Es gab Lob und Beifall, die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen hätten sich in der Corona-Krise aber nicht verbessert, meint der Betriebsrat der Kerckhoff-Klinik. Die Geschäftsführung der Klinik hat nun gemeinsam mit dem Betriebsrat einige Aspekte konkretisiert. FOTO: NICI MERZ
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Es gab Lob und Beifall, die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen hätten sich in der Corona-Krise aber nicht verbessert, meint der Betriebsrat der Kerckhoff-Klinik. Die Geschäftsführung der Klinik hat nun gemeinsam mit dem Betriebsrat einige Aspekte konkretisiert. FOTO: NICI MERZ

"Können adäquat reagieren"

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Bad Nauheim(pm). In der gestrigen Ausgabe der Wetterauer Zeitung war unter der Überschrift "Kerckhoff-Personal ist stinksauer" ein Beitrag erschienen, der sich mit der öffentlich geübten Kritik des Betriebsrats der Kerckhoff-Klinik an der Gesundheitspolitik der Bundesregierung befasste. Ausgangspunkt der Kritik war ein "offener Brief" des Betriebsrats an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Mit diesem Brief sollten Missstände und Versäumnisse im Gesundheitswesen aus der Sicht derjenigen aufgezeigt werden, die im Gesundheitswesen arbeiten und von den Versäumnissen nachhaltig betroffen sind. Betriebsrat und Geschäftsführung haben nun eine gemeinsame Stellungnahme abgegeben. Hier im Wortlaut:

"Die Geschäftsführung der Kerckhoff-Klinik hat Verständnis für die Kritikpunkte, zumal alle Beschäftigten von Kliniken in systemrelevanten Berufen arbeiten und sich seit einigen Monaten durch die Corona-Pandemie im Ausnahmezustand befinden. Aus diesem Grund bemüht sich die Geschäftsführung gemeinsam mit dem Betriebsrat durch zahlreiche Maßnahmen der Situation zu begegnen.

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist der zu konstatierende Fachkräftemangel. Die Bundesregierung hat zwar per Verordnung eine Pflegepersonaluntergrenze festgeschrieben, die die maßgebliche Orientierungsgröße für die Mindestbesetzung auf den Stationen ist. Allerdings hat sie diese Verordnung seit März 2020 wieder ausgesetzt.

Die Kerckhoff-Klinik hält trotz und während der bislang andauernden Corona-Pandemie an dieser Personaluntergrenze als Planungsgröße fest und gewährleistet auf diese Weise, dass sich der Fachkräftemangel gerade in dieser Zeit nicht weiter verschärft.

Daneben ist die Klinik bemüht, Personal in allen Bereichen zu rekrutieren. Auch in der Aus- und Weiterbildung macht sich die Klinik stark, z. B. durch die gemeinsam mit dem Gesundheitszentrum Wetterau betriebene Krankenpflegeschule und Weiterbildungsstätte (Theodora-Konitzky-Akademie) und durch die Kooperation mit der Justus-Liebig-Universität Gießen (Campus Kerckhoff der JLU).

Da auch die Vergütung nicht nur eine wichtige Komponente der Personalbindung und -gewinnung ist, sondern auch der grundsätzlichen Wertschätzung dient, erfolgt die Bezahlung der Mitarbeitenden aus dem Pflegebereich in der Kerckhoff-Klinik nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (Bund).

Das in dem zuletzt veröffentlichten Artikel angeführte Beispiel zum Bruttomonatsgehalt einer Krankenschwester kann sich nur auf eine andere Einrichtung beziehen, da es deutlich unter der tariflichen Bezahlung in der Kerckhoff-Klinik liegt.

Die Kerckhoff-Klinik kann jederzeit adäquat und kurzfristig auf einen möglichen Anstieg der Infektionszahlen reagieren. Hierzu ist die Klinik als Level-I-Krankenhaus verpflichtet. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um die Versorgung einer möglicherweise kurzfristig steigenden Anzahl von Covid-Patienten zu gewährleisten. Hierzu gehörte auch die Anpassung von Arbeitsabläufen und Dienstplanmodellen. In einigen Bereichen wurde aufgrund der damaligen Infektionslage in einem Zeitraum von wenigen Wochen in Zwölf-Stunden-Schichten gearbeitet, dies erfolgte unter Beachtung der tarifvertraglichen und gesetzlichen Regelungen.

Geschäftsführung und Betriebsrat konnten durch die konstruktive Zusammenarbeit die organisatorischen Herausforderungen aufgrund der Corona-Pandemie gemeinsam gut bewältigen. Als Betriebsparteien sind wir dankbar für das große Engagement und den Zusammenhalt der Belegschaft für unsere Klinik."

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