Kerckhoff-Klinik ruft zum Organspenden auf

Bad Nauheim (pm). Die Kerckhoff-Klinik schlägt Alarm: Laut Prof. Dr. Hossein-Ardeschir Ghofrani, Ärztlicher Geschäftsführer der Klinik, ist die Organspendebereitschaft in Deutschland stark zurückgegangen.

"Durch den Rückgang der Spendebereitschaft konnten im vergangenen Jahr beispielsweise nur 327 Herzen in Deutschland transplantiert werden. Das ist der geringste Wert seit Beginn der Zählung im Jahr 1994. Insgesamt zählt Deutschland im internationalen Vergleich mit seinen Transplantationszahlen zu den Schlusslichtern."

Umso mehr freuten sich Ghofrani und der Kaufmännische Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik, Ulrich Jung, dass sich Landrat Joachim Arnold jüngst einen Organspendeausweis ausstellen lassen hat. "Organspende ist für mich eine Frage der aktiv gelebten Nächstenliebe, die Leben rettet und nach meiner Auffassung – insbesondere in unserer heute sehr egozentrisch geprägten Gesellschaft – zu den ethischen Bürgerpflichten gehört", sagte Landrat Arnold bei der öffentlichen Präsentation seines Ausweises. "Wir begrüßen diese persönliche Entscheidung des Landrats für die Organspende sehr und hoffen, dass das öffentliche Engagement von politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern wie Herrn Arnold Vorbild für andere ist", sagte Jung.

Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hat die Zahl der Transplantationen 2013 gegenüber dem Vorjahr aufgrund des Organmangels insgesamt um rund 16 Prozent abgenommen. "Transplantiert werden konnten in diesem Jahr daher nur rund 2700 gegenüber mehr als 3000 Organe im gleichen Zeitraum des Vorjahres", heißt es in der Pressemitteilung.

Dem gegenüber stünden in Deutschland rund 11 000 Patienten auf der Warteliste für ein Organ, etwa 1000 davon warteten auf ein Spenderherz. In Hessen liege der jährliche Bedarf für Herzen bei etwa 30 Transplantationen. "Dieser Bedarf konnte bisher aufgrund fehlender OP-Kapazitäten und des Organmangels nicht gedeckt werden. Die Folge war, dass Transplantationspatienten oft in andere Bundesländer ausweichen mussten und nicht wohnortnah versorgt werden konnten", erläuterte Jung.

Arnold betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung des neuen Transplantationszentrums für die Patienten in der Region: "Mit dem Ausbau der Transplantationsmedizin an der Kerckhoff-Klinik sind die Voraussetzungen geschaffen worden, die Versorgungssituation in Hessen deutlich zu verbessern. Dies löst natürlich nicht das grundsätzliche Problem des Organmangels. Daher muss alles getan werden, um die Spendebereitschaft in der Bevölkerung zu erhöhen und den Organmangel zu beseitigen. Dafür setze ich mich aktiv ein."

Ghofrani wies darauf hin, dass auch die neuen technischen und medizinischen Möglichkeiten keinen Ersatz für Organspenden darstellen: "Für Herzpatienten stehen mit den modernen Kunstherzen zwar neuen Technologien zur Verfügung, die Wartezeit bei dafür geeigneten Patienten für eine gewisse Zeit zu überbrücken, allerdings sind wir bei Patienten, die beispielsweise aufgrund eines Lungenhochdrucks transplantationspflichtig werden, zu 100 Prozent auf Spenderorgane angewiesen, da hier vergleichbare Organersatztechnologien fehlen."

Zwar könnten diese Patienten im Lungenhochdruckzentrum Mittelhessen, das gemeinsam vom Universitätsklinikum Gießen und der Kerckhoff-Klinik betrieben werde und mit rund 3000 betreuten Patienten das weltweit größte Zentrum für Lungenhochdruck darstelle, für eine gewisse Zeit stabil gehalten werden. Wenn eine Transplantation dann jedoch akut notwendig werde, gebe es für viele Patienten aufgrund des Organmangels kaum Hoffnung.

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