheiden können.

Es gebe vielfältige Nierenerkrankungen, sagte der Experte. Bluthochdruck schädige die Nieren, bei Patienten mit Eisenmangel müssten die Werte von Speichereisen und Transporteisen festgestellt werden, das Cholesterin solle beobachtet werden, durch Verkalkung verengte Nierenarterien müssten ebenso behandelt werden wie Nierenzysten. Nierenschadstoffe fänden sich in so gängigen, frei erhältlichen Medikamenten wie Ibuprofen und Diclofenac - eine Information, die einige Menschen im Saal sehr nachdenklich werden ließ.

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