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So oder so ähnlich könnte es ab 2023 in einer neuen Kinderkrippe der Stadt aussehen. Junge und alte Bürger spielen und lachen miteinander. SYMBOLFOTO: DPA

Krippe in Seniorenheim?

Kita-Plätze in Bad Nauheim: Ausbau mit Augenmaß

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Den Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen zu decken, bleibt für die Stadt Bad Nauheim eine anspruchsvolle Aufgabe. Im Rathaus wird über eine neue generationsübergreifende Lösung nachgedacht.

Wer in die Bedarfsplanung der Stadt Bad Nauheim für die Kindertagesstätten schaut, die am Dienstagabend im Sozialausschuss vorgestellt wurde, sieht eine erhebliche Lücke zwischen Nachfrage und Angebot. »Die Differenz zwischen vorhandenen Kita- und Krippen-Plätzen und dem Bedarf ist erst mal erschreckend«, betonte Erster Stadtrat Peter Krank. In Zahlen ausgedrückt: Nach Hochrechnungen des zuständigen Fachbereichs stehen für 2021 in Kitas, Krippen und bei Tagesmüttern 1324 Plätze zur Verfügung, tatsächlich benötigt werden aber bis zu 1470.

Wie Krank und Fachbereichsleiter Jochen Mörler erklärten, stehe diese Prognose noch auf wackeligen Beinen. Erst im März oder April wird endgültig klar sein, wie viele Kinder für das kommende Kita-Jahr angemeldet werden. »Ein zweiter Unsicherheitsfaktor ist die Frage, wie viele Kinder tatsächlich aus der Kita in die Grundschule wechseln«, erläuterte der Erste Stadtrat am Rande der Sitzung. Bislang sei es der Stadt stets gelungen, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz zu erfüllen. Daran werde sich nichts ändern. Krank: »Allerdings können nicht alle Wünsche von Eltern in Erfüllung gehen.«

Vorerst muss die Stadt ihr Angebot weiter ausbauen, was aufgrund des Mangels an geeigneten Immobilien und Grundstücken nicht einfach ist. Ein Beispiel: Die Außenstelle des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen sollte ihren Standort in der Schwalheimer Straße schon längst aufgegeben haben, damit dort ein Kindergarten entstehen kann. Doch der Auszug hat sich um Jahre verzögert, die Stadt muss deshalb aus der Übergangs-Container-Kita am Rand des Usa-Wellenbad-Parkplatzes eine Dauerlösung machen. In diesem und im kommenden Jahr sollen insgesamt 3 Millionen Euro investiert werden, vor allem um die Kinder im Neubaugebiet Bad Nauheim Süd betreuen zu können.

Ständige Suche nach neuen Standorten

Nach Aussage des Ersten Stadtrats wird im Fachbereich ständig über Möglichkeiten für neue Kita-Standorte nachgedacht, ständig werden Gespräche mit Immobilien-Eigentümern geführt, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Krank sprach von einer komplizierten »Just-in-time-Strategie«. Es mache aus finanzieller Sicht nämlich keinen Sinn, große Kapazitäten aufzubauen, die eines Tages nicht mehr benötigt würden. Krank sieht den Kipp-Punkt, an dem der Bedarf sinken werde, nicht mehr allzu weit entfernt. »Es wird künftig keine großen Neubaugebiete wie Bad Nauheim Süd mehr geben. Die Kinderzahlen werden vermutlich erst stagnieren und dann zurückgehen.«

Das ist allerdings Zukunftsmusik. Aktuell bereitet Fachbereichsleiter Mörler vor allem die Nachfrage nach Plätzen für unter Dreijährige Kopfzerbrechen. Für den U 3-Bereich weist die Planung der Stadt einen sogenannten Überbedarf aus, im laufenden Jahr fehlen den Berechnungen zufolge 103 Plätze. Seit für diese Altersgruppe ein Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz besteht, steige das Interesse der Eltern ständig. Zurzeit werden laut Mörler 66 Prozent aller Bad Nauheimer Kleinkinder betreut, er rechnet mit einem weiteren Anstieg auf 80 Prozent.

Kooperation mit Elisabethhaus

Deshalb möchte der Fachbereichsleiter in Kooperation mit dem Leiter des Elisabethhauses in der Zanderstraße neue Wege gehen. Im Haus an der Sodenschmiede, wo die Tagespflege und betreutes Wohnen für Senioren untergebracht sind, gibt es einige freie Räume, wo nach den Vorstellungen von Mörler und Seniorenheim-Leiter Stefan Fuchs 2023 bis zu 36 U 3-Plätze geschaffen werden könnten.

Senioren und Kleinkinder unter einem Dach - und mit gemeinsamen Aktivitäten, so die noch vagen Vorstellungen. »Es könnte zum Beispiel gemeinsam gefrühstückt, gespielt und gebastelt werden«, sagte Mörler. Das pädagogische Konzept werde von der Krippen-Leitung erarbeitet, wobei auch auf unterschiedliche Bedürfnisse der beiden Altersgruppen geachtet werden müsse. Mörler verwies im Sozialausschuss auf die VOX-Fernsehsendung »Wir sind klein und ihr seid alt«, in dem über die interessanten Auswirkungen einer solchen Kooperation berichtet werde.

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