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Kita-Bedarfsplanung als Rechnung mit vielen Unbekannten

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Von: Bernd Klühs

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Im Waldorfkindergarten am Goldsteinpark werden jeweils zehn zusätzliche Kita- und Krippenplätze für Kinder aus Bad Nauheim entstehen. © Nicole Merz

Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen ist deutlich höher als das Angebot. Trotzdem bleiben die Verantwortlichen in Bad Nauheim ruhig, vertrauen auf ihre Erfahrung beim Umgang mit solchen Zahlen.

Die Bedarfsplanung für Kindertagesstätten ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Auch in Bad Nauheim. Wie viele der Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren werden angemeldet? Wie viele erscheinen dann tatsächlich zu Beginn eines neuen Kita-Jahres? Wie viele Kinder werden in den kommenden Jahren geboren? Welche Neubaugebiete gibt es, und wie viele Kleinkinder werden dort hinziehen?

Das sind nur einige von zahlreichen Fragen, die von den zuständigen Mitarbeitern im Rathaus beantwortet werden müssen. Das Ergebnis stellten Jochen Mörler (Fachbereichsleiter Soziales) und Erster Stadtrat Peter Krank in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses vor.

Deutliches Defizit bei Krippenplätzen

»Wir gehen davon aus, dass jedes Kind, das angemeldet wird, einen Betreuungsplatz erhalten wird.« Beruhigende Worte des Ersten Stadtrats, die im Text der Vorlage für den Ausschuss allerdings mit einem wichtigen Hinweis an alle Eltern versehen werden. Häufig könne weder die Wunsch-Kita noch der Wunsch-Aufnahmetermin garantiert werden.

Wie aus den Zahlen des Fachbereichs Soziales hervorgeht, sehen die Chancen von Kindern, die über drei Jahre alt sind, recht gut aus. Hier stehen in der Bilanz für dieses Jahr 1075 Betreuungsplätze in Tagesstätten, der Bedarf wird mit 1059 angegeben.

Anders ist die Situation bei den Krippenplätzen. 2022 wird mit 435 U 3-Kindern gerechnet, die angemeldet werden, es gibt aber nur 295 Betreuungsplätze (inklusive Tagespflege). »Bei den U 3-Kindern ist die Kalkulation allerdings deutlich schwieriger als bei Ü 3«, sagte Krank nach der Ausschuss-Sitzung. Während die älteren Kinder so gut wie alle in die Kita gehen, sind es bei den jüngeren oft weniger als prognostiziert. »Manche Eltern entscheiden erst im letzten Moment, das einjährige Kind nicht in die Krippe zu schicken, sondern noch ein Jahr zu warten«, erklärte der Erste Stadtrat. Er hofft deshalb, auch in diesem Jahr trotz des statistischen Fehlbedarfs einigermaßen über die Runden zu kommen.

Wie viele Kinder aus der Ukraine?

Wobei die Verantwortlichen aktuell eine große Zusatzherausforderung im Blick behalten müssen. Niemand weiß, wie viele Flüchtlinge aus der Ukraine in Bad Nauheim ankommen werden. Nicht auszuschließen, dass dadurch erheblich mehr Betreuungsbedarf entsteht. Um flexibel reagieren zu können, steht die Stadt immer im Gespräch mit Immobilieneigentümern, deren Gebäude oder Grundstücke als Zusatzstandorte genutzt werden könnten.

Fest geplant sind bis 2025 weitere 116 Plätze, die beiden Altersgruppen zugute kommen. Das betrifft in erster Linie die Kernstadt, aber auch Steinfurth. Dort besteht ein erhebliches Defizit, deshalb wird kurzfristig eine Außengruppe gegründet. Als Domizil stellt die Stadt den 20 Kindern einen Bauwagen bereit.

Nach den Worten von Krank muss die Stadt bei ihrer Planung weit vorausschauen. »Es macht keinen Sinn, jetzt neue Kitas zu bauen, die in einigen Jahren leer stehen werden.« Prognostiziert wird mittelfristig nämlich ein leichter Rückgang der Zahl von Kindern zwischen einem und sechs Jahren. Hauptgrund: Nach Bad Nauheim Süd, das inzwischen fast komplett bebaut ist, ist kein größeres neues Wohngebiet in Planung.

116 neue Plätze bis 2025

Die Ausbauplanung für die Kinderbetreuung in Bad Nauheim sieht die Schaffung von 116 neuen Plätzen bis 2025 vor. Im laufenden Jahr sollen 10 neue Kita-Plätze im Waldorfkindergarten und 20 in der Kita »Zauberwald« (Steinfurth) entstehen. 2023 kommen weitere 15 Ü 3-Plätze und 13 U 3-Plätze in der Kita Bad Nauheim Süd hinzu. Der Waldorfkindergarten stellt 10 neue Krippenplätze zur Verfügung.

Eine neue Kinderkrippe soll 2024 an der Sodenschmiede eröffnet werden. In Zusammenarbeit mit dem Diakoniewerk plant die Stadt dort 36 Plätze. Erweitert werden soll die Kita am Hochwald im Jahr 2025. Dann wird die dortige Krankenpflegeschule ausgezogen sein. Die Räumlichkeiten können von der Kindertagesstätte übernommen werden, die damit um 12 Plätze wachsen wird.

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