Rariäten

Knattern mit dem Großherzog

  • VonHarald Schuchardt
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Michael Schlenger ist großer Oldtimer-Fan. Auf der Ernst-Ludwig-Buchmesse wird der Bad Nauheimer Raritäten zeigen.

Michael Schlenger ist großer Oldtimer-Fan. Ihn interessieren Motorräder und andere Kraftfahrzeuge, die vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden sind. Unter www.klassiker-runde-wetterau.com ist sein Blog über Fahrzeuge und vor allem über unzählige Automarken zu finden, die heute kaum noch jemand kennt. Obwohl er noch nie ein Buch veröffentlicht hat, wird er einer der Beschicker der von Petra Ihm-Fahle und Beatrix van Ooyen initiierten Ernst-Ludwig-Buchmesse am 9. April im Sprudelhof sein. »Als mich Beatrix van Ooyen ansprach, habe ich aus zwei Gründen sofort zugesagt« erzählt der gebürtige Nauheimer, der als Texter und Übersetzer im Finanzbereich arbeitet.

Zum einen möchte er seinen Blog bekannt machen und nicht nur Oldtimerfans dafür gewinnen, zum anderen ist es die Verbindung zu Großherzog Ernst Ludwig, der zwar in erster Linie als Förderer der Künste gilt, aber der auch an Technik und vor allem an Automobilen interessiert gewesen ist. »Es gibt ein Bild von 1910, da sitzt Ernst-Ludwig in einem Opel-Fahrzeug. Er war auch ein Fan von Autorennen«, erzählt Schlenger und fügt lachend noch einen dritten Grund hinzu: »Schließlich wohne ich im Ernst-Ludwig-Haus in der Luisenstraße 1.«

An seinem Stand wird er aus seiner umfangreichen Sammlung an Büchern aus den 20er Jahren, alten Original-Fotografien und Werbematerialien einige Raritäten zeigen. »Das sind alles Originale, die sind natürlich unverkäuflich, aber ich werde Repros anbieten.« Besonders gut erhalten sind beispielsweise ein UfA-Werbefoto für einen Film mit Schauspieler Paul Kemp oder Werksaufnahmen von der Produktion der Hannoveraner Firma Hanomag aus den 30er Jahren.

»Mich interessiert nicht nur die Technik, sondern auch die Rolle des Automobils in der Gesellschaft in dieser Zeit«, sagt Schlenger, der immer auf der Suche nach Raritäten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist. Einzige Bedingung: Sie müssen etwas mit Autos oder Motorrädern zu tun haben.

Dazu gehören auch Zigaretten-Sammelbilder aus den 30ern mit den damals gängigen Autos drauf. Oft wird der Bad Nauheimer in Antiquariaten fündig. »Viele wissen gar nicht, was sie da für Schätze haben«, sagt der Oldtimer-Fan, der für jeden ersten Donnerstag im Monat zum Oldtimer-Stammtisch bei William’s Crepe am Flugplatz Ober-Mörlen einlädt.

Was Schlenger bei der Buchmesse nicht zeigen wird, das sind seine zahlreichen Motorräder aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und viele Originalteile – vom Schraubenschlüssel über Leder-Kopfbedeckungen bis hin zum Wischmob zum Abstauben des Autos. Das alles lagert in einer Halle, die er mit mehreren Bad Nauheimer Oldtimer-Freunden angemietet hat. Dort steht auch sein größter Schatz: Eine 30 PS starke Limousine des französischen Herstellers Licorne, der von 1905 bis 1950 produzierte. »Alleine in Frankreich gab es damals über 1000 Automobilhersteller«, erzählt Schlenger, der den Wagen im kompletten Originalzustand vor vier Jahren bei Ebay ersteigert hat.

»Selbst die Reifen sind noch Original, und auch Benzin von damals ist noch drin«, erklärt Schlenger, der den Wagen, der über 50 Jahre in der Halle eines französischen Sammlers gestanden hat, in den kommenden Jahren wieder fahrtüchtig machen will. »Aber an der Karosserie werde ich nichts ändern«, verkündet der Bad Nauheimer in seinem »Mini-Museum«, wie er seinen Bereich in der Halle beschreibt.

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