Neujahrsvarieté

Knochenhartes Training für die große Diabolo-Show

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Qing Liu ist die Trainerin der »Gorgeous Girls«, dem Star-Ensemble beim Neujahrs-Varieté. Die Artisten aus China gehören zu den besten Diabolo-Künstlern weltweit. So weit zu kommen, ist harte Arbeit.

Qing Liu weiß, wie es gemacht wird. Sie steht am vorderen Rand der Bühne des Dolce-Theaters und gibt Kommandos, die sich aber – selbst wenn man des Chinesischen nicht mächtig ist – eher wie Vorschläge, wie Anleitungen, anstatt Kommandos anhören. Anhand der Bewegungen, die sie ihren zehn Schülerinnen, die ihr beinahe andächtig lauschen, vormacht, lässt sich erahnen, was Qing Liu im Schilde führt. Ein kleiner Schritt nach links, einer nach rechts, die Andeutung einer Verbeugung, ein Sprung.

Wenngleich die »Gorgeous Girls« eine der Star-Truppen des diesjährigen Neujahrs-Varietés der Ovag sind, ausgezeichnet mit dem Goldenen Clown von Monte Carlo, gilt für die zehn Frauen im Alter zwischen 18 und 23 Jahren: Tägliches Training. »Es gibt immer noch etwas zu verbessern«, sagt Qing Liu dazu.

150 Artistenschulen in China

Eine Forderung, die der normale Gast nicht unbedingt verstehen mag. Kostüme, Musik, Choreografie im Stil einer Peking-Oper en miniature und die Behandlung der Diabolos, die die Girls in die Höhe werfen und mit Leichtigkeit wieder auffangen, das geschieht derart gleichzeitig, dass dafür die Bezeichnung synchron eigens erfunden werden müsste. Liu weiß deshalb, wie es gemacht wird, weil sie lange Zeit selbst als Diabolo-Artistin unterwegs war, bevor sie Trainerin wurde an einer der angesehensten Zirkusschulen Chinas, des Staatlichen Nationalzirkus in Peking. Dazu muss man erstens wissen, dass es im Reich der Mitte ungefähr 150 Artistenschulen und rund 10 000 Artisten gibt, und zweitens, dass die Artistenheimat von Qing Liu ein vergleichbares Renommee hat wie Bayern München oder der FC Barcelona im Fußball.

Talent frühzeitig entdeckt

»Als ich neun Jahre war«, erinnert sie sich, »kamen Trainer einer Artistenschule in meine Grundschule und hielten Ausschau nach talentierten Mädchen und Jungen. Man hielt mich für talentiert und so wurde ich aufgenommen.« Das war 1990.

Training auch mit Schlägen

Was folgte, waren neben dem regulären Unterricht ein täglich sechsstündiges akrobatisches Basistraining und schließlich die Spezialisierung auf die Diabolokunst. Gelegentlich ist zu hören, dass es bei diesem Training auch Schläge hageln soll. »So etwas gab es«, räumt Qing Liu ein, »aber diese Zeiten sind lange vorbei. Die Trainingsmethoden haben sich geändert, Schlagen ist längst verboten.« Geblieben ist ein knochenhartes Training – eigentlich so wie in jeder Profession, in welcher die Akteure Exzellenzleistungen zeigen wollen. Rund um die Welt ist Qing Liu gereist – USA, Europa, Korea, Japan – zunächst als Artistin dann als Trainerin. 2003 übernahm sie die Truppe »Gorgeos Girls«, feilt dabei weiter an der Choreografie.

Reaktionsvermögen und Schnelligkeit

Nach welchen Kriterien sie ihre Schüler aussucht? Wichtig ist neben dem Reaktionsvermögen die Beweglichkeit des Körpers.« Schneller, als der Satz notiert ist, steht Qing Liu im Restaurant des Dolce auf und hält sich mal eben so ihr Knie ans Ohr. Demonstrationen gelungen, Sinn verstanden.

Nicht mehr abgeschirmt

»Die Öffnung unseres Landes hat sich auch bei den Artisten niedergeschlagen.« Galten die Künstler aus China noch vor zehn Jahren als recht verschlossen, waren bisweilen abgeschirmt vor dem Rest des Ensembles, bewegen sie sich mittlerweile wie alle anderen frei und locker, scherzen, sprechen über Mode und Popmusik gleich welcher Herkunft und – ja, auch das – scheinen ebenso wie ihre Altersgenossen im Westen einen Narren an ihren Smartphones gefressen zu haben.

Das Internationale Neujahrs-Varieté der Ovag findet noch statt bis Sonntag, 4. Februar. Restkarten gibt es telefonisch unter 0 60 31/68 48 11 13.

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