Zwei Flügel und eine Flasche Desinfektionsmittel stehen bereit. Lehrer Benjamin Schütze lauscht dem Spiel von Schülerin Paula Leinung: In den Unterrichtsräumen in Bad Nauheim darf, wer will, den Mund-Nasen-Schutz ablegen.	FOTOS: VON PROSCH
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Zwei Flügel und eine Flasche Desinfektionsmittel stehen bereit. Lehrer Benjamin Schütze lauscht dem Spiel von Schülerin Paula Leinung: In den Unterrichtsräumen in Bad Nauheim darf, wer will, den Mund-Nasen-Schutz ablegen. FOTOS: VON PROSCH

Das klingt schon mal gut

  • vonHanna von Prosch
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Bad Nauheim/Friedberg . (hms) Man sieht sie wieder durch den Sprudelhof spazieren und mit dem Fahrrad vorbeifahren: die jungen Leute mit Geigenkästen auf dem Rücken und Notenmappen unterm Arm. Seit Montag haben die Musikschulen in Hessen wieder den Präsenzunterricht aufgenommen - allerdings noch nicht für alle Gruppen, dafür mit vielen Hygieneauflagen. Das bedeutet eine neue Herausforderung, wie die Beispiele der Musikschulen Bad Nauheim und Friedberg zeigen.

So schnell wie die Musikschulen wegen des Lockdown auf Online-Unterricht umgestellt hatten, so schnell haben die Mitglieder im Verband deutscher Musikschulen zusammen mit den kommunalen Trägern jetzt einen Drei-Phasen-Plan zum Wiederbeginn erstellt. Er richtet sich nach den Vorgaben des Bundes und der Länder und berücksichtigt neben den Sicherheits- und Schutzmaßnahmen für alle Beteiligten auch instrumentenbedingte Ausnahmen und Gruppengrößen.

Blasintrumente und Mund-Nasen-Schutz

»Gesundheit steht an oberster Stelle«, sagt Bert Jonas, Musikschulleiter in Friedberg. »Dazu ist auch die Nachverfolgung der Kontakte im Falle einer Infektion durch eine intensive Dokumentation der Unterrichtseinheiten notwendig.« Wie es mit den externen Kooperationsmodellen weitergeht, hängt von der Schulsituation ab. »Die Bereitschaft der Schulen ist aber sehr groß, denn alle Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern warten darauf, dass es auch musikalisch wieder richtig losgeht«, bestätigt Jonas.

Ulrich Nagel, Leiter der Musikschule Bad Nauheim, ist überzeugt, dass an den Musikschulen alle Hygienevorgaben weitaus besser eingehalten werden könnten, als bei einem Einkauf im Supermarkt. Erlaubt sind in der jetzigen ersten Phase Einzelunterricht und Kleingruppen mit bis zu fünf Personen. In Phase zwei kommen kleine Ensembles dazu, und in Phase drei dürfen dann auch die Kinder aus dem Elementarunterricht, Orchester, Bands, Tanz- und Theatergruppen wieder loslegen. Bis Chöre wieder proben dürfen, wird es wohl noch eine Weile dauern, denn die Aerosolbelastung in der Luft ist dort besonders groß. Gerade deswegen gibt es auch für Blasinstrumente und Einzelgesang erhöhte Vorsichtsmaßnahmen. Nagel ist sehr froh, dass die neue Musikschule ausreichend große Räume bietet, in denen der Mindestabstand von 2,50 Metern für Bläser gewährleistet ist. Denn ein Mund-Nasen-Schutz ist hierbei unmöglich. Eine Alternative sind durchsichtige Trennwände, wie sie Jonas für die Schlagzeuger bestellt hat. Mal eben mit Desinfektionsmittel über die Klaviertastatur sprühen, geht auch nicht. Man muss sie sorgfältig vor jeder Unterrichtsstunde abwischen. Für Abstand sorgt ein zweites Lehrer-Instrument.

Online bleibt erst mal Option

Im öffentlichen Bereich gelten die üblichen Maßnahmen, die abholenden Eltern müssen draußen warten, Wege im Gebäude sind, soweit es geht, Einbahnstraßen. »Wir haben das Raumkonzept angepasst, um in der geänderten Situation bestmögliche Bedingungen zu garantieren«, bestätigen Jonas und Nagel. Und das schätzen alle, denn die Freude, wieder unmittelbar zu musizieren, ist groß.

Wer sich dabei noch nicht wohlfühlt oder zu einer Risikogruppe gehört, kann für eine Übergangszeit auch weiterhin Online-Unterricht nutzen. Das betrifft derzeit noch die Jüngsten. Beide Musikschulen haben für sie ihr Videoangebot professionalisiert und auf geschlossenen Youtube-Kanäle gestellt. Zwar sind sie dabei auf die Mithilfe der Eltern und auf deren technische Voraussetzungen angewiesen, aber in den allermeisten Fällen wird diese Alternative dankbar angenommen. »Die Lehrkräfte investieren dafür sehr viel Zeit und Kreativität, sodass wir auch die gleiche Gebührenpflicht rechtfertigen können. In Härtefällen wird sowieso individuell entschieden«, sagt Nagel. Damit, versichern die Schulleiter, seien sie in der Lage gewesen, die überwiegend freiberuflichen Lehrkräfte weiter zu beschäftigen. Denn ihnen seien ja auch sämtliche Konzertengagements weggebrochen. In der Musikschule Butzbach werden nur die Präsenzstunden berechnet, für das Online-Angebot sind Spenden erwünscht.

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