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Für das Baugebiet "Bad Nauheim Süd" soll eine Übergangs-Kita gebaut werden. Der Standort steht noch nicht fest. 

Bis zu 62 Plätze geplant

Kinderbetreuung: Grünes Licht für Not-Kita in Bad Nauheim

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Bekommt in Bad Nauheim jedes Kind pünktlich seinen Kita-Platz? Der städtische Familienbeirat bezweifelt dies, wie in der Sitzung des Sozialausschusses deutlich geworden ist.

Die Stadt will eine Übergangs-Kita für das Neubaugebiet "Bad Nauheim Süd" errichten, dies soll in Containerbauweise geschehen. Einstimmig gab der städtische Ausschuss für Jugend und Soziales am Dienstagabend grünes Licht dafür.

Dem Beschluss ging eine Diskussion über die Kita-Bedarfsplanung voran. Familienbeiratsvorsitzende Julia Laasch und Vertreter der SPD waren der Ansicht, dass die Stadt den Bedarf zu knapp plane. Erster Stadtrat Peter Krank (parteilos) widersprach dieser Auffassung. Bad Nauheim sei schon lange keine Stadt mit besonders hohem Altersdurchschnitt mehr - das sei erfreulich. "Doch der Ausbau von Kitas ist ein Kraftakt, denn der Zuschussbedarf liegt mittlerweile bei elf Millionen Euro", sagte er. Zu jedem Jahresbeginn lege der Fachbereich die Kita-Bedarfsplanung vor. So auch an diesem Abend. Auf dieser Basis fuße die Kinderbetreuung der Stadt quantitativ und qualitativ, was gut funktioniere. Gleichwohl müsse der Fachbereich regelmäßig zeit- und bedarfssynchron nachjustieren, da Planung und Wirklichkeit voneinander abweichen könnten.

Schwierige Prognosen

"Eine 'Vorrats-Kita' können wir uns aber nicht leisten", sagte Krank. Er kam auf die Noteinrichtung für "Bad Nauheim-Süd" zu sprechen, die ab August in Betrieb gehen soll. "Ursprünglich hatten wir angedacht, die ehemalige Röntgenschirmbildstelle in der Schwalheimer Straße zu beziehen." Unverhofft verzögere sich der Einzug aber bis voraussichtlich 2022.

Jochen Mörler, Fachbereichsleiter Soziales, erklärte die Schwierigkeiten von Prognosen, da er die Geburtenzahlen im Voraus nicht kenne und zudem nie bekannt sei, wie viele Familien mit Kindern wirklich in ein Neubaugebiet zögen. So sei es in 2018/19 zu Abweichungen nach oben gekommen. Denn alles, was die Verwaltung berechne, "beruht auf Annahmen, und die können falsch und richtig sein", sagte Mörler. Er präsentierte eine mathematische Formel, mit der er die Bedarfe der Baugebiete errechnet, beispielsweise "Bad Nauheim Süd" und "Dieselstraße". Besonders im U3-Bereich dürfte die Nachfrage laut Krank und Mörler mit Blick in die Ferne allgemein zunehmen: Derzeit brächten rund 50 Prozent der Eltern ihre Kleinkinder in die Krippe, was stabil sei, auf längere Sicht aber auf 70 oder 80 Prozent steigen könnte. Dem Ausschuss lagen die aktuellen Zahlen und Prognosen für U3- und Ü3-Betreuung bis zum Jahr 2025 vor: Sie wiesen auf eine kleine Unterdeckung hin, die in Nieder-Mörlen 2020/21 allerdings deutlich ausfällt.

Laasch warnt: Nicht "spitz auf Knopf" planen

Julia Laasch, Vorsitzende des städtischen Familienbeirats, hakte nach, ob wirklich sämtliche Baugebiete in der Planung berücksichtigt werden. In der Kernstadt entstünden immer wieder Wohneinheiten in ehemaligen Villen sowie Mehrfamilienhäuser - sie halte es daher für problematisch, "spitz auf Knopf" zu planen. "Ich befürchte, dass die Zahl der Kitaplätze nicht reicht und es vermehrt zu Notmaßnahmen kommt", sagte sie. Laasch schlug einen engeren Austausch der Ämter im Rathaus vor, um auf den Bau einzelner Mehrfamilienhäuser früher aufmerksam zu werden.

Wie Krank unterstrich, gehe die Planung trotz einzelner Unwägbarkeiten im Endeffekt immer gut auf. Zudem kämen solche innerstädtischen Bauvorhaben oft sehr kurzfristig. Die aktuelle Notsituation für "Bad Nauheim Süd" liege an der Verzögerung in der Schwalheimer Straße und sei nicht absehbar gewesen.

Die SPD-Vertreter schlossen sich Laasch allerdings an: "Es ist ein Verbesserungsvorschlag", sagte Steffen Hensel. Sinan Sert erklärte: "Man sollte prognostisch die Bautätigkeiten in Bad Nauheim sehr großzügig einfließen lassen, sodass man vor Überraschungen gefeit ist."

Wie Britta Weber (FDP) indes einwandte, verlaufe die Entwicklung der Bedarfszahlen zyklisch. In einem Baugebiet mit anfänglich vielen kleinen Kindern sehe es nach 15 Jahren ganz anders aus. "Deshalb ist es haushalterisch schwierig, zu sagen: 'Wir setzen in jedes Neubaugebiet eine Kita.'"

Die neue Kita: Zahlen und Fakten

Die Ausbaumöglichkeiten in den bestehenden Kita-Einrichtungen in Bad Nauheim sind weitgehend ausgeschöpft. Wie aus der Magistratsvorlage zur Errichtung einer Übergangs-Kita für das Neubaugebiet "Bad Nauheim Süd" hervorgeht, kann die Stadt die Platzanfragen derzeit weder im Krippen- noch im Kitabereich decken, sodass das Risiko von Klagen Anspruchsberechtigter deutlich wachse. Im Vordergrund dieser Betrachtungen liege vor allem der zusätzliche Bedarf, hervorgerufen durch das neue Baugebiet "Bad Nauheim Süd". "Hier entsteht nach Aussagen der Bewohner kein Haus ohne Kinder", heißt es in der Vorlage weiter. Aktuell könne aber weder ein Übernahmedatum noch ein Termin zur Inbetriebnahme für die ehemalige Röntgenschirmbildstelle (Schwalheimer Straße) genannt werden. Daher will die Stadt kurzfristig als Übergang eine Kita in Modulbauweise errichten. Sie soll Platz für 44 bis 50 Kita- sowie 10 bis 12 Krippenplätze bieten. Der Standort steht noch nicht fest.

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